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Wirtschaft im Norden Wird Schuhe schnüren bald überflüssig?
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20:33 17.03.2016
Laura (7) sucht sich bei Martin Lohmann im Geschäft „boys & girls“ ihre ersten Schnürschuhe aus.

Kimberly Petersen hat die Enden ihrer Schnürsenkel fest zusammengebunden und in ihren roten Sneakers versteckt. „Ich lasse das immer so und schlüpfe morgens nur noch in die Schuhe hinein“, sagt die Lübeckerin. „Das geht schneller, als sie jedes Mal zu binden, und ist außerdem bequemer.“

Kinder lernen laut Experten immer später, Schleifen zu binden. Jugendliche können das zwar, lassen die Schuhe aber lieber offen. Sportartikel-Hersteller Nike bringt nun ein Modell speziell für Schnürfaule auf den Markt.

Bald könnte es für die 19-Jährige noch einfacher werden: Sportartikel-Hersteller Nike bringt Ende des Jahres einen selbstschnürenden Schuh auf den Markt. Er ist im Bereich der Ferse mit Sensoren ausgestattet. Diese registrieren, wenn ein Fuß in den Schuh hineinschlüpft. Dann werden die Schnürsenkel mithilfe von Spulen angezogen. Über zwei Knöpfe an der Seite kann der Träger regulieren, ob der Sneaker enger oder weiter geschnürt werden soll. Nach Angaben von Nike-Designer Tinker Hatfield wird bereits an einer Technologie gearbeitet, damit er sich automatisch anpassen kann. Wie teuer der Schuh sein wird, hat Nike noch nicht bekannt gegeben.

Sybille Meier kann sich gut vorstellen, ein solches Modell zu tragen. Die 65-Jährige zieht häufig Turnschuhe mit Schnürsenkeln an — vor allem, wenn sie längere Strecken zu Fuß zurücklegen muss. So wie gerade bei ihrem Tagesbesuch in Lübeck. „Ich binde mir die Schuhe öfter mal neu, damit sie weiter oder enger werden“, sagt die Hamburgerin. „Es wäre schon praktisch, wenn ich das nicht mehr machen müsste.“

Ein paar Straßen weiter sucht sich Laura gerade im Geschäft „boys & girls“ ihre ersten Schnürschuhe aus. Bisher hat die Siebenjährige nur Modelle mit Klettverschluss getragen. „Kann ich die haben?“, fragt sie ihre Mutter Bettina Hesse und zeigt ihr ein graues Exemplar mit blauen Schnürsenkeln und Reißverschluss.

Auch ihre jüngere Schwester Bianca (5) will unbedingt Schuhe mit Schnürsenkeln haben — und bildet damit eine Ausnahme. Denn nach Angaben von Geschäftsinhaber Martin Lohmann lernen Kinder immer später, Schnürsenkel zu binden. „Mit vier oder fünf Jahren wäre das eigentlich schon möglich“, sagt er. „Aber es gibt nur noch wenige, die das so früh können.“ Schuld daran seien vor allem die Kindergärten. „Sie verlangen oft, dass die Kinder nur in Schuhen mit Klettverschluss zu ihnen kommen.“ Auch noch in vielen Grundschulen würden diese Modelle lieber gesehen. „Alles soll schnell gehen“, sagt Lohmann. „Kein Erzieher hat mehr Zeit, 20 Kindern die Schuhe zu binden.“ Er habe schon Achtjährige in seinem Laden gehabt, die mit Schnürschuhen nichts anfangen konnten. Die Schuhindustrie habe sich inzwischen darauf eingestellt und biete in den Schuhgrößen 24/25 bis 33/34 überwiegend Klettverschluss an.

Bei den Erwachsenen ist das anders. Im Schuhgeschäft „Salamander“ in der Lübecker Innenstadt stehen zahlreiche Turnschuhe mit Schnürsenkeln in vielen verschiedenen Farben. „Alles, was glitzert oder bunt ist, liegt dieses Frühjahr im Trend“, sagt Filialleiterin Tanja Behr. „Aber viele binden die Schuhe gar nicht mehr, sondern schlüpfen einfach so hinein — vor allem junge Leute.“

Inspiriert von einer Filmtrilogie

Vor rund 30 Jahren hat Filmheld Marty McFly in der „Zurück in die Zukunft“Trilogie selbstschnürende Schuhe ausprobiert. Jetzt lässt Nike die Science-Fiction-Modelle Wirklichkeit werden. Ende des Jahres soll der „HyperAdapt 1.0“ auf den Markt kommen. Am Mittwoch wurde der Schuh in New York vorgestellt, er soll in drei Farben produziert werden. Einen ersten Prototypen des Schuhs hatte „Zurück in die Zukunft“-Hauptdarsteller Michael J. Fox bereits im vergangenen Jahr bekommen.

Von Janina Dietrich

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