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Wirtschaft im Norden „Wir müssen die Vorteile Europas besser erklären“
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden „Wir müssen die Vorteile Europas besser erklären“
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20:14 24.06.2016

Mit einer Mischung aus Bedauern, Enttäuschung und Appellen reagieren Politik und Wirtschaft im Norden auf die Brexit-Entscheidung. „Es ist unsere Aufgabe, Europa besser zu erklären und die Menschen mitzunehmen“, sagt Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Das sei leicht gesagt und schwer getan, viele Menschen hätten Ängste. „Ich glaube, dass wir die Vorteile der Wertegemeinschaft bis hinein ins kleinste Dorf erklären müssen. Unser wirtschaftlicher Erfolg hat sehr viel mit der EU zu tun“, so der Minister. Erhebliche Auswirkungen sehe er auf die Finanzmärkte.

„Wir wollen nicht ernsthaft an ein Szenario mit Zöllen und Schlagbäumen denken.“Werner Koopmann, IHK

Wirtschaftlich werde der Brexit verkraftbar sein, politisch seien die Auswirkungen größer, erklärt Oliver Saggau, Vorstand der Sparkasse zu Lübeck. „Die Anleger müssen keine Panik bekommen. Wer seine Anlagen breit gestreut hat, kann in aller Ruhe in die Zukunft schauen“, sagt er. „Was wir aber erleben werden, ist eine stärkere Volatilität an den Aktienmärkten.“

Für die Briten werde der Austritt langfristig erhebliche Nachteile haben, erklärt Michael Brandt, Vorstand der Volksbank Lübeck. Nun müsse es einen „klaren Fahrplan“ für den Brexit geben. „Wichtig ist, dass Unternehmen und Bürger Planungssicherheit erhalten.“ Für Spar- und Sichteinlagen bestehe kein Risiko. Allerdings rechnet die Volksbank mit einem „stark schwankenden Aktienmarkt und vor allem einem schwachen Euro.“

Großbritannien sei ein großer Markt für Baader Maschinenbau, sagt Geschäftsführer Robert Focke, als Handelspartner stehe das Land etwa an fünfter Stelle. Die Kunden sitzen vor allem in Schottland, wo Baader eine Niederlassung in Aberdeen habe. „Es gibt im Moment jede Menge Fragezeichen. Die größte Frage ist: Wie wird sich Schottland zum Brexit stellen?“

Die Firma Dräger hat seit über 50 Jahren eine Tochtergesellschaft in Großbritannien. „Wir befassen uns schon länger mit dem Brexit und prüfen gemeinsam mit den britischen Kollegen, wie er sich auf unser Geschäft auswirken könnte“, sagt Andreas Kendzerski, Chief Financial Officer Europe bei Dräger. „Es sind noch sehr viele Punkte zu klären. Für eine realistische Einschätzung ist es noch zu früh.“

„England ist ein sehr interessanter Markt. Geschäftsfördernd wirkt die Entscheidung nicht“, sagt Stefan Ritt, Marketingchef bei SLM Solutions. „Wir hoffen sehr auf eine politische Lösung, die die Freihandelszone mit England erhält.“

Werner Koopmann (IHK Schleswig-Holstein) fordert, die EU dürfe bei den Verhandlungen ihre Prinzipien nicht über Bord werfen. „Wir wollen aber auch nicht ernsthaft an ein Szenario mit Zöllen, Schlagbäumen und Arbeitserlaubnissen denken.“ Nach Angaben des Kieler Wirtschaftsministeriums belegt Großbritannien im Gesamtranking des Außenhandels zurzeit Platz 6 bei der Ausfuhr und der Einfuhr.

Was sich daran durch den „Brexit“ ändere, sei unklar. „Einzelne Unternehmen, die in Handelsbeziehungen mit Großbritannien stehen, werden aber zumindest eine Phase der Unsicherheit spüren“, heißt es.

„Europa muss sich weiter seiner Verantwortung für Menschenwürde, Demokratie und gerechte Teilhabe stellen. Es lohnt sich allemal, auf diesem Weg gemeinsam unterwegs zu sein“, sagt Landesbischof Gerhard Ulrich.

C.Risch

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