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Wirtschaft im Norden Werden in Wismar wieder große Schiffe gebaut?
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18:17 16.02.2016

Asiaten aus Malaysia sollen ihr Interesse zur Übernahme der Nordic-Werften bekundet haben. Diese Nachricht kam völlig überraschend und hat bisher eher verhaltene Reaktionen ausgelöst.

„Ich bin seit über 30 Jahren auf der Werft in Wismar beschäftigt und habe Hochs und Tiefs hautnah miterlebt. Selbst die Pleiten von Vulkan und Wadan haben mich nicht umgehauen. Auch die Übernahme der Werft durch den Russen Witalij Jussufow hatte mich damals überrascht“, sagt ein 48-jähriger Schiffbauer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Bei der Übernahme durch Jussufow habe er die Hoffnung gehabt, dass es weitergehe. Für den augenblicklichen Stillstand „mache ich die Politik verantwortlich. Sie hat uns mit den Sanktionen gegen Russland erst in diese Situation gebracht“, empört sich der 48-Jährige. „Nun wollen uns Asiaten übernehmen, die auf dem Schiffbauweltmarkt unsere Konkurrenten sind. Wenn sie das jetzt ehrlich meinen, ist das eine gute Sache. Doch wenn sie nur unser Wissen nach Malaysia transportieren wollen, sehe ich für den Schiffbau hier an der Ostseeküste schwarz“, betont der Schiffbauer. Mit seiner Meinung steht der 48-Jährige nicht allein da. „So denken alle aus meiner Truppe“, fügt er hinzu. Mit öffentlichen Äußerungen halten sie sich zurück. Viele haben Angst, ihren Job zu verlieren.

Auch der Betriebsrat hält sich bedeckt. „Wir wissen lediglich, dass Herr Jussufow mit der Genting-Gruppe aus Malaysia im Gespräch ist. Er führt die Verhandlungen hier in Wismar. Obwohl wir, bedingt durch die Russland-Sanktionen, keine Aufträge haben, steht Herr Jussufow zu seinem Wort und hat uns bisher immer pünktlich den Lohn gezahlt. Es wäre ihm und uns zu wünschen, dass es zu einem positiven Abschluss der Gespräche kommt“, sagt ein Mitglied der Arbeitnehmervertretung.

„Für die Stadt und das Land wäre die Übernahme durch die Genting-Gruppe eine Chance für die Zukunft. Angefangen von der Personalentwicklung bis hin zur Einführung neuer Technik“, erklärt ein Zulieferer, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Denn wenn in Wismar Kreuzfahrtschiffe gebaut werden sollten, müssten dafür die technischen Voraussetzungen geschaffen werden und an die modernen Erfordernissen angepasst werden. „Zum Beispiel durch die Einführung der Lasertechnik“, sagt der Zulieferer.

Manfred Krebs von der Krebs Unternehmensgruppe, die seit Jahren als Dienstleister für Korrosionsschutz Verträge mit der Werft in Wismar hat, betont: „Wir sehen alle Dinge, die für den gesamten Schiffbau und die Offshore-Technik zukunftsweisend sind, positiv“, sagt der kaufmännische Leiter des Unternehmens. Es gelte abzuwarten, was die Verhandlungen ergeben. „Da wir vorwiegend im Offshore-Bereich tätig sind, bleibt erst einmal Nordic unser Ansprechpartner“, erklärt Manfred Krebs.

Die Wismarer Wirtschaftsgemeinschaft (WWG) setzt große Hoffnungen in eine Übernahme der Werft durch die Genting-Gruppe. „Die lange Ungewissheit, wie es ohne nennenswerte Aufträge weitergeht, hat die Werftangehörigen sehr belastet und die Stimmung in der Stadt sehr gedrückt, denn die Werft ist nun mal der Herzschlag Wismars“, sagt Geschäftsstellenleiterin Friederike Zwanzig. Wenn eine Übernahme eine klare Perspektive für die Werft mit sich bringe und die Arbeitsplätze sichere, könne es nur gut sein für unsere ganze Region.

So sieht es auch Stadtchronist Detlef Schmidt. „So lange die Werft besteht und wir Schiffe bauen, geht es den Menschen in Wismar gut“, sagt er. Daher begrüße er das Interesse des asiatischen Unternehmens sehr. „Nichts wäre schlimmer, als wenn die 800 Werft-Mitarbeiter auf der Straße stehen“, betont der Stadtchronist.

Landrätin Kersting Weiss (SPD) hebt das vielseitige und anerkannte Know-How der Werft hervor. „Ich würde mich außerordentlich freuen, wenn sich der Traum vom Bau von Kreuzfahrtschiffen in Wismar erfüllt“, sagt sie. Die Nachrichten vom Interesse der Genting-Group würden auf jeden Fall sehr hoffnungsvoll klingen, für den Landkreis, für Wismar und die Arbeitnehmer.

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) wollte sich vorerst nicht zu dem Thema äußern.

Peter Preußund Sylvia Kartheuser

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