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Wie schlecht geht es Dräger?

Lübeck Wie schlecht geht es Dräger?

Verschiebung von Zahlungen und Stellenabbau: Das Lübecker Unternehmen fährt harten Sparkurs.

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2014 war die Welt noch in Ordnung: Dräger feierte 125. Geburtstag mit blauem Holstentor.

Quelle: Fotos: Neelsen (2), Wese

Lübeck. Lübecks größtes Unternehmen muss drastisch sparen: Dräger baut 200 Stellen am Stammsitz ab, nun kündigt es Geschäftspartnern auch noch an, Rechnungen erst nach sieben Wochen zu begleichen (die LN berichteten) — eine Maßnahme, die deutliche Kritik und Kopfschütteln auslöst, unter anderem im Handwerk und der Gastronomie. Viele fragen sich jetzt: Wie schlecht geht es dem Unternehmen, wenn es zu solch unpopulären Maßnahmen greift, die das Verhältnis zu Geschäftspartnern belasten? Zumal die Beträge nur einen kleinen Teil der Kosten ausmachen. „Das Auftragsvolumen mit den angeschriebenen Lieferanten lag 2015 im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das entspricht unter fünf Prozent unseres Einkaufsvolumens allein in Deutschland“, erklärte gestern Dräger-Sprecherin Melanie Kamann.

Insgesamt habe das Unternehmen bisher rund 1200 Briefe verschickt, sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Bisher hätten sich etwa 40 Lieferanten bei Dräger gemeldet. „Es wurden auch schon Ausnahmen vereinbart“, sagt Kamann. Angesichts der schwachen Geschäftsentwicklung 2015 habe Dräger das Effizienzprogramm „Fit for Growth“ intensivieren müssen, um für einen mittel- und langfristigen Erfolg richtig aufgestellt zu sein. Die Verlängerung der Zahlungsziele sei dabei eine Maßnahme von vielen. „Die gute Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und Dienstleistern ist Dräger sehr wichtig.

Deshalb haben wir die Veränderung im Voraus angekündigt und die Möglichkeit angeboten, darüber mit uns ins Gespräch zu kommen“, sagt Kamann.

Parallel bemüht sich das Unternehmen intensiv um den Stellenabbau in Lübeck. Hier am Stammsitz arbeiten zurzeit gut 5000 Mitarbeiter, 200 Stellen sollen bis Mai abgebaut werden. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Die aktuellen Rahmenbedingungen und unsere Einschätzung zur Entwicklung der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren erfordern jedoch entschlossenes Handeln, um das qualifizierte Überleben unseres Unternehmens zu sichern“, hatte Vorstandschef Stefan Dräger am 7. Dezember 2015 verkündet. Dräger hat dazu ein „Freiwilligenprogramm“ aufgelegt. Seit Anfang Februar bis Ende April können Mitarbeiter einen Auflösungsvertrag abschließen und erhalten dafür eine Abfindung. Außerdem wird ihnen eine vertrauliche Beratung über ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch eine Hamburger Firma angeboten. Wer sich schnell zum Ausstieg entscheidet, bekommt zudem eine „Turboprämie“ in Höhe von 10000 Euro. Nach LN-Informationen haben sich bisher etwa 100 Mitarbeiter für eine anonyme Beratung interessiert, über etwa 50 Aufhebungsverträge wird diskutiert. Ab März will das Unternehmen Mitarbeitern gezielt einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung anbieten — auch hier sei ein Abschluss aber freiwillig.

Die IG Metall lehnt das geplante Stellenabbauprogramm ab. „Es ist falsch, dass der Vorstand auf einen reinen Abbau von Köpfen besteht und andere Kosteneinsparungen als Alternative ausschließt“, sagt Daniel Friedrich, Vorsitzender der IG Metall Lübeck-Wismar.

Details zum Stellenabbau und anderen Sparmaßnahmen will Dräger am 9. März bekanntgeben.

Christian Risch

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Lübeck
Der Hauptsitz der Firma Dräger, aufgenommen am 08.03.2013 in Lübeck (Schleswig-Holstein).

Der Lübecker Dräger-Konzern, einer der führenden Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik, blickt auf ein enttäuschendes Geschäftsjahr zurück: Der Gewinn brach 2015 um 62 Prozent ein. 350 Stellen im In- und Ausland werden abgebaut. Der Konzern will 100 Millionen Euro sparen. Die Dividende wird gekürzt.

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