Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Werden wir von Smartphones dumm?

Lübeck Werden wir von Smartphones dumm?

Hirnforscher warnt: Die Versuchung, alles gleichzeitig erledigen zu können, lässt die Aufmerksamkeit der Nutzer dramatisch sinken.

Voriger Artikel
Kanälen droht wieder der Stillstand
Nächster Artikel
E-Autos sollen kostenlos parken

Machen uns Smartphones dumm?

Quelle: dpa

Berlin. 225 Millionen Smartphones sind weltweit verkauft worden — zwischen März und Juni 2013. Das hat das Analysehaus Gartner errechnet. 26 Millionen werden es 2013 in Deutschland sein, schätzt der Branchenverband Bitkom. Acht Millionen Tablet-Computer kommen hinzu. Ein Boom.

Auf der gestern eröffneten Berliner Elektronikmesse Ifa dreht sich alles um die smarte neue Welt. Das mobile Internet hat die Welt erobert. Mit dem alten Handy, das nur telefonieren und SMS schicken konnte, waren wir überall erreichbar. Mit dem Smartphone schleppen wir zusätzlich das Weltwissen mit uns herum. Ist das ein Segen oder ein Fluch? Stimmt die Gleichung: Smartes Telefon — dummer Mensch?

Die Diskussion erinnert etwas an die Angst vor dem elektronischen Taschenrechner vor 30 Jahren. Heute wissen wir: Wer tippt, verlernt nicht zu rechnen. Aber er kommt aus dem Training. Wer sich auf externe Wissensspeicher verlässt, merkt sich weniger und kann darauf nicht aufbauen, sagt die Wiener Bildungspsychologin Christiane Spiel.

„Ich google das mal schnell“, ist die Antwort auf jede Frage. Wikipedia rottet jeden Zweifel aus. War es gut oder schlecht, dass wir uns früher auf Partys kollektiv den Kopf über banale Fragen zerbrochen haben, Wetten abschlossen über strittige Fakten, über Bands, Hits, Daten? Die Gespräche mäanderten durchs Ungefähre, wurden immer phantastischer, am Ende stand vielleicht die Weltrevolution oder der Mensch fürs Leben. Und heute gibt es nur noch: „Ich google das mal schnell.“ Andererseits: Ist es nicht einfach verdammt praktisch, nachgucken zu können, wann der nächste Bus fährt? Immer alles sofort zu wissen? Wie selbstverständlich heutige Jugendliche Smartphones nutzen, ist für viele Erwachsene schwer nachvollziehbar. Teenager wachsen in der Facebook-Zeit auf, eine Welt ohne ständig verfügbares Internet kennen sie nicht mehr. Multitasking ist Standard, auch in der Mittagspause. Ifa-Besucher Marleen, Jennifer und Constantin halten ihre Handys in der einen Hand, schieben mit der anderen abwechselnd Pommes und Hamburger in den Mund.

„Selbstverständlich kann ich zuhören und gleichzeitig Whatsapp schreiben“, sagt Jennifer. Whatsapp ist das Kurznachrichtenprogramm, das bei Jugendlichen die SMS ersetzt. Auch Marleen und Constantin sind von ihrer Fähigkeit, alles gleichzeitig zu können und mitzubekommen, überzeugt. Whatsapp erlaubt kostenlosen Versand von Nachrichten, Bildern, Videos und Sprachaufnahmen, man kann seinem Gesprächspartner sogar den genauen Standort schicken, an dem man sich aufhält. „Ich denke, dass macht uns schon ein bisschen blöder“, sagt Constantin. Weil man sich gar nicht mehr orientieren müsse.

„Aber gleichzeitig können wir, wenn wir hier irgendwas sehen, sofort nachschauen, was es ist und was die Geschichte dahinter ist“.

Multitasking ist aber nicht natürlich, sagt der Braunschweiger Hirnforscher Martin Korte. Wer glaubt, alles gleichzeitig erledigen zu können, müsse mit einer hohen Fehlerquote und dramatisch sinkenden Aufmerksamkeitsspannen rechnen. „Die Gehirnressourcen werden vom Informationsmüll aufgefressen“, sagt Korte. Am gefährlichsten seien die sozialen Netzwerke. Ständig könnte sich jemand melden, ein „Like“-Klick den Tag versüßen, eine Antwort auf Facebook oder Whatsapp einlaufen. Wer nicht antwortet, sendet damit auch eine Nachricht. Zu lange Pausen werden als Desinteresse gewertet.

Sebastian Scherer und Jan Sternberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 13.067,00 +0,45%
TecDAX 2.572,50 -0,03%
EUR/USD 1,1931 +0,68%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

BASF 94,83 +2,70%
CONTINENTAL 216,76 +1,37%
VOLKSWAGEN VZ 169,40 +1,15%
FRESENIUS... 60,85 -1,26%
BAYER 107,63 -0,74%
BEIERSDORF 97,00 -0,50%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 235,73%
Commodity Capital AF 186,34%
Allianz Global Inv AF 120,13%
Polar Capital Fund AF 103,26%
Apus Capital Reval AF 102,10%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.