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Vogelgrippe in Großbetrieb ausgebrochen

Kiel Vogelgrippe in Großbetrieb ausgebrochen

Der Erreger wurde im Kreis Schleswig-Flensburg nachgewiesen – 30 000 Hühner müssen getötet werden.

Kiel. Erstmals ist eine Massentierhaltung von der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie betroffen. Die hochansteckende H5N8-Variante wurde in einem Zuchtbetrieb für Bruteier im Norden Schleswig-Holsteins nachgewiesen. Alle 30000 Tiere des Hofes im kleinen Ort Grumby bei Schleswig sollten von heute an getötet werden. Wie der Erreger in den von der Außenwelt abgeschotteten Bestand gelangen konnte, blieb zunächst unklar. Es gebe jede Menge Spekulationen, sagte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gestern Abend „Aber die helfen nicht an dieser Stelle.“

Bürgertelefon

Das Land hat ein Bürgertelefon zur Vogelgrippe freigeschaltet. Unter der Nummer 0431/160 6666 erhalten Bürger werktags von 9 bis 17 Uhr Auskunft. In der gestrigen Ausgabe hatte sich ein Fehler in die Nummer eingeschlichen. Wir bitten um Entschuldigung.

Die Behörden gingen davon aus, dass die Tötung des Bestandes bis zum frühen Montagmorgen andauern wird. Die Kadaver sollen in der Tierkörperbeseitigungs-Anstalt in Neumünster vernichtet werden.

Der Landwirt wird aus dem Tierseuchenfonds entschädigt.

„Die Situation ist besorgniserregend“, sagte Habeck. Eine neue Stufe sei erreicht. „Wir können nach wie vor nur hoffen, dass dies ein Einzelfall ist.“ Das Land will die Sicherheitsvorkehrungen noch weiter erhöhen – über die Vorschriften der Geflügelpest-Verordnung hinaus. „Wir werden auch für kleinere Geflügelhaltungen Biosicherungsmaßnahmen, also strengste Hygienevorschriften vorschreiben“, sagte Habeck.

Bereits seit Mittwoch hatte es in dem Betrieb in Grumby vereinzelte Todesfälle bei Hühnern gegeben. Sie waren zunächst aber in Zusammenhang mit dem Ausfall einer Lüftung gebracht worden. Der Tierhalter beauftragte ein privates Labor. Nachdem dieses am Freitag einen Verdacht festgestellt hatte, wurden amtliche Proben genommen. Das nationale Referenzlabor für aviäre Influenza, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), bestätigte die H5N8-Infektion. Das FLI will ein Team von Epidemiologen zur Klärung der Ursache der Einschleppung in den Norden schicken. Der Kreis Schleswig-Flensburg hat einen Sperrbezirk von drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet von weiteren sieben Kilometern eingerichtet. Die Polizei sperrte den Betrieb zudem ab. In dem Sperrbezirk gebe es 43 weitere Geflügelhalter mit zusammen rund 1500 Tieren, hieß es.

Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Zentralen Krisenstab Tierseuchen einberufen. „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bedarf es schneller, effizienter Koordination und Entscheidungen.“ Habeck begrüßte das.

Am Freitagabend hatte sich der Verdacht auf das hochansteckende H5N8-Virus auf einem Hühnerhof im Landkreis Vorpommern-Greifswald bestätigt. Der dritte derzeit bekannte Ausbruch der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie in einer Geflügelhaltung wurde in einem Putenhof in Lübeck-Ivendorf festgestellt. An der aggressiven H5N8-Variante verendete Wildvögel wurden bisher in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder Geflügelbeständen gemeldet.

LN

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