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Studieren auf dem Werksgelände

Lübeck Studieren auf dem Werksgelände

Lukas Kleinhans sitzt vor seinem Laptop, neben ihm steht ein aufgeschraubtes Anästhesiegerät. „Ich kann daran verschiedene Modifikationen testen“, sagt er und deutet auf die angeschlossene Hardware. Der 24-Jährige studiert Medizinische Ingenieurwissenschaft an der Universität Lübeck.

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Institutsdirektor Philipp Rostalski (l.) und Student Lukas Kleinhans arbeiten an einem aufgeschraubten Anästhesiegerät.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Zurzeit ist er jedoch häufig auf dem Werksgelände von Dräger an der Moislinger Allee anzutreffen. Denn dort befindet sich seit zwei Jahren das Institut für Medizinische Elektrotechnik – ein Stiftungslehrstuhl mit deutschlandweitem Modellcharakter.

LN-Bild

Lukas Kleinhans sitzt vor seinem Laptop, neben ihm steht ein aufgeschraubtes Anästhesiegerät. „Ich kann daran verschiedene Modifikationen testen“, sagt er und deutet auf die angeschlossene Hardware. Der 24-Jährige studiert Medizinische Ingenieurwissenschaft an der Universität Lübeck.

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Es gebe zwar schon einige Stiftungslehrstühle in Deutschland, „aber das hier ist der Erste, der auf dem Gelände einer Firma ansässig ist“, sagt Karsten Hiltawsky, Head of Technology bei Dräger. Das vergrößere die Möglichkeiten des Austausches. Finanziert wird das Institut unter anderem von der Jürgen-Wessel-Stiftung und Dräger.

Das Lübecker Unternehmen stellt zum Beispiel die Räumlichkeiten und Geräte zur Verfügung. An Haus 19 hängt seitdem ein Schild mit der Aufschrift „Universität zu Lübeck“, im Inneren des Gebäudes tummeln sich Studenten und Doktoranden. „Pro Semester kommen etwa 60 Studenten zum praktischen Arbeiten hierher“, berichtet Institutsdirektor Philipp Rostalski. „Das Gute ist, dass sie an echten medizinischen Geräten forschen und dann auch gleich noch Geräteexperten von Dräger dazu befragen können.“ Mit dem Modell, an dem Lukas Kleinhans gerade mögliche Verbesserungen testet, würden beispielsweise am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein täglich Narkosen eingeleitet.

Der Schwerpunkt des Stiftungslehrstuhls liegt auf Mess- und Regelungstechnik für die Medizin. „Wir wollen, dass die Forschung in diesem Bereich vorangetrieben wird“, sagt Hiltawsky. Zum Beispiel zur Automatisierung. „Allgemein wird die Technik immer autonomer“, sagt Hiltawsky. „Irgendwann wird diese Entwicklung auch in der Medizintechnik ankommen und damit Dräger betreffen.“

Das Unternehmen hat die Richtung vorgegeben, die genaue Ausgestaltung der Forschung liege aber in der Hand der Uni. „Wir sind ein unabhängiges Institut“, betont Rostalski. „Wir machen zwar Auftragsforschung für Dräger, verfolgen aber auch unabhängige Forschungsprojekte.“ Ein Vorteil der Kooperation sei, dass Forschungsergebnisse schneller umgesetzt würden. „Normalerweise kann das 20 bis 30 Jahre dauern“, sagt er. Derzeit arbeiten Dräger und das Institut an zwei langfristig angelegten Projekten im Bereich Akutmedizin zusammen. Zudem gebe es einige Bachelor- und Masterstudenten, die ihre Abschlussarbeiten bei dem Medizintechnik-Unternehmen schrieben.

Für Dräger seien aber nicht nur die Forschungsergebnisse von Interesse, sondern angesichts des Fachkräftemangels auch die Möglichkeiten, über die enge Zusammenarbeit gut qualifizierte Arbeitskräfte zu bekommen. „Einige Absolventen konnten wir bereits für uns gewinnen“, berichtet Hiltawsky.

Außer dem Projektraum stehen in Haus 19 auch Büroarbeitsplätze sowie ein Elektronik-Labor für die Studenten zur Verfügung. Letzteres wird vor allem für die Seminare genutzt. Denn die Vorlesungen werden aus Platzgründen in den Hörsälen auf dem Campus veranstaltet. Im Elektronik-Labor können die Studenten zum Beispiel Hörgeräte sowie Blutdruck- und Alkoholmessgeräte zusammenbauen oder verschiedene Experimente durchführen. Master-Student Jonas Gruner testet dort gerade, wie sich ein Quadrocopter regulieren lässt. „Ich probiere mit verschiedenen Algorithmen, wie sich seine Position in der Luft möglichst genau steuern lässt“, erklärt der 23-Jährige. Über einen Funkchip wird die Position des Fluggerätes bestimmt. „Wenn bei der Regulierung etwas schief geht, stürzt er ab.“ Die Erkenntnisse aus solchen Forschungsprojekten ließen sich laut Rostalski oft auch für medizinische Geräte nutzen.

Erste Stiftungsuniversität in Schleswig-Holstein

Seit 1. Januar 2015 ist Lübeck Stiftungsuniversität. Diese Rechtsform ermöglicht es, einen Kapitalstock aus privaten Spenden anzuhäufen. Ziel der Uni ist es, bis 2025 rund 50 Millionen Euro an privaten Fördermitteln einzuwerben. An der staatlichen Finanzierung hat sich durch die Umwandlung nichts geändert, die Zuschüsse des Landes fließen weiter.

15 Stiftungsprofessuren gibt es aktuell an der Uni Lübeck, fast alle in der Medizin (14) sowie eine im Mint-Bereich. Stifter sind zum Beispiel die Deutsche Rentenversicherung Nord (Sozialmedizin) und Euroimmun (Medizinische Klinik I, Dermatologie). Die Professorenstelle wird von den Förderern auf Zeit finanziert, in der Regel für fünf Jahre.

Janina Dietrich

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