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„Tofubutter“ und „Pflanzenkäse“ dürfen nicht verkauft werden

Luxemburg „Tofubutter“ und „Pflanzenkäse“ dürfen nicht verkauft werden

Europäischer Gerichtshof: Milchprodukte müssen von der Kuh kommen.

Was keine Milch ist, darf auch nicht so heißen, befand der Europäische Gerichtshof.

Quelle: dpa

Luxemburg. Veganer verzichten auf tierische Produkte. Doch was, wenn die Lust auf Käse kommt? Dann gibt es pflanzliche Alternativen, inzwischen sogar ziemlich viele. Der Hersteller Tofutown aus der Eifel hat sich darauf spezialisiert – ist aber verklagt worden, weil er Namen wie „Tofubutter“, „Pflanzenkäse“ und „Veggie-Cheese“ nutzt. Könnte nach Milch klingen, finden Wettbewerber – und der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat gestern in ihrem Sinne entschieden. Ein Überblick:

Was steht im EU-Recht?

Das ist ziemlich eindeutig. „Der Ausdruck ,Milch’ ist ausschließlich dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion, ohne jeglichen Zusatz oder Entzug, vorbehalten“, steht in der EU-Verordnung, die alle möglichen Agrarprodukte definiert und kategorisiert. Und auch „Milcherzeugnisse“ müssen Milch enthalten.

Warum nutzt Tofutown dann Begriffe wie „Tofubutter“?

„Tofutown verwendet die Worte Butter, Käse und Cheese, weil Tofutown Produkte herstellt, die wie Butter und Käse hergestellt werden“, erklärt Anwalt Michael Beuger, der das Unternehmen in dem Streit vertritt. „Die Käsealternativen von Tofutown werden im Wesentlichen genauso hergestellt wie traditioneller Käse aus ,tierischer Eutersekretion’. Sie sehen genauso aus, sie schmecken genauso und können genauso verarbeitet werden wie Kuh-, Schafs- oder Ziegenmilch-Produkte.“

Wie argumentiert die Gegenseite?

„Milch ist eine natürlich entstandene Flüssigkeit, die man verarbeiten kann. Milcherzeugnisse müssen daraus sein“, argumentiert Angelika Lange vom Verband Sozialer Wettbewerb aus Berlin – so stehe es nun einmal in der EU-Verordnung. Der Verband vertritt Beschwerdeführer, die nicht genannt werden wollen. Es handle sich um „Mitbewerber“, sagt Lange. Der Gebrauch von Begriffen wie Milch verwirre Verbraucher, die „abends in Eile beim Einkaufen“ leicht zur falschen Packung griffen und erst zu Hause bemerkten, dass die vermeintliche Milch eigentlich aus Pflanzen hergestellt sei.

Und der EuGH?

Auch der sieht eine Verwechslungsgefahr. Die Regelungen im europäischen Recht seien eindeutig und nützlich für Verbraucher, Hersteller und Händler. Sie sicherten zudem Qualitätsstandards.

Besteht denn tatsächlich das Risiko von Verwechslungen?

Das hängt davon ab, wen man fragt. „Bei pflanzlichen Produkten wird klar kommuniziert, dass es keine tierischen Produkte sind. Das ist ja sogar ein Verkaufsargument“, meint Felix Domke vom Vegetarierbund. Und auch Tofutown-Anwalt Beuger unterstreicht, dass das Unternehmen seine Waren „mit einem deutlichen Hinweis“ auf den pflanzlichen Ursprung versehe, „damit der Verbraucher weiß, was er kauft“. Allerdings ist Tofutowns Verwendung von Milchbegriffen doch ziemlich ungewöhnlich. Die meisten Hersteller gehen juristischen Scherereien aus dem Weg und nutzen Begriffe wie „Reisdrink“. Laut Forsa-Umfrage vertut sich kaum jemand beim Griff ins Supermarkt-Regal: Nur vier Prozent der Befragten gaben an, dass sie vegetarische oder vegane schon einmal mit tierischen Produkten verwechselt hätten – oder umgekehrt.

Warum darf dann zum Beispiel Kokosmilch so verkauft werden?

Es gibt eine EU-Ausnahme von der EU-Regel. Insgesamt 21 „milchig“ klingende Produkte, die aber nicht aus Eutern kommen, stehen auf einer besonderen Liste, nach Sprachgruppen geordnet. Das führt dazu, dass „Latte di mandorla“ zwar in Italien verkauft werden darf, aber Mandelmilch nicht in Deutschland. Neben der Kokosmilch sind dort für Deutschland auch Erdnussbutter, Leberkäse und Butterbohnen aufgeführt. Das sei nicht zu vergleichen, meint Jörg Rieke vom Milchindustrie-Verband. „Das ist eine abschließende Ausnahmeliste von traditionellen Erzeugnissen.“

Trend zu Veggieprodukten

Ersatzprodukte für Vegetarier und Veganer boomen. Seit Jahren freuen sich die Hersteller über Umsatzsprünge von mitunter mehr als 20 Prozent pro Jahr. Ende vergangenen Jahres allerdings stockte der Trend: Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) war der Umsatz zum Jahresende hin rückläufig. Zuvor hatten Öko-Test und die Stiftung Warentest mehrere Fleisch-Alternativen durchfallen lassen. Veggieschnitzel und pflanzliche Brotaufstriche bleiben ohnehin ein Nischenprodukt. 2015 gaben die Deutschen laut GfK durchschnittlich knapp 3,80 Euro dafür aus – und zwar im gesamten Jahr.

LN

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