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Twitter feiert zehnten Geburtstag mit Sorgenfalten

San Francisco Twitter feiert zehnten Geburtstag mit Sorgenfalten

Knackige Botschaften in 140 Zeichen: Der Kurzmitteilungsdienst steht im Jubiläumsjahr vor großen Herausforderungen.

Zum Ende des vergangenen Jahres hatte Twitter 305 Millionen aktive Nutzer. Im Vergleich: Facebook hat 1,6 Milliarden User.

Quelle: Gabbert/dpa

San Francisco. Twitter wird zehn, doch ausgerechnet zum ersten runden Geburtstag hat der Kurzmitteilungsdienst wenig zu feiern. Zuletzt ging erstmals die Zahl aktiver Nutzer leicht zurück, tiefrote Zahlen stehen in der Bilanz und die Aktie hängt im Kurskeller fest.

Twitter hat einen einzigartigen Kanal geschaffen. Laut Twitter kann jeder seine Ideen und Informationen sofort und über Grenzen hinweg teilen. Doch daraus ein profitables Geschäft aufzubauen, erweist sich als schwierig.

Zum Start von Twitter ging es zunächst auch nicht darum, einen Online-Service zum Geldverdienen zu gründen. Der Dienst entstand eher zufällig. Die kleine Firma Odeo in San Francisco wollte eigentlich einen Audio-Dienst für das Netz entwickeln. Bei einem Brainstorming schlug der Entwickler Jack Dorsey vor, kurze Statusmeldungen an alle Teammitglieder per SMS zu senden, damit jeder weiß, woran die anderen arbeiten. In zwei Wochen entstand ein Prototyp. „Just setting up my twttr“ lautete die erste heute noch auffindbare Kurzmitteilung von Dorsey am 21. März 2006. Das einflussreiche US-Blog „TechCrunch“ entdeckte den Dienst drei Monate später. Auf der Tech-Konferenz SXSW Interactive in Texas gelang Twitter dann im März 2007 der Durchbruch, einen Monat später wurde die Firma Twitter Inc. gegründet.

Inzwischen gibt es kaum ein großes Ereignis, das nicht auch bei Twitter stattfindet. Die Notwasserung des Passagierflugzeugs bei New York im Januar 2009, die gewaltigen Demonstrationen beim „Arabischen Frühling“ ab 2011, der Bombenanschlag auf den Marathon in Boston mit der nachfolgenden Jagd auf die Täter und Selfies aus der Kabine der Fußball-WM.

Doch wie geht es jetzt weiter mit Twitter? Mitgründer Jack Dorsey muss als Twitter-Chef den Kurznachrichtendienst reparieren — darf dabei aber nicht die Millionen zufriedener Twitter-Nutzer verärgern. Und schon gar nicht die „Power-User“ wie Journalisten, Politiker oder Prominente. Unter Druck scheint Dorsey derzeit an jeder Schraube zu drehen, die er findet.

Twitter experimentiert mit einer Sortierung der Posts nach Relevanz-Algorithmen statt der üblichen chronologischen Reihenfolge — und handelte sich damit sofort einen Aufstand der eingefleischten Nutzer ein. Die Überlegungen, das Limit auf 140 Zeichen zu kippen, sind laut Dorsey vom Tisch. „Es bleibt. Es ist eine gute Beschränkung für uns“, sagte Dorsey.

Rivalen wie Facebook, Google und Snapchat wollen sich auch verstärkt als Kanal für News etablieren. Twitters Angebot „Moments“, führt ein Schattendasein. Mit „Periscope“ hat Twitter einen Dienst für Live-Streaming — aber Facebook inzwischen auch. Google lässt inzwischen Politiker im US-Wahlkampf mit kurzen Direktbotschaften „Google Posts“ zu Worte kommen. In den vergangenen Jahren schien es oft, dass der Twitter-Chefetage eine klare Strategie fehlt. Erst verzichteten die Gründer auf Werbung, dann sollte Geschäft gemacht werden mit bezahlten Tweets und „Trends“.

Zum Ende 2015 hatte Twitter 305 Millionen aktive Nutzer. Das waren zwei Millionen weniger als noch drei Monate zuvor. Zusammen mit dem SMS-Dienst stagniert die Zahl bei 320 Millionen. Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook hat 1,6 Milliarden aktive Mitglieder und wächst immer noch schnell.

Trotz aller Herausforderungen kann Twitter darauf bauen, dass viele Prominente sich über den Dienst direkt an ihr Publikum wenden. An der Spitze der Twitter-Prominenten stehen die Popstars Katy Perry (84,5 Millionen Follower), Justin Bieber (77,2 Millionen) und Taylor Swift (72,9 Millionen).

Von Andrej Sokolow und Christoph Dernbach

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