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21:15 23.06.2017
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Hamburg

. Die Schnellabschaltungen der beiden Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel vor zehn Jahren am 28. Juni 2007 sind nach Ansicht des Greenpeace-Atomexperten Heinz Smital „einschneidende Ereignisse“ der deutschen Kernenergiegeschichte gewesen. Wegen technischer und organisatorischer Probleme sehe er im Störfall von Krümmel Parallelen zum ersten schweren Kernschmelzunfall in dem US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg von 1979. Er warf dem Betreiber-Konzern Vattenfall vor, damals die Pannen verharmlost zu haben.

Brand im Trafohaus: Als im Juni 2007 der Qualm über Krümmel bei Geesthacht stand, sorgte das bundesweit für Aufmerksamkeit. Quelle: Foto: Timo Jann/dpa

Am 28. Juni 2007 hatte sich nach einem Kurzschluss um 13.20 Uhr zunächst das Kernkraftwerk Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen, etwa 70 Kilometer westlich von Hamburg, abgeschaltet. Anderthalb Stunden später, um 15.02 Uhr brannte nach einem Kurzschluss eine große Trafostation auf dem Gelände des AKW Krümmel in Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) knapp 30 Kilometer östlich von Hamburg. Schwarze Rauchschwaden waren kilometerweit zu sehen, rund 70 Tonnen Transformator-Öl gerieten in Brand.

Auf die Frage, ob Vattenfall damals die Situation verharmlost oder vertuscht habe, antwortete Smital: „Auf jeden Fall hat Vattenfall die Ereignisse verharmlost und behauptet, der nukleare Teil der Anlage sei nicht betroffen, dabei wurden Sicherheits- und Entlastungsventile falsch betätigt, der Wasserstand im Reaktordruckbehälter ist dramatisch abgesunken und im Kontrollraum sind Rauchgase eingedrungen, so dass teilweise Gasmasken getragen werden mussten.“

Eine Vattenfall-Sprecherin verwies darauf, dass die Ereignisse in Krümmel und Brunsbüttel im Juni 2007 von ihrer sicherheitstechnischen Bedeutung her der niedrigsten Stufe zugeordnet worden seien.

Die Schnellabschaltungen in beiden Kraftwerken hätten gerade das Funktionieren der Sicherheitssysteme unter Beweis gestellt. „Eine Gefahr für Mensch oder Umwelt bestand nicht. Das hat damals auch die Aufsichtsbehörde bestätigt“, sagte die Sprecherin. „Dass Bilder von Qualm und Rauch in einem Kernkraftwerk dazu geeignet sind, die Menschen zu verunsichern, verstehen wir, und wir haben für unsere Kommunikationsarbeit daraus die Lehre gezogen.“

Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima wurden 2011 beide Kraftwerke im Zuge einer Änderung des Atomgesetzes formell endgültig stillgelegt.

Der heutige Chef der Atomaufsicht des Bundes und damalige Leiter der Atomaufsicht in Schleswig-Holstein, Wolfgang Cloosters, wollte sich zu den Vorfällen von damals mit Rücksicht auf seine Rolle als Zeuge in einem schwebenden Verfahren nicht öffentlich äußern. Er merkte allerdings an: „In der öffentlichen Wahrnehmung ist dieses Ereignis als ein sehr bedeutsames eingeordnet worden, und das auch zu Recht. Flammen in einem Kernkraftwerk, Eintreten von Rauchgasen in die Warte eines Kernkraftwerkes – das sind schon gravierende Vorgänge, so etwas darf einfach nicht passieren, das muss unter allen Umständen vermieden werden, und zwar durch entsprechende vorsorgende Planung und durch vorsorgende Instandhaltung.“

Das Informationsverhalten von Vattenfall sei damals ja auch in den Medien als desaströs kritisiert worden, „was auch zur Folge hatte, dass bei Vattenfall Köpfe gerollt sind“.

Daten und Fakten

Die Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel in Zahlen:

Brunsbüttel gehört zu 66,7 Prozent Vattenfall und zu 33,3 Prozent Eon. An Krümmel sind beide Energiekonzerne mit jeweils 50 Prozent beteiligt. Im Jahr 1977 ging Brunsbüttel in Betrieb, Krümmel erst sieben Jahre später, 1984.

Die installierte Bruttoleistung liegt in Brunsbüttel bei 806 Megawatt, in Krümmel sind es 1402.

Bis 2011 wurden in Brunsbüttel 124 211 Gigawattstunden Strom erzeugt, in Krümmel waren es 208 031.

Seit der Inbetriebnahme gab es im „Pannenmeiler“ Brunsbüttel 484 meldepflichtige Ereignisse (das sind deutlich mehr als im Bundesschnitt), in Krümmel waren es 341. Der Meiler in Geesthacht ist auch wegen mehrerer Krebsfälle in der Nachbarschaft immer wieder in den Schlagzeilen gewesen. Brunsbüttel war während 55,6 Prozent der gesamten Betriebszeit „arbeitsverfügbar“, in Krümmel waren es 70,3 Prozent.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden im Jahr 2011 beide Kraftwerke im Zuge einer Änderung des Atomgesetzes formell endgültig stillgelegt.

LN

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