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Wirtschaft im Norden Trend: Mittags Brötchen statt Braten
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Trend: Mittags Brötchen statt Braten
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14:40 08.06.2016
Belegte Brötchen werden für Mittagspausen immer beliebter. Zu leiden haben darunter die Restaurants. Quelle: dpa
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Berlin

Die Käsespätzle für vier Euro serviert der Supermarkt, beim Metzger gibt's die Gyrospfanne für 4,60 und beim Bäcker die Folienkartoffel für 3,10: Wer als Berufstätiger mittags schnell was Warmes will, hat an vielen Orten immer mehr Auswahl. Denn die Alternative zur Kantine heißt längst nicht mehr nur Restaurant. Seit Jahren machen Bäcker, Metzger und selbst Supermärkte den örtlichen Gastwirten Konkurrenz, ihre Mittagskarten werden immer länger. Den Restaurants geht das inzwischen an die Substanz.

Ernst Fischer ist seit Jahrzehnten im Geschäft. „Früher fuhr der Vertreter übers Land und mittags ging er natürlich ins Restaurant“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Das ist wohl nicht mehr in.“ Der Hotelier aus Tübingen führt als Präsident den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Er sagt: „Der Mittagstisch ist zum großen Teil weggebrochen.“ Für die Branche sei das schlimm.

Knapp jeder dritte Gastronom berichtet in der aktuellen Dehoga-Umfrage von sinkenden Umsätzen, bei fast jedem zweiten gingen auch die Erträge zurück – das hat nur zum Teil mit dem Mindestlohn zu tun. Stammtische sind nicht mehr in Mode, und wer am Wochenende auswärts isst, mache das immer öfter bei Volks- und Vereinsfesten, klagen die Gastwirte. Besonders schmerzhaft ist bei vielen aber die Einbuße beim wochentäglichen Mittagstisch.

Besonders der eilige Esser ist umkämpft – Zeit spielt neben dem Preis eine wichtige Rolle. Tisch auswählen, Karte kommen lassen, Getränke, Essen, Warten auf die Rechnung. Eine halbe Stunde Mittagspause reicht da nicht. Weil viele Angestellte nicht mal mehr 30 Minuten nehmen, muss oft auch ein belegtes Brötchen reichen. „Es ist ein Stück Kultur verloren gegangen“, meint Hotelier Fischer. Sein Restaurant lockt diese Woche mit hausgebeiztem Caipirinha-Lachs mit Limonen-Crème fraîche. „Bei uns bekommt man ein schönen Tisch, ein Tischtuch, Blumen und man kann ordentlich essen.“ Die Gastwirte fühlen sich unfair behandelt, weil auf den Snack beim Bäcker nur 7 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden, das Restaurantessen aber voll mit 19 Prozent besteuert wird.

LN

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