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18:12 23.12.2017
Vorsichtig poliert Silberschmiedemeisterin Margarete Oehlschlaeger (71) das Mittelstück eines Kirchenkelchs. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob
Lübeck

Die letzten, feinen Arbeitsschritte, die Margarete Oehlschlaeger bei der Restaurierung eines Kirchenkelchs macht, sind vielleicht die schönsten. Nach stundenlangem Werkeln erstrahlen Teile des jahrhundertealten Gefäßes plötzlich wieder in glänzendem Gold. Oehlschlaeger widmet sich einem Kelch aus dem Mittelalter, an dem sichtlich der Zahn der Zeit genagt hat. Die Politur des einst aufgebrachten Goldes ist matt, das Schöne von damals verflogen.

Die letzten, feinen Arbeitsschritte, die Margarete Oehlschlaeger bei der Restaurierung eines Kirchenkelchs macht, sind vielleicht die schönsten.

Die tägliche Arbeit in der Werkstatt macht der Silberschmiedemeisterin auch mit 71 Jahren „großen Spaß“. Viele Werke, darunter eine modern gehaltene, silberne Kanne, entstammen der Hand der kreativen Lübeckerin. Insbesondere bei der Restaurierung historischer Dinge kommt Oehlschlaeger ihre jahrzehntelange Erfahrung und der mühsam erarbeitete Ruf als Expertin zugute. Die Inhaberin des gleichnamigen Lübecker Silberschmiede-Ateliers hält ein Mittelstück eines Abendmahlkelchs aus Silber in der Hand. Vorsichtig drückt und reibt sie mit einem historischen Werkzeug, bestehend aus einem langen Holzgriff und einem kleinen Blutstein am oberen Ende, zuvor aufgeschmolzenes Gold – auch Feuergold genannt – auf dem Stück blank. Dazu verwendet Oehlschlaeger ein wenig Seifenwasser, welches sie auf das Kelchstück gibt. Es ist die sogenannte Achatpolitur. „Das ist eine sehr feinfühlige Arbeit, man muss sehr vorsichtig sein“, sagt die Meisterin, die viele Jahre gebraucht hat, um diese spezielle Handwerkstechnik zu beherrschen. Da, wo der Blutstein schon angesetzt war, erscheint das Gold leuchtend blank. Stück für Stück arbeitet sich die Silberschmiedin vor, bis das ganze Mittelstück keine matten Stellen mehr aufweist.

„Es kommen Stücke zu uns, die sind hunderte Jahre alt“, sagt die Expertin. Auch der Kelch aus dem Jahr 1726 im Hamburger Michel ist in Margarete Oehlschlaegers gekonnter Obhut gewesen. Nicht ohne Stolz verweist die Silberschmiedemeisterin auf diverse Artikel deutscher Zeitungen. „Wenn ich so ein Stück in der Hand halte, berührt mich das sehr“, sagt die Sachverständige, die auch Mitglied im Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung in Bonn ist und sich im sogenannten Hammerclub, einem Verband internationaler Silberschmiede, für den alten Handwerksberuf stark macht. Ohne ihn gäbe es nicht das strahlende Gold alter Kelche in der Kirche.

Fünf Frauen in der Werkstatt

Seit 63 Jahren gibt es die Silberschmiede in der Pfaffenstraße in Lübeck, die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Fünf Frauen arbeiten in der Werkstatt, und alle haben dort auch das Silberschmiedehandwerk erlernt – eine bundesweit einzigartige Konstellation. Neben sakralen Arbeiten stehen kunsthandwerkliche Objekte sowie Schmuck in Gold und Silber im Fokus des Ateliers für Objektgestaltung.

Rüdiger Jacob

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