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Wirtschaft im Norden Weltkonzern will mit Know-how aus Lübeck weiter wachsen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Weltkonzern will mit Know-how aus Lübeck weiter wachsen
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21:31 07.09.2016
Sean Keith (l.), Robert Griggs (r., beide GE Aviation) und SLM-Gründer Hans-Joachim Ihde mit einem Bauteil aus dem 3-D-Drucker. Quelle: Neelsen

Wenn alles glatt läuft, ist die Hansestadt in Kürze ein neuer Standort des weltgrößten Herstellers von Flugzeugtriebwerken, GE Aviation. Das Luft- und Raumfahrtunternehmen mit Hauptsitz in Cincinatti (US-Bundesstaat Ohio) und weltweit etwa 28000 Mitarbeitern will den Lübecker 3-D-Druck- Spezialisten SLM Solutions AG komplett übernehmen (die LN berichteten).

 

GE Aviation ist größter Anbieter von Triebwerken. Quelle: Carsten Runge

Mittels 3-D-Druck können leichtere Bauteile produziert werden, hochinteressant nicht nur für den Triebwerksbau. General Electric (GE) war bisher einer der größten Kunden von SLM, jetzt wollen die Amerikaner die Fertigung unter das eigene Dach holen. 3-D-Druck sei ein „Schlüsselelement in der Entwicklung von GE zu einem digitalen Industrieunternehmen“, erklärte David Joyce, der Vorstandsvorsitzende von GE Aviation, zur Begründung des geplanten Kaufs von SLM Solutions und der schwedischen Firma Arcam. GE-Konzernchef Jeffrey Immelt sagte, die Technologie des 3-D-Drucks werde GE „auf ein neues Level der Produktivität“ bringen.

Noch in diesem Monat wollen Immelt und Joyce nach Lübeck kommen und sich die Produktion bei SLM Solutions ansehen, erklärte gestern Robert Griggs, Manager von GE Aviation, auf einem großen SLM-Kundentreffen im Audimax der Lübecker Universität. „Wir sehen das Unternehmen in Lübeck als das Herzstück der Produktion der 3-D-Drucker, wir wollen hier weiter investieren“, kündigte Griggs an.

Jetzt beginne der reguläre Prozess des Aktienkaufs, der etwa vier bis zehn Wochen dauern werde. „Bis Ende September schreiben wir alle Aktionäre an und unterbreiten ihnen unser Angebot. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Transaktion Ende Oktober abschließen können“, sagte Griggs den LN.

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) betonte die Perspektiven, die diese Übernahme bietet. „Das Interesse von GE an SLM bestätigt, dass wir hier wirklich ein hochwertiges Unternehmen in unseren Mauern haben, das beste Zukunftsaussichten hat“, sagte Saxe. „Der Einstieg von GE als einem der größten Vertreter seiner Branche weltweit freut mich. Noch mehr freut mich die Ankündigung, den Standort weiter auszubauen und mit Investitionen zu stärken.“

Hans-Joachim Ihde, der Firmengründer von SLM Solutions, bezeichnete die geplante Übernahme als „Ritterschlag für uns und zugleich eine Riesenchance für die Stadt Lübeck. Wir haben hier die Technologie, die am effizientesten ist, das hat den Ausschlag gegeben. GE Aviation will unsere 3-D-Druck-Technologie noch stärker für die eigene Fertigung nutzen.“ Im Juni habe man die Gespräche mit den Amerikanern aufgenommen, „und jetzt konnten wir uns bereits einigen, das ging schnell“. Ihde würde die Übernahme gerne begleiten „und die Tradition, die wir in der Firma aufgebaut haben, weitertragen und erhalten. Aber das müssen wir in Gesprächen mit GE noch abklären“, sagte er. Die bestehenden Arbeitsplätze seien für die nächsten Jahre gesichert, neue sollen hinzukommen. „Die Frage ist, ob wir genügend zusätzliche Mitarbeiter gewinnen können“, so Ihde. Aktuell sucht SLM Solutions 20 neue Fachkräfte.

Auf der Kundenveranstaltung im Audimax, zu der SLM Solutions gestern 220 Gäste aus 27 Ländern begrüßen konnte, war die Übernahme das große Gesprächsthema. „Alle sind sehr interessiert an unserer Technologie, und nach dieser Nachricht steht SLM noch mehr im Fokus“, sagte Marketingchef Stefan Ritt. „Alle sehen es als Riesenchance an, die Technologie noch schneller voranzubringen.“

Lange Tradition

1892 wurde die General Electric Company (GE) gegründet. Der Stammsitz war über 80 Jahre in Schenectady im US-Bundesstaat New York, heute ist die GE-Zentrale in Boston (Massachusetts). GE hat mehr als 300000 Mitarbeiter, ist einer der größten Mischkonzerne der Welt und hat unter anderem Sparten in Energie, Gesundheit, Finanzierung und Transport. In Deutschland beschäftigt GE zurzeit etwa 11000 Mitarbeiter an mehr als 50 Standorten. Vorstandsvorsitzender des GE-Konzerns ist seit 2001 Jeffrey Immelt.

 Christian Risch

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