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„Wir kritisieren die viel zu große Konzentration des Handels“

Berlin „Wir kritisieren die viel zu große Konzentration des Handels“

Bauern-Präsident Joachim Rukwied redet im LN-Interview über die schwierige wirtschaftliche Lage, Flüchtlinge als Arbeitskräfte und die Sanktionen gegen Russland.

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Sorgenvoll: Joachim Rukwied.

Herr Rukwied, sind Flüchtlinge als Arbeitskräfte bei deutschen Landwirten willkommen?

Joachim Rukwied: Unsere Landwirte sind offen dafür, Flüchtlinge zu beschäftigen, sofern sie eine Arbeitserlaubnis besitzen. Es gab bereits die ersten Betriebsbesuche, die von Landwirtschaftskammern organisiert wurden. Ich denke, dass der eine oder andere Flüchtling hier Beschäftigung oder einen Ausbildungsplatz finden kann.

Behindert der landwirtschaftliche Mindestlohn von acht Euro die Beschäftigung von Flüchtlingen?

Rukwied: Die acht Euro sind generell eine Beschäftigungsbremse. Es ist den Landwirten im Vorjahr nicht gelungen, die gestiegenen Lohnkosten über höhere Erzeugerpreise auszugleichen. Die Kosten für den Mindestlohn bleiben bei den Bauern hängen. Und ich befürchte, dass so arbeitsintensive Kulturen mittelfristig nicht mehr in Deutschland angebaut werden.

Sehen Sie also schwarz für Spargel- oder Obstbauern?

Rukwied: Wenn die höheren Kosten auf Dauer nicht weitergegeben werden können, wenn die Verbraucherpreise nicht steigen, dann leider ja.

Mehr als der Mindestlohn drücken die großen Lebensmittelkonzerne auf die Preise. Können die Bauern dieser Marktmacht Paroli bieten?

Rukwied: Wir kritisieren die viel zu große Konzentration des Handels.

Nun könnte mit der Übernahme von Tengelmann durch Edeka die Konzentration noch stärker werden. Sollte Sigmar Gabriel die Ministererlaubnis für diese Fusion erteilen?

Rukwied: Ganz klar: nein. Ich habe Minister Gabriel in einem Brief aufgefordert, die Ministererlaubnis nicht zu erteilen. Bereits jetzt gibt es kein ausgewogenes Kräfteverhältnis zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel. Der Druck, den der Lebensmitteleinzelhandel ausüben kann, ist viel zu hoch.

Täuschen schöne Bilder von der Grünen Woche darüber hinweg, dass es den Landwirten nicht gut geht?

Rukwied: Unser Beruf ist nach wie vor ein sehr schöner, egal ob ich Tiere halte, Ackerbau betreibe oder Obst anbaue. Die wirtschaftliche Seite allerdings ist enorm schwierig. Im Wirtschaftsjahr 2014/15 sind die Einkommen um 35 Prozent gesunken. Im laufenden Wirtschaftsjahr drohen noch einmal zweistellige Einbußen.

Vor allem die Milchbauern hatten dramatische Einbußen . . .

Rukwied: Die Lage ist unverändert sehr schwierig. Bei den Milchpreisen gibt es ein Süd-Nord-Gefälle. Die Bauern erhalten gerade mal zwischen 26 und 30 Cent je Liter. Damit kann kein Landwirt schwarze Zahlen schreiben.

Ist der Export denn ein Ausweg?

Rukwied: Ohne Export würde es der Landwirtschaft noch viel schlechter gehen. Die EU-Sanktionen gegen Russland und Putins Embargo im Gegenzug drücken gewaltig auf die Erzeugerpreise.

Müssen die Sanktionen fallen?

Rukwied: Eine ganz schwierige Frage. Ich bin allerdings dafür, dass die Politik Bewegung reinbringen muss. Unser Ziel ist die Aufhebung der europäischen Sanktionen gegen Russland sowie des russischen Embargos gegen Lebensmittel aus der EU.

Interview: Reinhard Zweigler

LN

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