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Wirtschaft im Norden Supermarkt für Veganer in Hamburg
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Supermarkt für Veganer in Hamburg
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21:19 06.07.2013
Von Annika Reichardt
Hamburg

Es gibt Pizza. Es gibt Eis. Es gibt saure Gummischlangen. Mein Herz klopft. Wie beim ersten Date. Alles ist wieder möglich. Endlich. „Selbst schuld, wie kann man auch nur freiwillig auf so viel Leckeres verzichten“, lautete bisher der Standardspruch meiner Mutter. Sie meint die Milch im Kaffee, den Käse auf der Pasta, den Thunfisch in der Soße.

Nun, Mama, Verzicht war gestern. Heute gibt es für Leute wie mich vegane Supermärkte. Eben noch ein Exot, jetzt schon Teil einer Massenbewegung. Ein ganz neues Selbstbewusstsein durchflutet mich beim Gang durch die Verkaufsinseln. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man als Liebhaber einer abseitigen Musikgruppe auf einem Konzert plötzlich auf hundert andere Fans treffen. Es fehlt nicht viel, und ich wäre gerührt angesichts des langen Regals mit veganer Schokolade.

Immer wieder erwische ich mich bei dem Impuls, die Etiketten zu studieren, wie es Vegetariern, Veganern und Allergikern in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ist das Lebensmittel wirklich frei von tierischen Inhaltsstoffen, oder hat sich in der Zutatenliste Butter versteckt, oder Gelatine, oder Ei? Entspann dich, sage ich mir. Die Arbeit hat das „Veganz“-Team um Geschäftsführerin Helen Unsinn schon für dich erledigt.

Die Resonanz der ersten Woche war laut Unsinn phänomenal. „Es kamen Menschen aus Hannover, aus Bremen — in Norddeutschland ist das vegane Angebot anders als in München oder Berlin ja noch nicht flächendeckend.“ Schüler, Studenten, Familien, aber auch überraschend viele über 60-Jährige seien unter den Kunden. „Viele kommen auch mit dem Ratschlag ihres Arztes, mehr auf pflanzliche Nahrung zu setzen“, sagt Unsinn.

Das hier, wird mir klar, hat nichts mit einem normalen Bioladen gemein, oder einem Reformhaus, wo die pflanzlichen Produkte meist gut im Sortiment versteckt sind. „Kann ich dir helfen?“ Die Stimme einer jungen, hippen Frau in Leinenschuhen reißt mich aus meiner Trance. Seit Minuten starre ich auf das Pizzasortiment. „Ich bin etwas überwältigt“, antworte ich. Die Verkäuferin nickt zufrieden, diese Schockstarre hat sie in den Tagen seit der Eröffnung schon mehrfach erlebt. „Lebst du denn rein vegan?“, will sie wissen. „Ja“, sage ich, „so gut ich es irgendwie schaffe.“ Sie empfiehlt mir eine importierte Tiefkühl-Pizza für um die 8 Euro. Der Preis lässt mich zögern, doch andererseits: Ein Pizza vom Bestellservice ist auch nicht billiger. Ein kleiner Luxus.

„Das nenne ich einen Großeinkauf“, freut sich der Mann später an der Kasse. Kokoseis und Käseersatz wandern in meinen Korb, dazu Süßkram, Würstchen, Kaffeeweißer aus Sojamilch, Cashewnuss- Creme, Aufstrich aus Sonnenblumenkernen und Seidentofu. Die ganz krassen Sachen wie den veganen Thunfisch spare ich mir für den nächsten Besuch. Vielleicht mit Mama.

Schon 600 000 Veganer
„Veganz“ ist die erste Supermarktkette Europas, die ein rein veganes Vollsortiment führt. In Hamburg (Schützenstraße 21) eröffnete sie jetzt ihr viertes Geschäft nach zwei Filialen in Berlin und einer in Frankfurt. Das Sortiment umfasst neben Lebensmittel auch vegane Kosmetik und Haushaltsprodukte. Laut Vegetarierbund Vebu leben in Deutschland 600 000 Veganer.

Annika Reichardt

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