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Traditionsschiffer fordern Klarheit

Berlin Traditionsschiffer fordern Klarheit

Neue Runde im Streit um eine EU-Sicherheitsverordnung für historische Schiffe: Die Vereinigung der Traditionsschiffer sieht die Gefahr, dass der entsprechende Entwurf schon in Kürze in Berlin unterzeichnet wird und das Aus für viele Schiffe bedeutet. Das Bundesministerium widerspricht.

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Der 72 Jahre alte Kapitän Wolfang Viertel auf seinem Traditionssegler „Ingrid“ im Museumshafen in Lübeck.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Berlin. Die Zweimast-Galleasse „Fridthjof“ aus dem Lübecker Museumshafen oder das luxuriöse Motorschiff „Stadt Kiel“ sind ganz unterschiedliche Wasserfahrzeuge. Doch beide stehen vor einem ungewissen Schicksal, wie alle etwa 110 Traditionsschiffe an Nord- und Ostsee. Der seit knapp zwei Jahren währende Streit mit dem Bundesverkehrsministerium über die neue Sicherheitsverordnung für die historischen Schiffe eskalierte vergangene Woche. Aus dem Berliner Ministerium „sickerte durch“, dass der amtierende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) – im Hauptressort Landwirtschaftsminister – noch in dieser Woche die umstrittene Verordnung in Kraft setzen würde. Die Traditionsschiffer schlugen Alarm.

Einmütig wurde auf der Regionalkonferenz in Rostock vom Dachverband für Traditionsschiffe (GSHW – Gemeinsame Kommission für Historische Wasserfahrzeuge) am Wochenende ein „Umsetzungsstopp“

gefordert. Die Stralsunder SPD-Bundestagabgeordnete Sonja Steffen machte sich die Sorgen der Verbände zu eigen und verlangte vom CSU-Minister unverzüglich Auskunft: „Wir wollen wissen, was das Bundesministerium bei der Schiffssicherheitsverordnung genau plant. Das Hin und Her ist unsäglich und verunsichert die Traditionsschiffer.“ Man müsse sich mit den Vertretern der Traditionsschiffe an einen Tisch setzen. Doch das Berliner Ministerium verweigere jeden Dialog. Die SPD-Politikerin äußerte einen schlimmen Verdacht: „Jetzt scheint sich zu bestätigen, dass Dobrindt (der bisherige Verkehrsminister, inzwischen Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Anm. d. Red) den Aufschub nur genutzt hat, um das Thema aus dem Wahlkampf heraus zu halten.“

Für den Lübecker Lutz Kirsten, Vorsitzender des Vereins „Galleasse Fridthjof“, steht fest, sollte die Verordnung in der vorliegenden Form in Kraft treten, müssten viele Traditionsschiffe um ihr Überleben bangen. Dass die ehrenamtlichen Traditionsschiffer etwa regelmäßig ihre Seetauglichkeit sowie Erste-Hilfe-Kurse nachweisen müssten, sei von vielen Vereinen nicht zu leisten. Auch geforderte Umbauten auf den Schiffen, um den höheren Sicherheitsanforderungen zu genügen, seien kaum zu leisten. Nikolaus Kern, stellvertretender GSHW-Vorsitzender, meinte gestern zu den LN: „Die ganze Sicherheitsverordnung ist per se völlig unzweckmäßig. Dass die Traditionsschiffe den gleichen Sicherheitsanforderungen unterworfen werden sollen wie sie in der Berufsschifffahrt etwa für große Ozeanriesen gelten, trifft die Traditionsschifffahrt ins Mark. Diese Verordnung muss grundlegend überarbeitet werden.“

Das Bundesverkehrsministerium konnte die ganze Aufregung allerdings nicht verstehen. Eine Sprecherin sagte den LN, dass keine Unterzeichnung der Sicherheitsverordnung durch den amtierenden Minister geplant sei. Sie verwies dagegen auf eine für kommenden Montag im Ministerium geplante Arbeitsgruppensitzung mit den Traditionsverbänden. Dabei solle über offene Fragen und Probleme gesprochen werden, die im Zusammenhang mit der Umsetzung der Verordnung stünden.

GSHW-Vizechef Kern reagierte „überrascht und irritiert“ auf die Aussage der Sprecherin. Man hatte vorige Woche just aus jenem Ministerium den Hinweis bekommen, die umstrittene Verordnung werde diese Woche unterzeichnet. Nun wollen die Traditionsschiffer Klarheit, woran sie sind.

Langer Streit um mehr Sicherheit

Seit über zwei Jahren prallen die Positionen von Bundesverkehrsministerium und Traditionsverbänden hart aufeinander. Während Berlin darauf beharrt, eine entsprechende EU-Richtlinie müsse auch bei den 110 historischen Schiffen in Nord- und Ostsee umgesetzt werden, machen die Verbände geltend, die Auflagen seien nicht zu realisieren. Schiffe müssten umgebaut werden, wodurch sie ihren Charakter verlören. Der finanzielle Aufwand übersteige die Möglichkeiten der Vereine. Dagegen versicherte der zuständige Staatssekretär Enak Ferlemann, eine Stillegungswelle werde es nicht geben. Aber die Sicherheit der Fahrgäste auf den Traditionsschiffen müsse garantiert werden.

Reinhard Zweigler

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