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Wirtschaft im Norden Werftarbeiter bangen um ihre Altersversorgung
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15:21 24.10.2012
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Lübeck

Die IG Metall Küste hofft auf eine außergerichtliche Lösung, damit den Beschäftigten der P+S Werften in Stralsund und Wolgast ihr angespartes Altersteilzeitgeld ausgezahlt werden kann. „Wir müssen versuchen, an das Geld für die Mitarbeiter zu kommen. Und wir wollen wissen, wer hier gegen geltendes Recht verstoßen hat“, sagte gestern der Sprecher der IG Metall Küste, Heiko Messerschmidt, den LN. Möglich seien auch Schadenersatzklagen. Juristen der IG Metall prüften auch, ob das Altersteilzeitgeld über die Haftpflichtversicherungen des P+S-Werftenmanagements bezahlt werde könne.

Zuvor hatte die „Ostsee-Zeitung“ darüber berichtet, dass rund 140 ältere Mitarbeiter der P+S- Werften um ihre angesparten Ansprüche für die Altersteilzeit in Höhe von insgesamt 3,8 Millionen Euro bangen müssen. Grund ist nach Angaben der IG Metall eine „Schlamperei“ der alten Geschäftsführung. Diese habe es versäumt, einen Treuhandvertrag für den Fall einer Insolvenz abzuschließen, sagte gestern der IG-Metall-Beauftragte Guido Fröschke. „Da hat jemand seinen Job nicht richtig gemacht.“ Die Versicherung, bei der das Guthaben für den Insolvenzfall versichert ist, weigere sich, ohne Treuhandvertrag das Geld auszuzahlen. Grüne und Linke kündigten inzwischen an, die Vorgänge im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufklären lassen zu wollen.

Die 3,8 Millionen Euro fließen jetzt in die Insolvenzmasse. „Es besteht keine andere Möglichkeit“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters Berthold Brinkmann. Ihm seien die Hände gebunden.

Tarifverträge und ein Gesetz schreiben eine solche Versicherung vor. Sie hätte im Normalfall 100 Mitarbeitern geholfen, die sich in der sogenannten Freistellungsphase befinden, in der sie nicht mehr arbeiten müssten – und 40 weiteren Beschäftigen, die demnächst in diesen Abschnitt der Altersteilzeit wechseln sollten. Mit der Insolvenz gelten die Altersteilzeit-Verträge nicht mehr, das gesparte Geld wäre aber ausgezahlt worden. Die 100 freigestellten Schiffbauer müssen sich arbeitslos melden, die 40 weiteren wechseln in die Transfergesellschaft.

„Das ist ein unfassbares Desaster, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagte Meinhard Geiken, Vorsitzender von IG Metall Küste. Den betroffenen Arbeitern drohe ein Absturz in Hartz IV, durch mehrere Jahre Arbeitslosigkeit schrumpfe zudem die spätere, reguläre Altersrente.

In den vergangenen Jahren hatten IG Metall und Werftleitung für Altersteilzeit geworben, als Instrument im anstehenden Stellenabbau. Die Altersteilzeitquote ist auf den P+S-Werften doppelt so hoch wie in anderen Unternehmen.

Nach Angaben von Guido Fröschke, IG-Metall-Beauftragter in Stralsund, soll noch im April – fünf Monate vor der Insolvenz – der damalige Geschäftsführer Dieter Brammertz die Verwaltung der Altersteilzeitgelder neu organisiert haben. Der Ex-Werftboss Brammertz, gegen den bereits die Stralsunder Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt, hat eine für Führungkräfte übliche Manager-Versicherung abgeschlossen, die für den Schaden aufkommen könnte.

„Wir haben heute über das Thema gesprochen. Bei den Betrieben hier in der Region scheint alles abgesichert“, sagte Thomas Rickers von der IG Metall Lübeck/Wismar den LN. Dennoch rät Rickers allen Betriebsräten: „Sie sollten sich die Insolvenzversicherung vom Arbeitgeber nachweisen lassen.“ gkw/cri

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