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Wirtschaft im Norden Wein: Institute züchten robuste Rebsorten
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18:13 08.10.2016
„Nichts gegen den Trollinger. Aber aus so einer guten Lage musst du mehr rausholen.“ Christoph Klopfer, Jung-Weingärtner
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Stuttgart

Der alte Trollinger musste raus. Die Reben, die der Großvater einst angebaut hatte, waren alt und somit jenseits der guten wirtschaftlichen Nutzbarkeit. Was also anpflanzen? Die Hoch-Zeiten vom Trollinger seien vorbei, dachte sich Jung-Weingärtner Christoph Klopfer. „Ich will nichts gegen Trollinger sagen – das ist ein schöner fruchtiger Wein für den Sommer.“ Aber aus so einer guten Lage „musst du mehr rausholen“. Also entschied er sich für etwas Neues.

Der Ökowinzer steht auf seinem idyllisch terrassierten Weinberg in Stuttgart, blickt auf den vorbeifließenden Neckar. Drei Jahre ist es her, da pflanzte er die Rebsorten-Züchtung VB Cal.1-22. Was wie ein wissenschaftliches Experiment klingt, ist ein in der deutschen Weinbranche keineswegs seltenes Vorhaben. Es geht um sogenannte Piwis, das Kürzel für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Hierbei werden europäische Pflanzen mit Reben aus Amerika oder Asien gekreuzt. Dabei wird die natürliche Widerstandsfähigkeit der fremden Arten übernommen. Später werden die Sorten mehrfach mit anderen europäischen Reben gekreuzt, damit sie geschmacklich nah beim heimischen Ursprung sind – die Pilz-Widerstandsfähigkeit bleibt trotz Rückkreuzungen drin. Der Vorteil: Die Winzer müssen deutlich weniger spritzen als bei Spätburgunder, Riesling oder eben Trollinger. Ein einziges Mal habe er dieses Jahr spritzen müssen, berichtet Weingärtner Klopfer. Bei den anderen Rebsorten, die er und seine Eltern anbauen, seien es etwa zehn Mal gewesen.

Das Stöhnen in der Weinbranche über die Pilzerkrankung Falscher Mehltau war dieses Jahr laut, das feuchte Frühjahr sorgte für teils massiven Befall. Auf seinem Stuttgarter Weinberg sei das dank der pilzwiderstandsfähigen Rebsorte kein Thema gewesen, sagt Klopfer.

Das Staatliche Weinbau-Institut in Freiburg arbeitet an der Entwicklung der Sorten. Dort sagt Ernst Weinmann, Leiter vom Referat Resistenz- und Klonenzüchtung: „Mit Piwis kann man die Pflanzenschutz-Mengen auf ein Drittel bis ein Fünftel reduzieren.“ Das sei gut für die Umwelt und ein Schlüssel, um den Weinbau robuster zu machen für die Folgen des Klimawandels. Denn klar ist:

Durch die Wetterextreme wächst das Risiko von Ernteausfällen, etwa durch Pilzerkrankungen.

Früher galten Piwis als minderwertig, sie schmeckten nach Erdbeere. Dies lag am sogenannten Foxton, einer Begleiterscheinung der Kreuzung. „Heutzutage sind Piwis hingegen frei von Foxton, heute sind das alles Qualitätsweine“, sagt Zuchtexperte Weinmann und verweist auf den Johanniter, eine Kreuzung aus Riesling, Gutedel, Grauburgunder und amerikanischen Sorten. Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) pflichtet ihm bei: Es gebe geschmacklich keine Abstriche bei Piwis. „Piwis sind ein wichtiger, zukunftsorientierter Bereich in der Weinwirtschaft.“

Wolf von Dewitz

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