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VW-Händler: Kuh im Dorf lassen

Grevesmühlen VW-Händler: Kuh im Dorf lassen

Autohausbesitzer Ulrich Martens aus Grevesmühlen über die Krise bei Volkswagen und die Auswirkungen.

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Quelle: Hendrik Schmidt /dpa

Grevesmühlen. Grevesmühlen Unangenehm ist Ulrich Martens, dessen VW-Autohaus und -Vertragswerkstatt sich am Rand von Grevesmühlen befindet, schon, was sein Vertragspartner — der Volkswagenkonzern — sich da mit der Manipulierung bei der Messung von Abgaswerten an Dieselautos geleistet hat.

„Das war ein bewusster Betrug, und der muss jetzt aufgeklärt werden. Die Verantwortlichen müssen dafür gerade stehen. Und das werden sie; die neue Konzernspitze selbst hat den Einsatz einer Ermittlungskommission gefordert.“ Doch dass durch die Ereignisse nun die gesamte Marke Volkswagen geschädigt sei — das sieht der Autohauschef nicht so. „Man muss jetzt mal die Kuh im Dorf lassen oder anders ausgedrückt: das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die Autos sind nach wie vor top was den Verbrauch angeht und auch ansonsten absolut solide“, sagt er.

Das sehen die Menschen in Grevesmühlen und Umgebung offenbar genauso, denn bisher, erzählt Martens, ist noch kein Kunde, der derzeit einen VW kaufen will, vom Vertrag zurückgetreten. Auch die Rückmeldungen und Anfragen, die derzeit von Volkswagen-Besitzern kämen, seien allesamt freundlich.

„Viele unserer Kunden, die ein Dieselfahrzeug gekauft haben, sind bereits selbst auf die Webseite des Volkswagen-Konzerns gegangen“ berichtet Martens, „und haben dort ihre Fahrgestellnummer eingegeben, um zu überprüfen, ob ihr Auto zu den betroffenen Fahrzeugen gehört.“ Wer das nicht selbst tun will oder kann, dem wird im VW-Autohaus am Grünen Weg geholfen.

Die Frage, ob er als VW-Vertragshändler nun aufgrund des Skandals höhere Rabatte für seine Fahrzeuge ausgeben müsse, verneint Martens. „Rabatte gibt es immer in unserem Autohaus“, erklärt er. „Wenn zum Beispiel eine bestimmte Menge von Fahrzeugen eines Typs verkauft wurde, gibt es manchmal Preisvorteile. Das ist so geplant. Auch für dieses oder jenes Sondermodell werden zeitlich begrenzt immer wieder Preisvorteile gewährt. Aber Rabatte aufgrund des VW-Skandals gewähren wir derzeit nicht.“

„Manche Kunden“, gibt Ulrich Martens aber zu, „machen sich ein wenig Sorgen, ob dann, wenn die Nachrüstung vom Konzern aus erfolgt, der Verbrauch des Wagens steigt.“ Viele Menschen, erklärt er weiter, hätten zunächst gar nicht wirklich verstanden, dass es bei den bemängelten Werten nicht um den Ausstoß an CO2, sondern um den Ausstoß an Stickoxiden geht. „Es ist schon so: Umso weniger Verbrauch und CO2-Ausstoß, desto höhere Werte bei Stickoxiden“, erklärt er. Von den Manipulierungen betroffen sind Vierzylinder-Dieselfahrzeuge der Euronorm 5.

Fahrzeuge der Euronorm 6 sind hingegen nicht betroffen. Sie verfügen über einen Zusatztank, gefüllt mit Harnstofflösung, mit Katalysator (adblue), der bei der Verbrennung dafür sorgt, dass Stickoxide in Wasser und Stickstoff aufgespalten werden. „Mit einer Füllung dieses Zusatztanks kommt man von einer Inspektion zur nächsten.“

Auch zum immer wieder beschworenen Untergang der Autoindustrie, nicht nur der deutschen, hat Ulrich Martens eine eindeutige Einstellung: „Ich glaube nicht daran. Autos werden immer eine wichtige Rolle spielen. VW wird an diesem Skandal nicht zerbrechen, sondern ihn als Chance nehmen, es besser zu machen.“

Messprozeduren, die die Abgaswerte während des realen Fahrbetriebs messen, gab es übrigens bisher noch gar nicht, weder in den USA noch in Europa. Das wird sich nun sicherlich bald ändern.

Rückruf
Im Abgas-Skandal von Volkswagen hat das Kraftfahrt-Bundesamt gestern den Rückruf von 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeugen angeordnet. In welchem Zeitraum das geschehen sol, blieb offen.


Volkswagen hatte in den USA Abgaswerte von Dieselfahrzeugen durch eine Software manipuliert, die bei Tests zu einem niedrigeren Schadstoffausstoß als im Normalbetrieb führte. Weltweit wurde die Software in bis zu elf Millionen Autos eingebaut.

Annett Meinke

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