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Werden neue Arzneien bald günstiger?

Berlin/Lübeck Werden neue Arzneien bald günstiger?

Die Regierung möchte hohe Preise senken — Krankenkassen begrüßen das — Pharmaverbände wehren sich.

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Medikamente im Wert von über 1,2 Milliarden Euro wurden in Schleswig-Holstein 2015 verschrieben.

Quelle: dpa

Berlin/Lübeck. Arzneimittel werden hierzulande immer teurer: Medikamente im Wert von mehr als 1,2 Milliarden Euro wurden nach Angaben der AOK und des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein verschrieben. Das entspricht einem Plus von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Verantwortlich für den Anstieg seien laut GKV vor allem neue Medikamente, deren Preise die Hersteller in den ersten zwölf Monaten nach Einführung selbst bestimmen können — erst danach sind die zwischen Kassen und Herstellern ausgehandelten günstigeren „Erstattungsbeträge“ gültig.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kündigt daher nun an, eine Umsatzschwelle von 500 Millionen Euro als Preisbremse für die teuren neuen Arzneien einzuführen. Demnach soll nach Überschreitung dieser Schwelle der günstigere Erstattungspreis für das Medikament gelten — auch wenn das Jahr noch nicht abgelaufen ist.

Die Krankenkassen begrüßen dies, da so die Kosten gesenkt werden könnten. „Es kann nicht sein, dass Arzneien zu beliebigen Preisen neu eingeführt werden“, sagt der AOK-Vorstandsvorsitzende Tom Ackermann. „Auch hohe Forschungs- und Entwicklungskosten und der nachgewiesene Zusatznutzen für den Patienten rechtfertigen diese hohen Preise nicht.“ Besonders neue Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C sowie Krebs seien zwar dringend notwendig, doch ihre Preise könnten auf Dauer die finanzielle Stabilität des Sozialsystems gefährden. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) Schleswig-Holstein merkt jedoch an: „Allerdings wirkt das vorgeschlagene Konstrukt einer — in der Höhe noch nicht definierten — Umsatzschwelle, ab der rückwirkend der ausgehandelte Preis gilt, de facto wie eine Umsatzgarantie“, sagt Sprecher Florian Unger. „Die Hersteller werden darauf hinarbeiten, dass sie einen Umsatz in dieser Höhe auch erlösen.“ Deshalb solle der ausgehandelte Preis grundsätzlich rückwirkend zur Markteinführung gelten, denn allein im vergangenen Jahr seien von den gesetzlichen Krankenkassen bundesweit 1,4 Milliarden Euro nur für hochpreisige neue Arzneimittel ausgegeben worden.

Auch der Apothekerverband Schleswig-Holstein spricht sich grundsätzlich für eine Kostendämpfung bei unverhältnismäßig teuren Medikamenten aus, aber relativiert auch: „Es müssen die richtigen Regulierungsinstrumente gefunden werden, die einerseits die Ausgaben nicht explodieren lassen, aber andererseits auch nicht verhindern, dass nötige Innovationen zum Einsatz kommen“, sagt Geschäftsführer Dr. Thomas Friedrich. Ebenso äußert sich auch die schleswig-holsteinische Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD): „Eine gesetzliche Umsatzschwelle könnte ein gangbarer Weg sein, der jedoch nicht dazu führen darf, dass die Entwicklung lebenswichtiger Medikamente ausgebremst wird.“ Letzteres ist das, was auch der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) zu bedenken gibt: Der jetzige Vorstoß komme einer „Strafsteuer“ auf bahnbrechende Innovationen in Deutschland gleich, so der Sprecher Dr. Jochen Stemmler.

Hohe Kosten

501 Euro — für diesen Betrag bekam im vergangenen Jahr jeder gesetzlich Versicherte in Schleswig-Holstein im Durchschnitt Medikamente verschrieben. Nach Angaben der AOK musste jeder Versicherte im Schnitt über 31 Euro an Zuzahlungen für Arzneimittel leisten, was insgesamt einem Betrag von über 75 Millionen Euro entspricht.

43 562,52 Euro — so viel kostet nach Angaben der Pharmazeutischen Zeitung derzeit eine mehrwöchige Behandlung mit einem der teuersten Medikamente: Sovaldi. Mit diesem Arzneimittel des Herstellers Gilead können viele Hepatitis-C-Patienten vollständig geheilt werden.

Von Lena Modrow

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