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Windrad-Flügel bohrt sich in Lastwagen

Lübeck Windrad-Flügel bohrt sich in Lastwagen

Dramatischer Unfall auf der A 33 bei Bielefeld: Wie sicher sind Schwertransporte auf Autobahnen?.

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Ein Windradflügel liegt nach einem Auffahrunfall auf der Autobahn 33 bei Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) quer über der Fahrbahn. Zwei Lkw-Fahrer wurden verletzt.

Quelle: Foto: Christian Mathiesen/dpa

Lübeck. Es ist für Autofahrer schier unvorstellbar. Beim Unfall eines Schwertransporters bohrt sich plötzlich ein riesiger Flügel eines Windrades in den eigenen Wagen.

Genau das ist gestern Morgen gegen 5 Uhr auf der A 33 bei Bielefeld passiert. Ein Schwertransporter aus Bremerhaven war in einen Auffahrunfall verwickelt, dadurch verrutschte der 62 Meter lange Flügel und durchbohrte das Führerhaus eines nachfolgenden Lastwagens. Obwohl die Kabine komplett zerstört wurde, erlitt der 61 Jahre alte Fahrer nur leichte Verletzungen.

Der Flügel ragte danach auf die Gegenfahrbahn, teilte die Polizei mit. Dort prallte ein Lastwagen dagegen. Dessen 46 Jahre alter Fahrer aus Bielefeld wurde dabei schwer verletzt und kam in ein Krankenhaus.

Im Land Schleswig-Holstein gibt es sehr viele Schwertransporte mit Windrädern. Dabei sei es in der Vergangenheit zwar vereinzelt mal zu kleineren Unfällen gekommen, aber ein solch schwerer Unfall sei ihm nicht in Erinnerung, sagt Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel. Typische Beispiele für Unfälle seien, dass sich ein Schwertransport an einem Kreisverkehr festfahre oder eine Brücke touchiere.

„2016 haben wir 8700 Großraum- und Schwertransporte bearbeitet, davon mussten 4800 polizeilich begleitet werden“, sagt Stelck. In diesem Jahr liege die Zahl bisher bei 3000 bearbeiteten Transporten und 1740 begleiteten. Ob und wie lange ein Transport begleitet werde und wie viele Polizisten dabei zum Einsatz kommen, hänge von der Strecke, den Fahrzeugausmaßen und den örtlichen Gegebenheiten ab.

„Die Sicherheit steht und fällt mit der Ausbildung der Fahrer“, sagt Ulf Evert, Sprecher des ADAC im Land. Die Zahl der Transporte sei in den vergangenen Jahren explosionsartig gestiegen, auch, weil es viele Windkraft-Firmen im Norden gebe, die ihre Anlage von hier aus in alle Richtungen verschicken. „Hier bei uns fahren die Transporter in der Regel nachts“, sagt Evert – auch deshalb, weil es viele Engpässe durch Autobahn- Baustellen gebe und die überbreiten Schwertransporte dort beide Fahrspuren benötigten. „Gemessen an der Zahl der Transporte ist die Zahl der Unfälle hier im Land relativ gering“, erklärt auch Evert.

Schwertransporte seien für die Windbranche enorm wichtig, sagt Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). „Ich habe in die Speditionen ebenso hohes Vertrauen wie in die Polizei, wie auch die geringen Unfallzahlen eindrucksvoll belegen.“ Das Windenergieland Schleswig- Holstein werde künftig noch stärker darauf angewiesen sein, dass Transporte reibungslos laufen.

Beim Unfall auf der A 33 gestaltete sich die Bergung des zerstörten Flügels schwierig. Er solle zersägt werden, stehe aber unter Spannung, sagte die Polizei. Die Autobahn war stundenlang in beiden Richtungen gesperrt. Der Sachschaden liegt bei 520000 Euro.

Windräder – Kolosse aus Stahl

Deutschland hatte Ende 2016 nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie 27 270 Windräder. Im vergangenen Jahr wurden 1624 davon neu errichtet. Gängige Anlagen sind bis zu 130 Meter hoch, 90 Meter Durchmesser haben ihre Rotoren.

Die Gondel, an welcher der Rotor angebracht ist, wird meist komplett montiert per Lkw dorthin gefahren. Sie kann je nach Leistung 109 Tonnen wiegen.

Die gängigsten Türme sind aus Stahl. Diese sind in zwei bis fünf Segmente von je 20 bis 30 Meter Länge unterteilt, jedes kann bis zu 250 Tonnen wiegen. Haben sie einen Durchmesser von mehr als vier Metern, ist der Transport unter Brücken schwierig.

Christian Risch

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