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Wirtschaft im Norden Wo gibt es Kaffee ohne Wegwerfbecher?
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20:23 26.11.2016
Die Filiale der Stadtbäckerei Junge hat den LN-Becher ebenfalls befüllt. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Ohne zu zögern nimmt die Verkäuferin den Becher an. Ein Café Latte zum Mitnehmen, bitte abgefüllt in den mitgebrachten Thermosbecher. „Natürlich, kein Problem“, sagt die Mitarbeiterin in der Balzac-Filiale im Lübecker Hauptbahnhof. „Das gibt sogar 25 Cent Rabatt.“ Immer mehr Cafés und Bäckereien bieten diesen Service an. Sie bekämpfen damit die Flut von Wegwerfbechern. Die LN haben getestet, wo Kaffee zum Mitnehmen auch in die Becher der Kunden ausgeschenkt wird.

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Ohne zu zögern nimmt die Verkäuferin den Becher an. Ein Café Latte zum Mitnehmen, bitte abgefüllt in den mitgebrachten Thermosbecher.

„Wir wollen etwas für die Umwelt tun und unseren Kunden etwas zurückgeben, die auch so denken“, sagt Balzac-Sprecherin Franziska Isensee. „Das Angebot wird immer mehr angenommen, gerade an Bahnhöfen.

Unsere Gäste wollen auch im Zug ein warmes Getränk haben.“ Die Mitarbeiter müssen dabei beachten, dass der Becher nicht mit Teilen der Kaffeemaschine in Berührung kommt. Das Getränk wird also in einem seperaten Mehrweggefäß zubereitet und später umgefüllt. Bevor der Gast den Becher über den Tresen reicht, muss er den Deckel abnehmen.

„Der Gastronom ist hier in der Sorgfaltspflicht, indem er sicherstellt, dass die durch ihn in Umlauf gebrachten Lebensmittel keine Risiken bergen“, erklärt Stadtsprecherin Valessa Glisovic. In Lübeck überwacht das Gesundheitsamt die Hygienemaßnahmen, um gesundheitliche Risiken bestmöglich zu minimieren. In die Hygienebereiche von Cafés, dazu zählt auch der Platz hinter der Theke, dürften nur bekannt saubere Behältnisse gelangen, so Glisovic. „Wir freuen uns, wenn möglichst viele Gastronomen dabei helfen, mit nur geringem Aufwand das durch Einwegbecher verursachte Müllproblem einzudämmen.“

Auch in der Stadtbäckerei Junge an der Königstraße wird der Kaffee auf Wunsch in den Thermobecher gefüllt. Doch das Thema Hygiene ist heikel. Für Sprecher Gerd Hofrichter fehlt eine eindeutige gesetzlichen Regelung. „Wie gehen wir mit den unhygienischen Bechern um?“, fragt er im Hinblick auf mitgebrachte Tassen. „Es gibt noch Unwägbarkeiten bei der Umsetzung. Wir denken aber über eine Lösung nach“, sagt Hofrichter. „Auch wir wollen Müll vermeiden.“

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe werden bundesweit 320000 Coffee-to-go-Becher geleert und weggeworfen – pro Stunde. Im Jahr sind das fast drei Milliarden Stück. Mit der Menge an Energie, die nötig ist, um die Wegwerfbecher zu produzieren, käme eine Stadt wie Schwerin ein Jahr lang aus. Und recyclen lassen sich die Becher nicht – sie sind von innen mit Kunststoff beschichtet.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) betonte, man müsse wegkommen von der Wegwerfgesellschaft. „Dafür brauchen wir keine Bundesregelung, das geht auf lokaler und freiwilliger Basis.“ So hat etwa in Hamburg der Kaffeeimporteur El Rojito Anfang November ein Pilotprojekt mit einem Mehrwegbecher-Pfandsystem gestartet. Gut ein Dutzend Cafés macht schon dabei mit.

Die Filiale von Campus Suite im Lübecker Hochschulstadtteil ist zur Mittagszeit gut besucht. Studenten und Mitarbeiter der Uni essen hier zu Mittag oder kaufen einen Coffee-to-go. Die Verkäuferin nimmt den Becher sofort entgegen und füllt ihn mit frisch aufgebrühtem Espresso und aufgeschäumter Milch. Auch in der Filiale der Möllner Bäckerei Von Allwörden im Haerder-Center gibt’s den Kaffee in den Thermobecher gezapft.

Im Kaffeehaus an der Hüxstraße wird Kaffee zum Mitnehmen ausschließlich in kompostierbare To-go-Becher oder mitgebrachte Gefäße ausgeschenkt. „Wir legen sehr viel Wert auf ökologisch abbaubare Verpackungen“, sagt Inhaber Holger Schubert. Bislang werde das Angebot jedoch nur selten angenommen. „Aber wir gestalten gerade eigene Mehrwegbecher“, verrät er. Kunden, die ihren Kaffee in diese abfüllen lassen, bekommen 50 Prozent Rabatt auf ihr Getränk.

Der LN-Versuch in Lübeck zeigt: Es muss nicht immer der schnelle, bequeme Kaffee im Pappbecher sein. Wir waren in fünf Läden, und überall wurde auf Wunsch das Getränk in unseren Thermobecher gefüllt.

Und manchmal spart man dabei sogar bares Geld.

Jan Dresing

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