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Wirtschaft im Norden Von Lübeck nach Kiel mit Wasserstoff?
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20:27 07.03.2017
Der wasserstoffbetriebene Zug Alstom Coradia iLint auf der innoTrans 2016 in Berlin. Quelle: hfr
Kiel/Hamburg

Die Deutsche Bahn will 7,5 Milliarden Euro in ihr Schienennetz investieren – und 170 Millionen Euro davon sollen in diesem Jahr auch im Norden ankommen. Das hat die DB-Konzernbevollmächtigte Manuela Herbort jetzt ankündigt. Bahn-Vorstand Ronald Pofalla war gestern zudem in Kiel zu Besuch und kündigte an: Schleswig-Holstein könnte schon bald Versuchsfeld für neue Zug-Techniken werden. Das würde eventuell auch die Zukunft des Bahn-Ausbesserungswerkes Neumünster mit seinen 1000 Jobs sichern.

In Schleswig-Holstein gibt es mit mehr als 60 Prozent einen besonders hohen Anteil nicht-elektrifizierter Strecken. Sie werden immer noch mit wenig umweltschonenden Dieselloks befahren – die Strecke von Hamburg nach Sylt zum Beispiel oder die Strecke zwischen Kiel und Lübeck. Der Bau von Oberleitungen wäre dort zu teuer und daher unwirtschaftlich, heißt es. Er könne sich nun vorstellen, dass Land, Bund, Bahn und ein Fahrzeughersteller auf diesen Strecken ein Pilotprojekt mit Wasserstoff-betriebenen Zügen starten, erklärte Pofalla gestern in Kiel.

Die SPD-Grünen-SSW-Landesregierung hat tatsächlich gerade ein Sondervermögen gebildet, um solche Projekte und insbesondere die Nutzung des vielen Windstroms im Norden zu fördern. Dieser Öko-Strom könnte zum Beispiel auch für die Wasserstoff-Produktion genutzt werden. Das Bahn-Ausbesserungswerk Neumünster könnte sich dann zu einem Kompetenzzentrum für diese neue Technik entwickeln, deutete SPD-Ministerpräsident Torsten Albig bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Bahn-Vorstand an. Pofalla will bis Ende des Jahres zudem ausloten, ob noch mehr Instandsetzungsaufträge von anderen Bahnanbietern eingeworben werden können, um das Werk auszulasten und wieder in die schwarzen Zahlen zu führen.

Die 170 Millionen Euro Investitionen der Bahn fließen zunächst einmal in das Schienennetz zwischen Flensburg, Westerland, Elmshorn und Hamburg. Das Geld stellt der Bund bereit, der von 2015 bis 2019 insgesamt eine Milliarde Euro für die Erneuerung der Bahn-Infrastruktur im Norden vorsieht. Instandgesetzt werden 21 Brücken, 440 Kilometer Schiene und 360 Weichen.

In den vergangenen beiden Jahren wurden schon 410 Millionen Euro verbaut. In Hamburg werden vor allem Bahnhöfe modernisiert, von Ende Juli bis September zum Beispiel im Hauptbahnhof der Bahnsteig 8. Einige Fernverkehrszüge werden dann in Bergedorf oder Harburg halten. Am Nadelöhr „Berliner Tor“ werden bis Dezember Brücken erneuert, was auch den Nahverkehr behindern kann. In Wilhelmsburg werden im September Weichen erneuert, was nach Angaben der Bahn aber keine Auswirkungen auf den S-Bahn-Verkehr haben soll.

Zudem will die Deutsche Bahn bis zum Jahr 2020 ihre ICE-3-Flotte modernisieren – für 210 Millionen Euro. So soll es in den Großraumabteilen mehr Platz für Gepäck geben. Monitore zeigen in Echtzeit an, ob die Anschlusszüge am nächsten Bahnhof erreicht werden. Auch die Sitze werden ausgetauscht. Wird die Lehne in die Ruheposition gestellt, gleitet der Sitz nach vorne, so dass der hintere Sitznachbar nicht mehr beeinträchtigt wird. Die Reservierungsanzeige befindet sich in Zukunft am Durchgang und nicht mehr am Gepäckfach.

Von Wolfram Hammer

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