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Wirtschaft im Norden Trumps Politik: Eine Chance für Europa
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21:12 24.01.2017
Mit einer US-Fahne demonstriert ein Mann in Santiago de Chile gegen das transpazifische Handelsabkommen TPP. Quelle: Fotos: Mario Ruiz/dpa, Neelsen

Glaubt man dem neuen Präsidenten Donald Trump, ist es um die US-Wirtschaft sehr schlecht bestellt. „Viele Jahrzehnte lang haben wir ausländische Industrien auf Kosten der amerikanischen Industrie reicher gemacht“, sagt er. Sein „Rezept“ dagegen: Abschottung. Am Montag machte er bereits den Rückzug aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP wahr. Europa muss sich für die Folgen einer neuen Wirtschaftspolitik wappnen. Was könnte dies für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen bedeuten? Welche Chancen bieten sich durch eine Isolation der USA? Was könnte daraus für die deutschen Exportbranchen folgen? Einige Fragen und Antworten im Überblick.

Wie sind die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa?

Die Bedeutung ging in den vergangenen Jahren zwar tendenziell zurück, die USA sind für die EU aber nach wie vor der wichtigste Handelspartner – vor China, der Schweiz und Russland. 620 Milliarden Euro betrug das Gesamthandelsvolumen zwischen den beiden großen Wirtschaftsblöcken im Jahr 2015 laut EU-Kommission. Deutlich mehr Waren gingen allerdings von Europa in die USA (Wert rund 371 Milliarden Euro). Die Importe betrugen 250 Milliarden Euro.

Ist das ein Problem?

Teilweise. Die USA leben als Importweltmeister seit Jahren über ihre Verhältnisse. Im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ist der Konsum stark über Schulden finanziert. Das Handelsbilanzdefizit ist Trump ein Dorn im Auge. Andererseits ist dies nur eine Seite der Medaille. Neben der Bedeutung als Exportmarkt ist Europa für die USA vor allem als Investitionsstandort wichtig. Laut der deutsch-amerikanischen Wirtschaftskammer (American Chamber of Commerce in Germany) ist Deutschland Hauptziel von US-Investitionen in Europa.

2200 Firmen mit US-Kapital beschäftigen hier 600000 Arbeitnehmer. Umgekehrt sichern 3500 deutsche Tochtergesellschaften 620000 Jobs in den USA.

Was bedeutet es für Deutschland, wenn die USA sich abschotten?

Die Vereinigten Staaten sind ein sehr wichtiger Abnehmer deutscher Exporte. Die Bundesrepublik lieferte 2015 Waren im Wert von knapp 114 Milliarden Euro in die USA – fast zehn Prozent aller deutschen Ausfuhren. Begehrt sind etwa Autos und Autoteile, Maschinen, Chemieprodukte und Elektrotechnik. Nach Angaben des Ifo-Instituts hängen in Deutschland mehr als eine Million Arbeitsplätze an Exporten in die USA. In den vergangenen Jahrzehnten gingen die deutschen Ausfuhren in die USA zwar deutlich zurück. Kappt Trump noch weitere Bande, dürfte es aber zumindest für Branchen wie den deutschen Maschinenbau zunächst schmerzhaft werden.

Könnte eine US-Abschottung auch Vorteile für Europa bringen?

Ja. „Brüssel muss die Prinzipien des Freihandels stärken und sich Protektionismus à la Trump entschieden entgegenstellen“, sagt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Trump hat bereits das transpazifische Handelsabkommen TPP aufgekündigt. Es war von zwölf Staaten inklusive USA unterzeichnet worden, aber noch nicht in Kraft getreten. Der Blick der EU-Kommission richtet sich daher vor allem nach  Asien. Die Brüsseler Behörde geht davon aus, dass die Nachfrage nach hochwertigeren Produkten aus Europa dort steigt. Länder wie Vietnam, Malaysia oder Indonesien stehen vor allem im Fokus. Auch Japan könnte eine noch wichtigere Rolle zukommen. Ziehen sich die USA handelspolitisch aus dieser Region zurück, könnte Europa hier in eine Lücke stoßen.

USA-Reisen bleiben gefragt

Der neue US-Präsident Donald Trump hält die Deutschen bislang nicht vom Urlaub in den USA ab. Deutsche Reiseveranstalter spüren hinsichtlich der Buchungszahlen keine Auswirkungen.

„Wir erleben gerade die buchungsstärksten Wochen des Jahres“, sagt Per Illian, Produktleiter bei Dertour, dem deutschen Marktführer für USA-Reisen. 2015 reisten 2,27 Millionen deutsche Urlauber in die USA – ein Rekord. Sollte es Verschärfungen im Verfahren zur visafreien Einreise geben, sehen die Kenner der Branche das ebenfalls nicht als Problem.

A. Sartoros und J. Bender

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