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Wirtschaft im Norden „Vom Schnacken wird das nicht fertig!“
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22:12 15.09.2016
Mario Dohrmann (42) befestigt eine Eisenplatte, die zur Fahrbahnabstützung benötigt wird, an einer Kette. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
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Sereetz

Schon die Einfahrt in die Autobahn-Baustelle ist etwas abenteuerlich. Einfach durch die Warnbaken schlängeln, die gleich hinter der Abfahrt Sereetz auf der A 1 in Richtung Fehmarn aufgestellt sind. Schon befindet man sich auf dem Mittelstreifen – und dort wird gegraben. Kein leichter Job. Nicht nur wegen der anstrengenden Arbeit . . .

Straßenbauer auf der Autobahn erzählen, was sie sich von Fahrern im Stau so alles anhören müssen. Und berichten von ihrem harten Job.

„Gerade wenn Stau ist, sind die Autofahrer oft ungeduldig und genervt“, bestätigt Schachtmeister Paul Rath (58). „Da muss man sich schon einige Sprüche anhören.“ In der Urlaubszeit war das öfter der Fall. Seit Mai schon baut der Strabag-Konzern mit bis zu 20 Mitarbeitern Tag für Tag auf dem 2,3 Kilometer langen Autobahn-Abschnitt zwischen Bad Schwartau und Ratekau.

„Die Regenentwässerung muss neu verlegt werden“, erklärt Bauleiter Eugen Materi (38). „Dafür stehen die Bauarbeiter manchmal in fünf Meter tiefen Gräben. Da sieht man uns natürlich nicht“, sagt Rath.

„Und die Leute denken: Was machen die hier eigentlich?“ Stehe man dann zur Besprechung doch mal an der Fahrbahn, müsse man sich von den Autofahrern einiges sagen lassen: „Haut ’nen Schlag rein!“ oder „Vom Schnacken wird das nicht fertig!“ Und das sind noch die harmlosesten Sprüche. „Die schmeißen auch mit Flaschen oder mit Bierdosen“, hat Straßenarbeiter Miroslav Zivkovic (44) erlebt. „Dazu beschimpfen sie uns grob, zeigen den Finger und so.“ Er grinst.

Eigentlich hat er genug um die Ohren. Er trägt Gehörschutz, steht an einer großen Schneidemaschine, mit der er Fahrbahnstücke heraustrennt, weil die Asphaltdecke repariert werden muss. „Das machen wir gleich mit. Wo hier einmal abgesperrt ist“, sagt sein Chef Paul Rath.

Das Leben auf der Baustelle ist anstrengend. In der prallen Sonne finden die Arbeiter keinen Schatten, dazu der ständige Lärm. Und das jeden Tag. „Die Beschimpfungen nimmt man halt hin“, meint Zivkovic. „Was soll man machen?“ Er zuckt die Achseln. „Ich sage mir: Was kann ich dafür?“ Oberste Devise: immer freundlich bleiben. Dafür würden die Arbeiter auf der Autobahn extra geschult, sagt Rath.

„Wo würde das auch enden, wenn wir auch noch anfingen zu schimpfen?“, fragt Zivkovics Kollege Mario Dohrmann (42) aus Högsdorf (Kreis Plön). „Dann wär’s ganz vorbei.“ Er schüttelt den Kopf. „Die Leute regen sich halt immer auf. Sie schimpfen über die schlechten Straßen – und wenn man dann was macht, ist es auch nicht richtig.“

Baggerfahrer Ingolf Hanfeld (45) nickt. Im Sommer musste der Verkehr einmal auf eine Spur verengt werden. „Da hab’ ich viele ,Freunde‘ kennengelernt“, sagt er schmunzelnd. Er habe an sich Verständnis für die Verkehrsteilnehmer. „Die stehen im Stau, sind frustriert und wütend. Und irgendeiner muss das eben abkriegen.“

Für die Arbeiter gehört das zum Alltag, sagt Materi. „Man gewöhnt sich dran.“ Manchmal bringen Anwohner aber auch Kuchen. „Da freuen wir uns natürlich.“

Was die meisten Kollegen richtig stört, ist die Fahrweise vieler Autobahnnutzer. „Die halten sich fast nie an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Hier ist 60 – gefahren werden teilweise 120 Stundenkilometer und mehr. Wenn da ein Auto in die Baustelle rast, ist das lebensgefährlich.“

Noch bis 26. September besteht die Baustelle, dann wird abgebaut. „Dann müssen wir noch einmal für eine Woche auf eine Fahrspur verengen“, sagt Materi, der im übrigen froh ist, dass er und seine Leute zwei Wochen früher als geplant fertig werden. Damit endet der erste Bauabschnitt – in Etappen geht es aber noch sechs Jahre lang weiter. Materi: „Die komplette Asphaltdecke muss erneuert werden.“ Damit der Verkehr trotzdem zweispurig weiterlaufen kann, wird derzeit der Randstreifen verbreitert – er wird bald als Fahrbahn gebraucht.

Marcus Stöcklin

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