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Wirtschaft im Norden Von den Chancen und Risiken des freien Handels
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21:12 15.06.2017
Vor gut 100 Zuhörern diskutierten Rolf Langhammer (M.) und Thilo Bode (r.) über Handelsabkommen und Protektionismus. Es moderierte Prof. Christian Berg von der Uni Kiel. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

„Handelsabkommen greifen in unsere Gesellschaftspolitik ein“, warnte Dr. Thilo Bode, Gründer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Er war am Mittwochabend gemeinsam mit Prof. Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel einer Einladung des Europäischen Hansemuseums nach Lübeck gefolgt. „Freier Handel, freie Welt?“ – so der Titel der Podiumsdiskussion zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Grenzenlos erfolgreich? Internationaler Handel im Diskurs“. Dabei wurde über Vorteile und Risken von Handelsabkommen wie etwa TTIP vor gut 100 Zuhörern kontrovers debattiert.

Bode, früher Geschäftsführer von Greenpeace, bezeichnete den Handel als „Treiber der Globalisierung“. Das bringt seiner Ansicht nach Riesenprobleme – etwa für die Sicherheit. Er forderte daher, Handelsabkommen neu zu definieren. So müsse beispielsweise Kindersklavenarbeit durch den internationalen Handel verboten werden. Zudem sprach er sich für die Beibehaltung des Vorsorgeprinzips aus, wie es in Europa gilt. Diese „gewaltige Errungenschaft“ dürfe man nicht aufgeben.

Langhammer hingegen merkte nüchtern an, dass die Handelsregeln nicht für alle essentiellen Probleme der Welt genutzt werden könnten. „Für Umwelt, Wettbewerb und soziale Fragen muss man ein eigenes Regelwerk erschaffen“, erklärte der Ökonom. Er sprach sich für den freien Handel aus. Es sei falsch, Produkte, die aus armen Ländern kämen und unsere Standards nicht erfüllten, nicht zu handeln. „Das benachteiligt jene Länder“, so Bode. Auch die Menschen dort bräuchten eine wirtschaftliche Basis. „Sonst werden wir Sicherheits- und Terrorismusprobleme bekommen.“

Als knifflige Baustelle machten die beiden Experten das Abkommen mit Asien aus, das vermutlich von China dominiert wird. „Da spielt der digitale Handel eine große Rolle“, sagte Langhammer. Der sei nicht so richtig in den Griff zu bekommen. „Die Zukunft wird nicht von der Handelspolitik bestimmt, sondern von der Technologie“, sagte er voraus. Bode bezeichnete internationale Konzerne als „Gefahr für die Demokratie“. Die technologische Entwicklung sei so schnell geworden, dass Politik außer Kraft gesetzt werde.

Die Historikerin Dr. Angela Huang, die von Juli an die Forschungsstelle für Geschichte der Hanse und des Ostseeraumes am Hansemuseum leitet, lenkte den Blick in die Vergangenheit: „Die Geschichte der Hanse bildet verschiedene Herausforderungen des Handels ab“, erklärte sie. Dabei hätte jede Zeit mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen gehabt. Der Diskurs aber sei Teil der Lösung.

Und dazu will das Hansemuseum anregen. „Wirtschaft stellt die Gesellschaften immer wieder vor spannende Herausforderungen“, betonte Museumsleiterin Felicia Sternfeld. Die Veranstaltungsreihe wird im September fortgesetzt. jup

LN

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