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Wirtschaft im Norden Wachstum in Handwerk und Handel
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10:18 15.01.2016
Ordentlich was zu tun: Frank Koshyk (56, l.) und Daniel Geist (21) von der Zimmerei Groth & Ramm nageln die Dachlatten an. Das Haus in der Adolfstraße in Lübeck wird komplett saniert. Quelle: Fotos: W. Maxwitat/ch. Wese

„Wichtigster Motor war der Konsum“, sagte der Präsident der Behörde, Dieter Sarreither. Staat und private Haushalte waren demnach fast allein für den Konjunkturschub verantwortlich, der früher dominierende Außenhandel dagegen kaum.

„Die Kunden sind konsumfreudiger. Sie nehmen gern eine bessere Qualität“, berichtet Timm Witthohn, Geschäftsführer von „Küchen Ambiente“ in Lübeck. Ähnlich äußert sich Carsten Bliddal, Geschäftsführer des Möbelfachgeschäfts Skanbo. „Wir bemerken, dass sehr viel Geld in Ferien-Immobilien gesteckt wird.“ Das Möbelhaus richtet Wohnungen komplett ein — hauptsächlich in Mecklenburg-Vorpommern.

Und auch die Baubranche boomt. Nach einer Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zu Lübeck beurteilen 93 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als „befriedigend oder sogar gut“, berichtet Sprecher Ulf Grünke. „Unsere Kunden konsumieren gern und viel im Moment“, sagt Carsten Groth, Obermeister der Baugewerbe-Innung in Lübeck. Das Geld sei schließlich günstig wie nie.

Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker, weil Sparen kaum noch mit Zinsen belohnt wird und die rapide sinkenden Energiepreise die Haushalte zusätzlich in wachsendem Maß entlasten. So ist die Fahrt an die Tankstelle für Autofahrer derzeit so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Hinzu kommt der anhaltende Boom am Arbeitsmarkt, der die Beschäftigung seit Jahren immer wieder auf Rekordhöhen treibt. Erstmals gab es 2015 mehr als 43 Millionen Beschäftigte. „Das ist der höchste Stand seit der deutschen Vereinigung“, sagte Sarreither. So erwies sich der Konsum der privaten Haushalte, der allein 2015 um 1,9 (2014: 0,9) Prozent zulegte, abermals als entscheidende konjunkturelle Stütze — mit knapp 54 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung.

Doch auch der staatliche Konsum trug kräftig zum Wachstum bei, unter anderem, weil der Staat für die Versorgung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge viel Geld in die Hand nehmen muss. Viele Volkswirte werten die Zuwanderung von Menschen als Konjunkturprogramm — auch mit Blick auf 2016.

Der Konsum wird nach Experteneinschätzung im laufenden Jahr die Hauptstütze des deutschen Aufschwungs bleiben. Günstige Ölpreise und ein schwacher Euro helfen zudem dem Export. Volkswirte gehen im Schnitt von etwa 1,8 Prozent Wachstum im Jahr 2016 aus.

Zudem konnte der deutsche Staatshaushalt im zweiten Jahr in Folge einen Überschuss verbuchen — nach Sarreithers Worten ein „Alleinstellungsmerkmal“ in der Eurozone. Nach seinen Angaben liegt Deutschland wie 2014 über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (1,3 Prozent) — und auch über dem Durchschnitt aller Euroländer. 2014 hatte es für Deutschland ein Plus von 1,6 Prozent gegeben, 2013 musste sich die deutsche Wirtschaft mit mageren 0,3 Prozent Wachstum begnügen. jup

LN

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