Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Windkraft: Gegner wittern Wahlbetrug
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Windkraft: Gegner wittern Wahlbetrug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:20 22.06.2017
Schleswig-Holstein soll das Energiewendeland Nummer 1 werden, heißt es im Jamaika-Koalitionsvertrag. 3600 Windräder sollen dazu beitragen. Quelle: Foto: Dpa
Anzeige
Kiel

Die Jamaika-Koalitionäre hatten ihre Einigung zum Windkraftausbau letzte Woche präsentiert. Die Mindestabstände der Rotoren zu Wohngebieten sollen auf 1000 Meter vergrößert werden – wenn es gelingt, die dadurch wegfallende Leistung durch ein Repowering alter Anlagen an der Westküste, außerhalb der Windeignungsgebiete, auszugleichen. Denn: Am Ziel, im Land bis 2025 zehn Gigawatt aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen, halte man fest.

Genau deshalb werde die von CDU, Grünen und FDP angekündigte Vergrößerung der Abstände in vielen Fällen gar nicht erfolgen, sagt nun die Landesvorsitzende des Vereins „Für Mensch und Natur – Gegenwind Schleswig-Holstein“, Susanne Kirchof. Sie spricht von einer bewussten Irreführung der Öffentlichkeit und einem Kniefall vor der hoch subventionierten Windkraftbranche. Dabei sei die Forderung nach größeren Abständen notwendig, um Anwohner von Wind-Industriegebieten zu schützen. Es gebe ihrer Ansicht nach ausreichend belastbare Hinweise, dass die Gesundheit der Anwohner durch den Betrieb von Windkraftanlagen in zu großer Zahl und zu großer Nähe erheblich leide. Das Zehn-Gigawatt-Ziel der Koalition sei zudem unrealistisch, weil der Netzentwicklungsplan der Bundesnetzagentur für Schleswig-Holstein bis 2030 lediglich eine Kapazität von 7,8 Gigawatt vorsehe.

Grünen-Umweltminister Robert Habeck widerspricht: „Wenn wir die weltweit vereinbarten Klimaschutzziele ernstnehmen und uns nicht wie Trump davonmachen, dann sollte auch Schleswig-Holstein seinen Anteil daran leisten.“ Von Täuschung könne keine Rede sein. Die Voraussetzungen für die Abstandsvergrößerung seien klar geregelt. Sollte das Repowering möglich sein und Spielräume eröffnen, sollten sie genutzt werden. Das sei auch aus seiner Sicht sehr wünschenswert. Fakt sei aber, „dass das Land sich ja nicht ausdehnt und ein gewisses Maß an Fläche benötigt wird, um all die Ansprüche, Schutz der Menschen, der Natur, der Umwelt und des Klimaschutzes, in Einklang zu bringen“.

Für den FDP-Abgeordneten Nicolas Lembeck ist der Koalitionsvertrag „ein tragbarer Kompromiss für alle Parteien“. Der designierte CDU-Ministerpräsident Daniel Günther betont: „Im Koalitionsvertrag von CDU, Grünen und FDP ist geregelt, dass größere Abstände kommen werden.“ Dafür sorge die Vereinbarung, dass bei größeren Anlagen immer ein Mindestabstand von fünffacher Höhe einzuhalten ist. Die möglichen Spielräume durchs Repowering kämen hinzu. Der SPD-Abgeordnete Thomas Hölck hingegen kritisiert Jamaika scharf. Die von CDU und FDP vor der Wahl versprochene Neuaufstellung der Windkraftplanung finde nicht statt, sagt Hölck.

Bald 3600 Windräder

1,98 Prozent der Landesfläche sollen nach bisheriger Planung für Windräder genutzt werden. Jamaika will im Wesentlichen daran festhalten. Bis 2025 sollen sich dort 3600 Windräder mit zehn Gigawatt Leistung drehen, so viel, wie einst die drei Kernkraftwerke im Land erzeugten. Derzeit sind es 3100 Windräder mit 6,5 Gigawatt. Insgesamt sollen nach den Plänen 1306 Windräder abgebaut werden, darunter viele an der Westküste, weil sie außerhalb der neuen Eignungsflächen liegen. Jamaika will versuchen, einige davon zu erhalten und sogar zu modernisieren.

 Wolfram Hammer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige