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Wirtschaft im Norden Vom BH bis zum HSV-Trikot: Das große Umtauschen
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11:18 28.12.2017
Zahlreiche Umtauschwünsche nehmen die Händler im Norden nach Weihnachten entgegen. Quelle: Collage: Haller

Das sagen die Händler in Lübeck

Goldschmied Jürgen Ziegenbein, Inhaber des Schmuckladens Das Kleine Kra, umgeht das Umtausch-Geschäft geschickt. „Wenn ein Pärchen im Laufe des Jahres zu uns kommt, schreibe ich immer alles genau auf eine kleine Karte und gebe sie den Kunden mit. So wissen viele Männer an Weihnachten genau, was ihre Frauen sich wünschen.“ Und wer doch überrascht wurde und nicht ganz sicher ist, ob das geschenkte Schmuckstück passt, der kann in Ruhe noch einmal schauen. „Meist stellen die Frauen aber am Ende fest, dass ihr Mann ihnen doch das schönste Stück ausgesucht hat.“

Auch in der Buchhandlung Hugendubel setzt sich das Frauen- Männer-Problem fort. Zwar gibt es auch hier ab und zu Zweifel, ob die passende Lektüre ausgewählt wurde. „Aber viel interessanter ist, dass viele Ehepartner sich unabhängig voneinander das gleiche Buch schenken“, erzählt Filialleiterin Maike Bialas.

Das Umtauschgeschäft findet hier insbesondere zwischen den Tagen statt. „Wenn im Januar die Schule anfängt, ist eigentlich alles durch“, erzählt die 41-Jährige.

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Im Spielzeugladen Kinderkram von Bettina Ernst kommen dagegen wenig Kunden mit einem Umtausch-Wunsch. In den allermeisten Fällen wurden Kuscheltier, Puppenhaus, Buch oder Spiel passend gewählt. „Wohl auch, weil man sich bei Kindern mehr Gedanken macht“, glaubt die Inhaberin. „Vieles wird mit den Eltern abgesprochen - und das Geschenk ist gut vorbereitet.“Das ein oder andere Gesellschaftsspiel muss aber trotzdem umgetauscht werden. „Manchmal hat man eben doch Pech, und das Spiel ist schon vorhanden oder das Stofftier gefällt nicht“, sagt Ernst.

Im Wäschegeschäft Torkuhl werden gerne mal BHs oder Nachthemden getauscht. „Meistens sind es die Wäschestücke, die der Ehemann ausgesucht hat“, sagt Sandra Josefine Kerschke. Da stimme dann oft die Größe nicht. Noch nie umgetauscht wurden dagegen Bettsocken, die es bei Torkuhl in verschiedenen Designs gibt. „Die gehen immer“, meint Kerschke.

Selten nur nutzen Kunden den Umtauschservice der Parfümerie Schuback. „Es wird generell weniger umgetauscht. Viele Kunden kaufen ihre Geschenke sehr überlegt ein. Falls aber etwas verkehrt war, versuchen wir, dem Kunden entgegenzukommen“, sagt Mitarbeiterin Camilla Mecklenburg. Oft seien es Produkte, die entweder nicht den Erwartungen entsprechen oder vom Kunden nicht vertragen werden.

„Wenn neue Düfte verschenkt werden, packen wir eine kleine Probe des Produktes dazu. So können die Beschenkten schon mal schnuppern, ohne das Parfüm auszupacken“, sagt Filialleiterin Stella Thiollet. Falls es dann gar nicht passt, nehmen sie den Duft auch zurück, wenn der Kassenbon noch vorhanden ist.

Bei Christine Fleischer, Shopleiterin bei Sigikid, wird wenig umgetauscht. „Das sind dann meist Textilien, bei denen die Größe oder Farbe falsch war. Spielzeug wird fast nie getauscht. „Wer sagt schon Nein zu einem Kuscheltier? “ 

Das sagen die Händler in Ostholstein

Bücher werden gern nach der Spiegel-Bestsellerliste gekauft und verschenkt, sagt Jan Hoffmann von der gleichnamigen Eutiner Buchhandlung. „Da bekommt mancher einen Titel zwei- und dreimal. Das erleben wir jedes Jahr wieder.“ Gern berieten sein Team und er dann bei der Neuauswahl.

Sabine Lausch aus der Damenwäscheabteilung der LMK Einkaufswelt in Eutin hat festgestellt, „dass Männer beim Dessouskauf für ihre Frau oder Freundin meist recht gut vorbereitet sind. Sie haben wegen der Größe zu Hause auf die eingenähten Schilder geguckt“. Männer suchten für Weihnachten „etwas Schickes, Besonderes, gern mit Spitze“. Umgetauscht werden müsse, weil die Marken mitunter unterschiedlich ausfielen oder der beschenkten Dame die Farbe vom BH-Set nicht zusage.

Häufig auf dem Gabentisch: Schmuck. Bei Uhren Domann in Eutin ist ein Umtausch bei Nichtgefallen kein Problem. „Wir erstatten auch das Geld zurück“, sagt Chef André Domann. „Allerdings versuchen wir im Vorwege gut zu beraten. Das klappt meist, weil wir viele Kunden kennen.“ Häufigster Anlass, dass Kunden nach dem Fest im Laden aufkreuzen: Die verschenkten Ringe sind zu eng oder zu weit, bei Ketten gibt es Änderungswünsche zur Länge. „Und Frauen vertun sich gelegentlich bei Uhren“, berichtet André Domann.

Kunden informieren sich heute besser

Bei der Parfümerie Schuback in Bad Schwartau sieht man dem Umtausch-Stress gelassen entgegen. „Die ersten Kunden haben schon vor Weihnachten Düfte, Cremes und Nagellacke umgetauscht“, sagt Maren Rosenthal. Grundsätzlich werde alles recht problemlos getauscht. Allerdings gibt es hin und wieder einige schwierige Fälle. „Eine Dame wollte kürzlich ein Serum zurückgeben, das sie vor einem Jahr gekauft und schon deutlich sichtbar häufiger benutzt hat, aber wohl nicht mehr so gut verträgt“, berichtet Rosenthal, die aber zuversichtlich ist, gemeinsam mit der Kundin noch eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Im Bad Schwartauer Einrichtungshaus Steinfeldt sind die großen Umtausch-Zeiten nach Weihnachten längst Geschichte. „Früher hatten wir eigens einen Umtausch-Tresen eingerichtet. So etwas brauchen wir nicht mehr. Insbesondere Männer geben sich bei der Auswahl der Geschenke heute viel mehr Mühe und informieren sich vorab mehr, was sich ihre bessere Hälfte wünscht“, weiß Senior- Chef Jürgen Steinfeldt. Grundsätzlich werde alles getauscht. Problematisch wird es allerdings, wenn „Kunden“ mit Waren kommen, die sie woanders im Internet gekauft haben. Steinfeldt: „Das kommt bei uns aber zum Glück nur sehr, sehr selten vor.“

Das sagen die Händler in Stormarn und Herzogtum Lauenburg

Sven-Ake Boy (48) arbeitet seit sieben Jahren beim Elektronikfachmarkt „Euronics XXL“ in der Ratzeburger Straße in Mölln. Seine kurioseste Umtauschgeschichte schildert er folgendermaßen: „Eine Frau wollte ein Waffeleisen umtauschen, das ihrer Meinung nach ganz unterschiedliche Bräunungsgrade erzielte. Zur Verdeutlichung des Problems brachte sie zwei frisch gebackene Waffeln mit. Wir schickten das Gerät beim Hersteller ein - zusammen mit den beiden Waffeln.“

Von einem ähnlich ungewöhnlichen Ansinnen kann Petra Landau berichten, Chefin des gleichnamigen Haushaltswarengeschäftes in der Möllner Hauptstraße. Sie erlebte Folgendes: „Eine Dame wollte zwei Becher mit Sternenmotiven umtauschen. Der Grund: Auf dem einem Becher hatte die Kundin einen halben Stern weniger gezählt als auf dem anderen.“ Landau war zwar erstaunt, zeigte sich aber kulant: Die Kundin durfte die Becher zurückgeben.

Wer in der Großstadt kauft, hat auch beim Umtausch weite Wege und muss viel Zeit einplanen. „Ich kann mich noch erinnern, dass ich im letzten Jahr den CD-Player für meine Tochter direkt nach Weihnachten in Hamburg umtauschen wollte. Da musste ich mit der Bahn hin und stand dann über eine Stunde in der Schlange für die Reklamationen. Letztendlich bekam ich dann zwar einen anderen, aber die ganze Aktion war schon anstrengend“, erinnert sich Familienvater Joachim Meyer aus Bad Oldesloe. Elektrogeräte und CDs werden auch heute immer noch gern zurückgebracht und stehen damit auf dem obersten Treppchen unserer Rangliste.

„Oftmals hat der Beschenkte die CD schon“, erklärt Oliver Busch vom Oldesloer „expert Megaland“. Es komme auch vor, dass eine Überraschung nicht gut angekommen sei, beispielsweise der Epilierer für die Frau oder der Rasierer für den Mann. „Man kann sich dann etwas anderes aussuchen oder bekommt einen Warengutschein“, so der für die Abteilung Verantwortliche und spricht aus, was in den anderen Oldesloer Geschäften ebenfalls der Fall ist. „Früher wurde mehr getauscht“, waren sich alle Befragten einig. Heute kaufen Kunden oft Gutscheine, so dass man sich später selbst das richtige Geschenk aussuchen kann. Gutes Sortiment und Beratung - das ist Kunden wichtig.

„Früher wurde mehr getauscht“ - da sind sich alle Befragten einig. So erklärt Thorsten Körner vom Hagebaumarkt in Bad Oldesloe: „Werkzeuge im Allgemeinen wurden früher viel verschenkt und“ - weil frau nicht das richtige Modell ausgesucht hat - „nach Weihnachten vom Beschenkten wieder zurückgebracht. Heute kaufen die Kunden jedoch überwiegend Gutscheine, sodass man sich später selbst das richtige aussuchen kann.“ 

Das sagen die Händler im Kreis Segeberg

Umtausche werden immer weniger“, sagt Klaus-Uwe Hogrefe vom Fachgeschäft H + R Männermode in der Bad Segeberger Kurhausstraße. „Die Kunden sind viel besser informiert, als früher.“ Er und Mitinhaberin Marina Reimers sehen den Umtausch ganz entspannt. „Viele Kunden freuen sich, dass sie Ware überhaupt wiederbringen dürfen. Denn das ist reine Kulanz“, sagt sie. „Da denken viele gar nicht mehr drüber nach.“ Wenn überhaupt, werden Kleidungsstücke umgetauscht, weil die Größe nicht ganz stimmt. Oder optisch doch etwas anderes besser gefällt. Auch Gutscheine sorgen für immer weniger Rückläufe. Das Fachgeschäft lebt außerdem von vielen Stammkunden, die teilweise über Jahre betreut werden. Die Kunden wissen, was sie wollen.

Im Buchhandel „Das Buch am Markt“ von Andrea Fischer weiß man bereits: Die Umtausche entsprechen in etwa der Bestseller-Liste. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass das Buch schon vorhanden ist, ist dann relativ hoch. Momentan stehen Dan Browns „Origin“, Ken Folletts „Fundament der Ewigkeit“ oder Joachim Meyerhoffs Joachim „Zweisamkeit der Einzelgänger“ ganz hoch im Kurs.

Auch in Bad Segebergs Geschenkartikelgeschäft „Gut und Gerne“ in der Kurhausstraße ist Umtauschen kein Problem - so lange es um Geschenkartikel geht und nicht um Lebensmittel. Denn letztere dürfen nicht zurückgegeben werden, nur weil sie nicht gefallen, erklärt Inhaberin Marita Lorenz. Aber das Gute daran: Wenn es einem selbst nicht gefällt, mag es dafür ein anderer.

Und in der Parfümerie Schuback in Segebergs Innenstadt wird sogar ausdrücklich darum gebeten, Produkte zu tauschen. „Kunden können jederzeit wiederkommen“, sagt Teamleiterin Stefanie Gronau. „Wir wollen nicht, dass jemand zu Hause sitzt und sich ärgert.“ Auch hier wird selten etwas zurückgebracht, sagt Kosmetikerin Hannah Gosch. Beim Make Up passe aber eben manchmal eine andere Farbe besser zum Hautton. Und um es den Kunden einfacher zu machen, gibt es hier sogar einen Gutschein obendrauf. „Es ist ja nicht unbedingt angenehm, mit diesem Anliegen in ein Geschäft zu kommen“, sagt Gronau, aber nur noch schlimmer wäre ein unzufriedener Kunde, der vielleicht nicht wiederkommt - da sind sich wohl alle Händler einig.

Maike Wegner/Majka Gerke/ben/sep/jhw

 

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