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Was bedeutet der Brexit für Anleger?

Bremen Was bedeutet der Brexit für Anleger?

Drei Monate nach dem EU-Austrittsvotum hat sich die Lage beruhigt – aber Experten geben keine Entwarnung.

Bremen. Die Zukunft hätte kaum düsterer aussehen können: Kursstürze an den Börsen, taumelnde Wirtschaft, hohe Arbeitslosigkeit, Währungsturbulenzen. Das alles erwarteten Experten zumindest für den Fall, dass sich die Briten für den Austritt aus der EU entscheiden sollten. Und wie sieht es nun drei Monate danach wirklich aus?

„Wir können leider nicht in die Glaskugel schauen. Es kann jederzeit wieder zu Turbulenzen kommen.“ Annabel Oelmann,

Verbraucherzentrale Bremen

„Kurzfristige Turbulenzen gab es durchaus, wenn wir beispielsweise zurück auf die Entwicklung des Pfunds blicken“, sagt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „Inzwischen hat sich die Lage aber wieder beruhigt.“ Ähnlich sieht das Thomas Buckard, Vorstand der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen: „Die Börsen zeigen kein oder kaum Interesse am Brexit.“ Auch das britische Pfund hat sich „schnell wieder stabilisiert“.

In der Tat sehen einige wirtschaftliche Frühindikatoren für Großbritannien gar nicht so schlecht aus: So sank die Arbeitslosigkeit nach dem Brexit-Votum auf ein Rekordtief. Stimmungsindikatoren zeigten zuletzt auf Wachstum in der Industrie, aber auch im wichtigen Dienstleistungssektor. Und auch der Einzelhandel zeigte sich stabil. War die Aufregung also umsonst? „Noch ist es zu früh, diese Frage abschließend zu beantworten“, findet Vermögensverwalter Daniel Hardt. „Die Brexit-Verhandlungen haben auf EU-Ebene noch nicht begonnen, und die Konsequenzen sind somit kaum abschätzbar.“ Auch Oelmann sagt: „Wir können leider nicht in die Glaskugel schauen. Es kann jederzeit wieder zu Turbulenzen an den Börsen kommen, nicht nur wegen des Brexits.“

Anleger sollten sich jetzt aber auf keinen Fall aus der Ruhe bringen lassen. Denn selbst wenn Großbritannien doch noch in Schwierigkeiten geraten sollte, werden sich die Folgen für die Weltwirtschaft aller Voraussicht nach in Grenzen halten. Wer einen weltweit anlegenden Indexfonds im Depot hat, muss wegen des Brexits keine schlimmen Einbrüche befürchten.

Das kann bei Fonds mit europäischem Anlageschwerpunkt allerdings anders aussehen. Nach einer Erhebung der Stiftung Warentest in Berlin machten selbst gute europäische Aktienfonds rund um das Referendum am 23. Juni Verluste. Allerdings schafften es auch zehn von 22 Fonds, im Juni besser abzuschneiden als der Index MSCI Europe. Der machte nach Angaben der Warentester vom 31. Mai bis zum 30. Juni ein Minus von 4,2 Prozent.

„Sie können sich gegen größere Marktschwankungen durchaus wappnen“, sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest. „Dazu sollten Sie Ihr Geld über verschiedene Anlagemöglichkeiten verteilen.“ Das sieht auch Vermögensverwalter Karl-Heinz Stroscher so. Auf diese Weise werden Anleger durch einzelne Ereignisse wie den Brexit nicht aus der Bahn geworfen.

Eines sollten Kleinanleger vor dem Hintergrund des Brexits auf jeden Fall nicht machen: „Versuchen Sie nicht, auf eine bestimmte Entwicklung zu wetten“, rät „Finanztest“-Redakteurin Baur. Denn wie sich Märkte entwickeln, lasse sich nicht vorhersehen. „In eine bestimmte Richtung zu spekulieren, ist immer gefährlich.“

Falk Zielke

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