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U-Boot-Auftrag: Absage für Kiel

Kiel U-Boot-Auftrag: Absage für Kiel

ThyssenKrupp verliert Rennen um Milliardenauftrag aus Australien.

Kiel/Canberra. Schwere Niederlage für den Kieler U-Boot-Bau: Die Werft Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), international Nummer eins auf dem Markt, hat das Rennen um den derzeit weltweit größten Rüstungsexportauftrag verloren. Die Bestellung über zwölf Boote durch die Marine Australiens — Gesamtwert: 39 Milliarden Euro — geht an die französische Staatswerft DCNS. Die Enttäuschung in Kiel ist groß. Doch weil TKMS in der Fertigung bis über das Jahr 2020 gut ausgelastet ist, erwarten weder das Unternehmen noch die IG Metall Risiken für die 2300 Arbeitsplätze an der Förde.

Australiens Premierminister Malcom Turnbull ließ keinen Zweifel daran, was den Ausschlag gegen die HDW-Boote gegeben hat: Der französische Entwurf habe „die besten Schlüsselfähigkeiten“ erfüllt. Dazu gehörten überlegene Leistung, Tarnkappen-Eigenschaften sowie Reichweite und Seeausdauer, heißt es einer Mitteilung der Regierung in Canberra. Die U-Boote aus Kiel gelten zwar ebenfalls als sehr schwer zu orten, sind aber langsam und vergleichsweise defensiv bewaffnet. Die Kieler Werft hatte einen zweistelligen Millionenbetrag in das Angebot investiert. Der U-Boot-Typ 216 wurde speziell für Australien optimiert.

Die Kieler Werftführung gab sich gelassen: „Wir respektieren die Entscheidung der australischen Regierung.“ Bei den Beschäftigten hingegen ist die Enttäuschung deutlich spürbar. „Wir haben einen guten Auftritt hingelegt und sind jetzt schon etwas angefressen“, sagte Betriebsratschef Ernst- August Kiel. „Sehr erstaunt“ über die Niederlage zeigte sich der Kieler IG-Metall-Chef und stellvertretende TKMS-Aufsichtsratsvorsitzende Peter Seeger: „Im Aufsichtsrat hat bis zuletzt große Zuversicht geherrscht.“ Für die Fertigung sieht Seeger keine Job-Risiken, in der Konstruktion jedoch könne es ab 2018 „schwierig“ werden, wenn Anschlussaufträge ausblieben.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigte sich ebenfalls enttäuscht: „TKMS war nach meiner Wahrnehmung sehr gut in diesem Wettbewerb aufgestellt.“ Ähnlich die Reaktion des Kieler Bundestagsabgeordneten Thomas Stritzl (CDU): „Ich hätte mich gefreut, wenn TKMS das Rennen gemacht hätte.“ Nun komme es darauf an, alle Kräfte zu mobilisieren, um das nach wie vor in Aussicht stehende Projekt mit Norwegen zu realisieren. Dort war TKMS gerade erst zusammen mit DCNS für den Neubau von U-Booten in die engere Wahl gekommen.

Von fb/um

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