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Was bringt der gläserne Autofahrer?

Lübeck Was bringt der gläserne Autofahrer?

Immer mehr Versicherungen bieten Telematik-Tarife an — Ihr Nutzen ist sehr umstritten.

Lübeck. Der gläserne Autofahrer scheint nur noch eine Frage der Zeit. Nachdem kleinere Versicherungen bereits mit sogenannten Telematik-Tarifen an den Start gegangen sind, wollen auch Branchengrößen wie Allianz und Huk-Coburg im Laufe des Jahres nachziehen. Die Technik, die defensive Fahrweise mit günstigen Tarifen belohnen soll, ist aber nicht nur aus Gründen des Datenschutzes umstritten.

Der Kraftfahrzeugverband Schleswig-Holstein steht den neuen Versicherungsmodellen jedenfalls „sehr skeptisch“ gegenüber, betont der Geschäftsführer Jan-Nikolas Sonntag. Seiner Ansicht nach gebe es bereits genug Möglichkeiten, Tarife auf bestimmte Fahrergruppen zuzuschneiden. Wer zu einer Risikogruppe wie zum Beispiel Fahranfänger gehöre, werde höher eingestuft als jemand, der schon über Jahre unfallfrei fahre. „Das hat sich bewährt. Es gibt keinen Grund, auch das individuelle Fahrverhalten heranzuziehen“, sagt Sonntag. Die Ersparnis für Autofahrer sei am Ende womöglich gering bis gar nicht vorhanden. Für einige könne es sogar teurer werden. Im Gegenzug zahlten die Versicherten mit einer enormen Menge an Daten, „die durchaus missbraucht werden könnten“.

Diese Sorge hat auch das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Kiel. So lange die Datenerfassung mit Zustimmung des Autofahrers geschehe und sich auf technische Aspekte beschränke, gebe es wohl kein Problem, sagt Chefin Marit Hansen. Die Technik lasse aber ebenso die Erstellung detaillierter Bewegungsprofile zu, was für Versicherte Nachteile mit sich bringen könne. „Wer zum Beispiel oft nachts unterwegs ist oder sein Auto in Gebieten mit hoher Diebstahlquote abstellt, zahlt am Ende womöglich mehr“, befürchtet Hansen.

Versicherungen, die Telematik-Tarife einführen wollen, betonen jedoch unisono, dass alles nach Recht und Gesetz ablaufe. „Wir arbeiten eng mit den Datenschutzbehörden zusammen“, so ein Sprecher der Itzehoer Versicherung, die gegenwärtig ein Telematik-Modell mit 1500 Versicherten testet. Der Zeitpunkt der Markteinführung sei noch offen. Auf die erhobenen Daten habe die Itzehoer keinen direkten Zugriff, versichert der Sprecher. Die Versicherung erhalte nur den „Score“, der mittels eines Algorithmus aus den Fahrzeugdaten erhoben wird. Ortsangaben würden ausschließlich bei einem Unfall übertragen, um Fahrern schnellstmöglich Hilfe zu schicken.

Bei der Provinzial-Versicherung sind derzeit noch keine Telematik-Policen geplant. „ Wir beobachten aber den Markt“, sagt Sprecher Heiko Wischer. Ob, wann und in welcher Form ein Einstieg erfolge, sei noch nicht entschieden.

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stehe die Branche im Bereich Telematik auch weiterhin am Anfang. Am Ende würden es auch die Kunden entscheiden, ob sie mit dem Angebot zufrieden seien, so Präsident Alexander Erdland. Viele würden es aber begrüßen, für ihre sichere Fahrweise auch einen Bonus zu erhalten. Allerdings könne eine zu starke Individualisierung von Tarifen den Gedanken von Versicherungen in Frage stellen, individuelle Risiken auf eine Gemeinschaft zu verteilen.

Ob das Wissen, von seiner Versicherung „beobachtet“ zu werden, zu einer Vermeidung von Unfällen führt, ist eher fraglich. „Forschungen zeigen, dass solche Blackboxen höchstens einen kurzfristigen Effekt auf die Fahrweise haben — positiv wie negativ“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Meist werde ihr Vorhandensein schnell vergessen.

Zahlen, wie man fährt

„Pay as you drive“ -Tarife (Zahle, wie du fährst) haben in Deutschland bereits vier Versicherer im Programm: Sijox, Admiral Direkt und die VHV. Die Axa hat ein Modell für junge Fahrer, das die Daten über eine Handy-App erfasst. Testläufe mit begrenzter Kundenzahl gibt es bei der S-Direkt und der Itzehoer. Die Allianz will im zweiten Quartal, die Huk-Coburg im dritten Quartal „Pay as you drive“ anbieten.

Oliver Vogt

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