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Windparks ohne nächtliches „Diskofeuer“

Langenhorn Windparks ohne nächtliches „Diskofeuer“

Der Norden ist Vorreiter für eine automatische Abschaltung der Warnsignale – Nur wenn sich ein Flugzeug nähert, blinkt das Licht auf.

Langenhorn. Die einen finden es toll, wenn es wie in einer Diskothek am nächtlichen Himmel immer wieder rot aufblinkt. Die Anwohner von Windparks jedoch sind genervt. Am Blinken der Warnsignale von Windkraftanlagen scheiden sich die Geister. Inzwischen ist Schleswig-Holstein Vorreiter für Hochtechnologie-Entwicklungen, mit denen die automatische Ab- oder Zuschaltung der Warnsignale geregelt werden kann. Sie sorgen dafür, dass nur bei Annäherung eines Flugzeugs die Warnsignale blinken. Gibt es keinen Flugverkehr, dann herrscht auch über den Windparks nächtliche Dunkelheit. Für CDU-Landeschef Ingbert Liebing ist das ein wichtiges Argument, um für mehr Akzeptanz der Windparks zu sorgen. Erst 2015 gab es nach zähem Ringen mit dem Verkehrsministerium grünes Licht für die Signale. Die Warnlichter sind bei Anlagen über 100 Meter Höhe vorgeschrieben. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sagt den LN: „Wir wollen, dass es am Himmel wieder weitgehend dunkel ist. Das nächtliche Blinken der Windkraftanlagen ist aus Flugsicherheitsgründen erforderlich, viele stört es aber.“ Deshalb unterstütze Kiel Lösungen, die das Blinken „weitgehend überflüssig machen“.

 

LN-Bild

Eine Windkraftanlage nahe Rostock in der Dämmerung.

Quelle: dpa

Norbert Barthle (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, bescheinigt in der Antwort auf eine Anfrage des Linken-Politikers Herbert Behrens den existierenden Abschalteinrichtungen höchstes Niveau. Alle wurden in Schleswig- Holstein erfolgreich getestet und werden im Regelbetrieb genutzt. So etwa das radargestützte Airspex-System der Firma Enertrag Systemtechnik aus der Nähe von Prenzlau. Das mit Airbus entwickelte System ging im nordfriesischen Windpark Ockholm-Langenhorn als erstes in Dauerbetrieb. Enertrag-Geschäftsführer Thomas Herrholz freut sich über die „sehr hohe Nachfrage“. Nach bislang sechs solcher Anlagen sollen in diesem Jahr weitere 17 hinzukommen. Für die Überwachung eines Windparks werden mindestens vier Radarsensoren in 30 Meter Höhe angebracht. Die Strahlung von vier Watt entspreche der doppelten Leistung eines Mobiltelefons. Ohne aktive Radarstrahlung kommt dagegen die Technik der Firma Dirkshof aus, die Rundfunksignale nutzt. Im Windpark Reußenköge wird das „umweltverträgliche und kostengünstige Warnsystem“ bereits erfolgreich getestet, erklärt Vertriebsingenieur Michel Ahrendsen.

Liebing drängt nun darauf, dass Windpark-Betreiber für die moderne Ausrüstung ihrer Anlagen finanzielle Anreize erhalten. Noch gebe es ein „Schwarzer-Peter-Spiel“ zwischen Bund und Land. Habeck verspricht jedoch: „Wir schaffen einen Anreiz, auch alte Anlagen nachzurüsten.“

Reinhard Zweigler

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