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Wirtschaft im Norden Ventilatoren – Topseller bei Bruthitze
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Ventilatoren – Topseller bei Bruthitze
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21:10 25.07.2018
Anja Plodzikowski verkauft im Lübecker Hagebaumarkt Ventilatoren aller Formen und Größen. Sie sind bei der Hitze sehr gefragt. Quelle: Fotos: Felix König
Lübeck

Ob im Büro, am Strand oder in der Werkstatt: Der Schweiß tropft in kleinen Rinnsalen von der Stirn und die Kleidungsstücke kleben wie nasse Tücher am Körper. Da ist das kühle Lüftchen eines Ventilators oder der feucht-kühle Dampf einer Klimaanlage eine wahre Erfrischung. Und genau deshalb wird den Baumärkten und Elektromärkten zurzeit alles, was die Hitze erträglicher macht, aus den Händen gerissen.

Es war der heißeste Tag des Jahres. Vorerst. Denn der Deutsche Wetterdienst gibt noch keine Entwarnung. Viele lechzen bei der Hitze nach etwas Abkühlung. Das spüren auch Elektronik- und Baumärkte. Bei einigen ist fast der komplette Bestand an Ventilatoren und Klimaanlagen ausverkauft.

„Der komplette Bestand an Klimageräten und Ventilatoren, der etwa im fünfstelligen Bereich lag und für drei Jahre halten sollte, ist innerhalb der letzten zwei Wochen fast auf Null gegangen“, sagt Ignacio Gonzalez, Bereichsleiter vom Media Markt im Lübecker Citti- Park. „Gerade einmal 300 Geräte sind von dem immensen Bestand übrig geblieben“, sagt er. Während er erzählt, greift ein Mitarbeiter nach einem Karton von der Größe eines Schuhregals, der vor dem Bereichsleiter steht. „Und das müsste unser letztes Klimagerät sein, das wir nun verkauft haben.“

Auch zahlreiche skandinavische Touristen fragen nach Ventilatoren, weil die in ihren Heimatländern ausverkauft sind. „Seit heute morgen rennen sie hier mit zahlreichen Paketen aus dem Markt“, sagt Gonzalez. Wenn das so weiter gehe, rechne er damit, dass es in etwa zwei Tagen keine Geräte mehr gebe. Nachbestellungen gestalten sich schwierig, da der Markt momentan ziemlich ausgedünnt sei.

Abdulatef Omaisan, Anwan Al-Shareef und Talal Mohammed aus Finnland haben noch einige der beliebten Lüfter ergattert. Sechs Ventilatoren ragen aus ihrem Einkaufswagen. „Bei uns zuhause sind alle Geräte ausverkauft. Meine Frau war in fünf Geschäften, und niemand wusste, wo es noch welche gibt“, sagt Omaisan, dessen Familie ihn bat, die Geräte aus Deutschland mitzubringen. Selbst in den Second-Hand Läden läge der Preis für einfache Geräte zwischen 80 und 100 Euro.

Jens-Dieter Haß, Marktleiter des Hagebaumarkts in Lübeck, kennt das Problem. „Mit der beständigen Hitze ist der Abverkauf von Ventilatoren in den letzten Tagen deutlich gestiegen“, sagt er zufrieden.

Bereits vor einem halben Jahr wurde die Sommerware geordert. „Wir haben optimistisch bestellt, deswegen haben wir auch noch genügend Ventilatoren und Klimaanlagen auf Lager.“ Ob Retro-Look, Geräte aus Plastik oder Stahl, als Stabventilator oder klassisch rund: Pro Tag würden etwa 50 bis 100 Ventilatoren verkauft.

Insgesamt läuft das Geschäft mit den Luftmaschinen sehr gut, weiß auch Verkäuferin Anja Plodzikowiski. „Gestern stand hier noch ein großer Berg an Geräten“, sagt sie und zeigt auf den geschrumpften Hügel an Paketen. „Ich glaube, wir haben innerhalb der letzten beiden Tage so viele Geräte verkauft wie noch nie.“

Vorsichtig hebt Kirsten Macke ein schmales, längliches Paket aus dem Berg aus Kartons. Die Aufschrift verrät, dass ein Stabventilator sich im Inneren der Box befindet. „Wir haben schon einen zuhause, aber dieser nimmt nicht so viel Platz weg“, sagt sie.

Der absolute Trend sei jedoch der Standventilator, weiß Sandra Störr, Verkäuferin in der Elektroabteilung des Hagebaumarkts. Dank eines großen silberfarbenen Ventilators zu ihren Füßen umweht ein steter Luftzug die Verkäuferin, während sie die Kunden berät. Ob das beim Arbeiten hilft? „Definitiv“, sagt sie, denn dadurch habe sie ein wenig Abkühlung, das mache die Arbeit in dem aufgeheizten Gebäude deutlich angenehmer.

Schutz am Arbeitsplatz

Hitzefrei, wie man das aus der Schule kennt, gibt es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht. Allerdings ist es für Beschäftigte, die im Freien arbeiten, Pflicht der Arbeitgeber, geeignete Maßnahmen zum Schutz ihrer Mitarbeiter umzusetzen, sagt Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft. Dazu rät er, die Arbeitszeiten an die Sonnenstrahlung anzupassen. Arbeitsplätze sollten mit Schattenspendern versehen werden und Baumaschinen-Fahrzeuge sollten Klimaanlage haben. Und ganz wichtig: Immer viel Wasser trinken. Mit oder ohne Kohlensäure ist da egal. In den Büros sollte für eine gute Belüftung der Arbeitsbereiche gesorgt werden. Ventilatoren eignen sich hier sehr gut. Bei der Wahl des Geräts ist der Einsatzort entscheidend. Für größere Räume sollte ein entsprechend größeres Gerät verwendet werden. Sollen Teilbereiche belüftet werden, so reicht ein kleiner Tischventilator völlig aus. Bei ihnen ist die Leistung deutlich kleiner als bei einem Standventilator.

Fabian Boerger

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