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Wirtschaft im Norden Wie kam Böhnhardts DNA nach Thüringen?
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02:14 14.10.2016

Der Fall Peggy war an sich schon mysteriös: Jahrelang galt die Schülerin als verschollen. Vor wenigen Monaten tauchen plötzlich Skelettteile der Schülerin auf. Jetzt zeichnet sich eine spektakuläre Wende ab – mit Bezug zum ehemaligen Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU). Am Fundort des Skeletts der 2001 verschwundenen und getöteten Peggy haben Ermittler Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Harald Potzel seien sie an einem Stück Stoffdecke von der Größe eines Fingernagels festgestellt worden. Am Nachmittag war nach einem Abgleich von Datenbanken durch die Rechtsmedizin ein entsprechender Treffer gemeldet worden.

Am Fundort der Leiche in einem Waldgebiet an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen seien zahlreiche Spurenträger sichergestellt worden, teilten die Behörden weiter mit. Bei der Untersuchung sei DNA festgestellt worden, „die Uwe Böhnhardt zuzuordnen ist“. Allerdings: „In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K.

steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen.“

Die damals Neunjährige war am 7. Mai 2001 im nordbayerischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Am 2. Juli dieses Jahres hatte ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis in Thüringen gefunden – nur rund 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens entfernt.

Rechtsextremist Böhnhardt gehörte dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) an. Zusammen mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe soll er laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben.

Die Gruppe erschoss zwischen 2000 und 2007 nach Erkenntnissen der Ermittler neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer und eine Polizistin. Mundlos und Böhnhardt töteten sich im November 2011 nach einem Banküberfall, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Zschäpe stellte sich der Polizei. Seit Mai 2013 muss sie sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten.

Mehrere Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses reagierten entsetzt auf die Nachricht des spektakulären Funds. Sie verwiesen auch darauf, dass im ausgebrannten NSU- Wohnmobil Kindersachen gefunden worden seien, deren Herkunft bis heute unklar sei. Die Linke-Obfrau des Ausschusses, Katharina König, forderte, es müsse einen Abgleich der DNA von Böhnhardt sowie der DNA der weiteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos und Zschäpe mit allen ungeklärten Fällen geben, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien. Zudem sei aus ihrer Sicht derzeit völlig offen, ob der Münchner NSU-Prozess gegen Zschäpe so weitergehen könne wie bisher.

Der Münchner Rechtsanwalt Yavuz Narin sagte, im Umfeld des NSU seien „mehrere Personen mit Sexualstraftaten an Kindern in Erscheinung getreten“. So habe einer der mutmaßlichen NSU-Waffenbeschaffer Böhnhardt des Mordes an einem neun Jahre alten Jungen in Jena bezichtigt. In den Prozessakten fänden sich weitere Namen von Männern, die zum Freundeskreis Böhnhardts zählten und zu denen sich Hinweise auf Kindesmissbrauch in den Akten fänden. Narin verwies außerdem auf den früheren Anführer des „Thüringer Heimatschutzes“, Tino Brandt, der wegen Missbrauchs von Jungen im Gefängnis sitzt.

Narin vertritt im NSU-Prozess die Familie eines in München ermordeten Geschäftsmannes.

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, forderte Zschäpe auf, sich zu den neuen Erkenntnissen im Fall Peggy zu äußern. „Ich würde mir wünschen, dass Frau Zschäpe auch in diesem Fall an der Aufklärung mitwirkt und auspackt, was sie dazu weiß“, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

LN

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