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Wirtschaft im Norden Weniger Schwefel: Luft in den Häfen ist sauberer geworden
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22:12 20.04.2016

Der Einsatz schwefelärmerer Treibstoffe in der Schifffahrt auf Nord- und Ostsee zeigt Wirkung: Die Luftschadstoffbelastung in der Region sei erheblich zurückgegangen, bilanzierte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gestern in Hamburg. Die Luftqualität könnte noch deutlich besser sein, denn das Manko seien fehlende Kontrollen, sagte der Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger. „Deshalb vermuten wir eine hohe Dunkelziffer an Gesetzesverstößen auf See.“ Für schärfere Kontrollen fordert der Nabu mehr Personal und Geld sowie abschreckendere Sanktionen anstelle niedriger Bußgelder.

„Die Ergebnisse sind hervorragend.“ Hanns Heinrich Conzen, Geschäftsführer der TT-Line

Seit Anfang 2015 dürfen Handels- und Kreuzfahrtschiffe sowie Fähren in Nord- und Ostsee nur noch mit einem Treibstoff unterwegs sein, der 0,1 Prozent Schwefel und nicht mehr 1,0 Prozent enthält.

Alternativ müssen die Abgase über eine Waschanlage an Bord (Scrubber) gereinigt werden. Das hat die Internationale Schifffahrtsorganisation IMO festgelegt.

Der Nabu ließ vom niederländischen Forschungsinstitut CE Delft untersuchen, welche Effekte sich dadurch in Europa eingestellt haben. Es habe Mess-Ergebnisse aus Anrainerstaaten ausgewertet, sagte Oeliger. So sei zum Beispiel in Hoek van Holland (Niederlande) der ausgestoßene Schwefeldioxid (SO2) um fast die Hälfte zurückgegangen, im britischen Plymouth sei es mehr als die Hälfte gewesen. Um mindestens die Hälfte hätten sich auch die SO2-Werte auf der Insel Neuwerk in der Elbmündung verringert, ergänzte Oeliger.

Auf Neuwerk und in Wedel (Schleswig-Holstein) an der Elbe misst das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg gemeinsam mit dem Institut für Umweltphysik der Universität Bremen.

„Die Verschärfung der Grenzwerte hat nachweisbar zu einer Verbesserung der Luftqualität geführt“, hatte BSH-Präsidentin Monika Breuch bereits zu Jahresbeginn bilanziert. Laut BSH ergaben die Wedeler Messungen 2015, dass von 3479 Schiffen allerdings 69 mit einem Schwefelgehalt im Treibstoff von mehr als 0,1 Prozent unterwegs waren.

Der Nabu fordert die IMO auf, die Schwefel- Grenzwerte weltweit — wie geplant — bis 2020 von 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent zu begrenzen. In Nordeuropa bleibt der niedrigere 0,1-Wert unverändert bestehen, er gilt unter anderem auch in US-Küstengewässern.

„Die Ergebnisse sind hervorragend“, sagte gestern Hanns Heinrich Conzen, Geschäftsführer der TT-Line. In Nordeuropa gebe es kein Schwefelproblem mehr. Allerdings seien die Grenzwerte auf 98

Prozent der Weltmeeresoberfläche noch höher, monierte er. Auch die Umweltschützer fordern, schnellstmöglich auch das Mittelmeer zur schwefelarmen Region zu bestimmen — auch um eine Wettbewerbsverzerrung für nordeuropäische Reeder zu vermeiden. Auf die benötigte Kraftstoffproduktion könne sich die Industrie einstellen, wie sich gezeigt habe, bilanzierte Nabu-Berater Axel Friedrich. Auch seien die Treibstoffkosten für die Reeder infolge niedriger Ölpreise nicht gestiegen.

Für den Verband Deutscher Reeder (VDR) zeigen die Messungen, dass sich die Unternehmen an die Abgasgrenze in Nord- und Ostsee hielten. „Damit bald Schiffe mit schadstoffarmem Flüssiggas fahren können, brauchen wir eine wirksame öffentliche Förderung als Starthilfe“, forderte der VDR. Beim Einsatz von Flüssiggas werden der Ausstoß von Schwefeloxiden und Rußpartikeln ganz vermieden und die Emissionen von Stickoxiden und Kohlendioxid deutlich verringert. Bei Scandlines wird bereits an einem schwefelfreien Betrieb gearbeitet, erklärt Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. Das Unternehmen, das auch die Strecke Puttgarden—Rødby bedient, will schon ab 2018 emissionsfreie Fähren einsetzen. jup

LN

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