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Wirtschaft im Norden ThyssenKrupp und Tata schmieden neuen Stahlgiganten
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20:56 20.09.2017
Stahlkocher bei der Arbeit: Viele Stellen fallen bei der Fusion von Thyssenkrupp und Tata weg.
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Essen

Bei beiden Konzernen sollen je 2000 Stellen wegfallen und insgesamt 400 bis 600 Millionen Euro Synergien entstehen. Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden in der Region Amsterdam haben. Der endgültige Vertrag soll Anfang 2018 unterzeichnet werden, teilte Thyssenkrupp gestern in Essen mit. Die Kontrollgremien der beiden Unternehmen müssen den Plänen noch zustimmen.

Der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte sprach von einer falschen Entscheidung. „Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen“, sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back. Ziel müsse es nun sein, „das Schlimmste“ zu vermeiden.

Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2000 Stellen bei Thyssenkrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss „wesentlich mehr“ Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er. Für diesen Freitag haben Betriebsrat und IG Metall zu einer Protestkundgebung in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5000 Stahlkocher erwartet werden.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger zeigte sich überzeugt, dass es gelingen werde, in Gesprächen auch die Arbeitnehmerseite von dem Vorhaben zu überzeugen. „Wir wollen den Stahl nicht loswerden“, sagte er. Die Arbeitnehmervertreter hatten zuvor angekündigt, bei einer möglichen Abstimmung im Aufsichtsrat geschlossen gegen eine Fusion stimmen zu wollen. Ein solches Votum wäre ein Novum in der Konzerngeschichte.

Die Krupp-Stiftung als wichtige Großaktionärin begrüßte das Vorhaben. Hiesinger stellte durch die Fusion eine „nachhaltige Zukunftsperspektive“ in Aussicht. Mit dem Zusammenschluss seien beide Unternehmen „weitaus besser aufgestellt, um den strukturellen Herausforderungen von Europas Stahlindustrie zu begegnen“. Durch den Zusammenschluss würden beide Unternehmen von erheblichen Synergien profitieren, hieß es. Tata Steel-Chef Natarajan Chandrasekan sprach von einem „Meilenstein“ für beide Partner.

In einem Brief an die Mitarbeiter wies Hiesinger auf „erhebliche Überkapazitäten“ in der Stahlbranche hin. Die Nachfrage nach Flachstahl wachse nur sehr langsam. Alle Stahlunternehmen arbeiteten mit Restrukturierungsprogrammen dagegen. „Die Wirkung ist aber nur von kurzer Dauer und schnell vom Markt aufgezehrt.“ Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, die uns dazu zwingt, immer wieder schmerzhaft nachzuziehen.“ Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, habe man sich für den Zusammenschluss entschieden.

Nach dem Zusammenschluss kommt das Unternehmen auf 48000 Mitarbeiter – 27 000 von Thyssenkrupp. Hinter dem Branchenprimus ArcelorMittal würde damit das zweitgrößte Stahlunternehmen in Europa entstehen, gemessen an der Produktion. Das neue Unternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel mit 34 Standorten würde einen Umsatz von 15 Milliarden Euro erzielen.

Herzstück ist die Hütte in Duisburg

Der Technologiekonzern Thyssenkrupp mit seinen gut 150 000 Mitarbeitern gliedert sich in sechs Geschäftsbereiche. Das traditionsreiche Unternehmen gehört zu den weltweit wichtigsten Herstellern von Aufzügen und liefert Industriekomponenten. Im Geschäftsjahr 2015/16 lag der Konzernumsatz bei gut 39 Milliarden Euro. Herzstück der Stahlsparte ist die 1891 gegründete Hütte in Duisburg. Der Bereich Steel Europe mit seinen 27 000 Mitarbeitern trägt ein Fünftel zum Konzernumsatz bei. Rund 12 Millionen Tonnen Stahl werden jährlich erzeugt.

Uta Knapp

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