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18:10 28.07.2018
Nicolai Paravicini (32) fettet einen seiner reich verzierten, handgefertigten Westernsättel. FOTOS (2): RÜDIGER JACOB
Lübeck

Das große Schaufenster gibt schon mal einen kleinen Einblick in die Arbeit des Mannes, dessen Herz für Westernsättel schlägt. Zwei alte Nähmaschinen direkt vor dem Fenster, hinten die kleine Werkstatt sowie Taschen und Gürtel – ein ledernes Handwerk: Nicolai Paravicini ist ein Reitsportsattler. Im Vergleich zum Autosattler ein seltener Berufszweig. 2012 hat es den gebürtigen Schweizer nach Lübeck verschlagen.

Das große Schaufenster gibt schon mal einen kleinen Einblick in die Arbeit des Mannes, dessen Herz für Westernsättel schlägt.

Tätig für Ross und Reiter

Sattler der Fachrichtung Reitsportsattlerei absolvieren eine dreijährige Ausbildung. Sie fertigen Sättel, Geschirre und andere Reitsportartikel, passen sie an und reparieren sie. Beschäftigung finden die Experten in Fachbetrieben des Sattlerhandwerks und in der Sportartikelindustrie. Neben handwerklichem Geschick und Augenmaß sind Mathe (für das Berechnen des Materials), Biologie und anatomische Kenntnisse gefragt.

Handwerk, das war schon immer sein Ding. Vor allem Westernsättel sollten es sein – ein rares Metier. „Es gab nicht so viele Ausbildungsstellen“, erinnert sich Paravicini. Oft seien es Ein-Mann-Betriebe, so wie seiner. Im Westerwald schließlich fand der Wahl-Lübecker die passende Ausbildungsadresse für maßgefertigte Sättel. Seit 2015 betreibt Paravicini sein etwa 25 Quadratmeter großes Atelier für Sattler-Handwerk & Maskenbau in der Großen Burgstraße 35.

Der Sattler- und Feintaschner-Meister, so die offizielle Bezeichnung des ungewöhnlichen Berufs, greift zu einer Dose mit Lederfett. Stück für Stück trägt Paravicini das Fett mit einem Lappen auf das naturgegerbte Rindsleder des Westernsattels auf. „Das Leder ist komplett naturbelassen“, sagt Paravicini. „Ohne Fett würde es austrocknen und brüchig werden.“ Noch ein bisschen aufpolieren. Fertig ist der gebaute Sattel, für den der Reitsportsattler etwa eine ganze Woche Arbeitszeit aufgewendet hat. Es ist ein maßgefertigter Westernsattel mit einer sogenannten Punzierung (spezielle Prägung bei Westernsätteln). Mit Prägeeisen hat Paravicini das zierende Muster in das Leder eingeschlagen. Alles Handarbeit. Viele der Nähte des wuchtigen Sattels sind mit der Hand genäht, wozu Paravicini zu Ahle (Stechwerkzeug) und Nadel greift. „Es macht Freude, durch verschiedene Techniken die Grenzen, die die Materialien vorgeben, immer wieder auszuloten“, erklärt Paravicini das, was ihn an der Arbeit mit dem Naturmaterial fasziniert. Manchmal muss der Meister das Leder nass auf eine Holzform aufspannen. „Der Prozess des Verformens ist sehr spannend.“

„Und es ist immer eine große Freude, wenn ich auf der Straße plötzlich einer Tasche begegne, die ich einmal hergestellt habe.“ So fertigt der Sattler auch Handtaschen, Geldbörsen, macht Gürtel und sonstige Lederkleinwaren sowie Sonderanfertigungen. Für Theaterschulen fertigt er auch Masken aus Leder an – für eine spezielle Form des italienischen Volkstheaters, das auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Masken für die legendäre „Commedia dell’Arte“ – made in Lübeck.

Rüdiger Jacob

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