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Viele Menschen wollen Imker werden

Bad Segeberg/Lübeck Viele Menschen wollen Imker werden

Das Interesse an der Imkerei ist so groß wie lange nicht mehr: Seit 2011 stieg die Zahl der Imker in Schleswig-Holstein und Hamburg um mehr als 20 Prozent. Aktuell zählt der gemeinsame Landesverband 3097 Mitglieder. Und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen.

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Karsten Lorenzen (49) ist meistens ohne Schutzhaube bei den Bienen. „Ein Zuchtziel ist es, sanftmütige Tiere zu bekommen“, erklärt er.

Bad Segeberg/Lübeck. „Unsere Anfängerkurse sind alle ausgebucht“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende Christian Krug. Früher habe die Landes-Imkerschule in Bad Segeberg pro Jahr einen Lehrgang für 25 Einsteiger angeboten, dieses Jahr sei die Zahl verdreifacht worden. Darüber hinaus sei für Dezember noch ein Kompaktkursus geplant, für den bereits jetzt mehr als die Hälfte der Plätze vergeben seien. „Es sind vor allem junge Menschen und Familien mit Kindern dabei“, sagt Krug.

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Kurse in Schleswig-Holstein sind ausgebucht – Interesse an Naturschutz und Selbstversorgung.

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Karsten Lorenzen aus Kisdorf (Kreis Segeberg) passt in diese Gruppe. Sein Sohn besuchte 2013 mit dem Kindergarten eine Imkerei, anschließend wollte der damals Fünfjährige selbst Bienen zu Hause haben. Sein Vater erklärte sich sofort einverstanden. „Etwas leichtsinnig“, gibt er heute zu. „Ich dachte, wir haben einfach unsere Bienen und bekommen dann regelmäßig Honig.“ Den Arbeitsaufwand habe er total unterschätzt. Dennoch blieb Lorenzen dabei, die Imkerei entwickelte sich zu seinem großen Hobby.

„Es ist total faszinierend, wie sich so ein Bienenstaat organisiert“, sagt der 49-Jährige. Zudem sei es spannend, wie die Insekten über Nacht die Mittelwände mit Wachs zu Waben ausbauten. „Dabei entstehen einzigartige Kunstwerke.“ Mit vier Völkern startete Lorenzen, inzwischen kümmert er sich um rund 20 Stück – und verkauft seinen eigenen Honig. Denn jedes Volk produziere etwa 25 Kilo Rapshonig, dazu komme noch die Sommertracht. „Das können wir allein nicht aufessen“, sagt er.

Hauptgrund für das gestiegene Interesse an der Imkerei ist nach Ansicht von Christian Krug die anhaltend hohe Präsenz der Bienen in den Medien. So werde inzwischen sehr viel über die Bedeutung der Tiere für die Natur und den Menschen sowie ihre Bedrohung berichtet. Vielen sei dadurch klar, dass es die Biene nicht alleine gegen ihren größten Feind, die Varroamilbe, schaffen könne. Hinzu komme, dass Selbstversorgung im Trend liege – und der eigene Honig gehöre dazu. Beides waren auch für Martina Stendel überzeugende Argumente. „Ich finde, jeder sollte etwas dafür tun, dass Flora und Fauna erhalten bleiben“, sagt die Lübeckerin. Zusammen mit zwei Dutzend weiteren angehenden Imkern besucht sie zurzeit einen der Anfängerkurse in der Imkerschule. „Im kommenden Frühjahr möchte ich mit drei Völkern in meinem Garten starten“, sagt die 59-Jährige.

An diesem Tag zeigt Imkermeister Jörg Pardey den Teilnehmern zum Beispiel im Bienenhaus, wie die Behandlung gegen die Varroamilbe erfolgen sollte. Erik hört besonders aufmerksam zu. Der 13-Jährige ist der jüngste Teilnehmer und zusammen mit seinem Vater dabei. „Ich war beim Tag der Bienen im Wildpark Eekholt und da wurde mir gesagt, dass ich gut Imker werden könnte“, berichtet er. Myriam Schwark aus Berkenthin (Kreis Herzogtum Lauenburg) will in die Fußstapfen ihres Schwiegervaters treten. Der 82-Jährige hat mehrere Bienenvölker. „Da habe ich schon mitgeholfen und würde es gerne auch später mal weiterführen“, sagt sie.

Allerdings macht sich die steigende Zahl an Imkern noch nicht bei der Gesamtsumme der Bienenvölker bemerkbar. Sie liegt laut Landesverband zurzeit bei knapp 26000 – und steigt nicht. Der Grund:

Viele Jungimker schafften sich höchstens fünf bis acht Völker an, sagt Krug. „Gleichzeitig hören langjährige Imker aus Altersgründen auf, die oft um die 30 Völker hatten.“ Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 1949 registrierte der Verband 122000 Völker.

Ein weiteres Problem sei, dass immer weniger Menschen in die Imkervereine einträten. Viele Jungimker machten zwar die Schulungen mit, versuchten es dann aber alleine. „Dadurch machen sie Fehler, und Völker sterben unnötigerweise“, sagt Krug. Die Vereine böten hingegen Jüngeren die Chance, sich mit Erfahrenen über Probleme auszutauschen. Karsten Lorenzen schätzt diese Möglichkeiten. Der Kisdorfer ist gerade dabei, in seiner Heimatgemeinde einen Imkerverein zu gründen. Er sagt: „Vernetzung ist einfach wichtig.“

So geht es den Bienen in Schleswig-Holstein

296 Wildbienenarten kommen laut Nabu in Schleswig-Holstein vor, rund die Hälfte von ihnen steht auf der Roten Liste. Das bedeutet, sie gelten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Hauptgrund ist, dass die Tiere in monotonen Landschaften zu wenig Nahrung und Nistplätze finden. Naturschützer kritisieren, dass der öffentliche Fokus beim Bienenschutz fast ausschließlich auf der Honigbiene liege. „Aus ökologischer Sicht würde aber wohl der Verlust der Wildbienen viel schwerer wiegen“, heißt es vom Nabu.

Das Umweltministerium in Kiel hat selbst Bienenstöcke – im zweiten Sommer wird auf dem Gelände Honig geerntet. „Die Honigbiene bestäubt flächendeckend Kultur- und Wildpflanzen und verhilft ihnen somit zu Blüte und Frucht“, sagt Sprecherin Jana Ohlhoff. Sie leiste damit einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz. Um auch in Zukunft eine ausreichende und flächendeckende Bienenhaltung im Land sicherzustellen, hoffe das Ministerium, dass das Interesse an der Bienenhaltung und Imkerei weiter zunimmt.

Bienenseuchen wie die Amerikanische Faulbrut bewegen sich in SchleswigHolstein zurzeit auf einem stabilen Niveau, heißt es aus dem Ministerium.

 Janina Dietrich

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