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Wirtschaft im Norden Wo ist das Geld aus der Tombola?
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11:36 26.10.2012
Ostholstein

Beim Vorstand der Wirtschaftsvereinigung Scharbeutz liefen in den vergangenen Tagen die Telefondrähte heiß. Hauptthema der Gespräche war der von Kassenprüfer Eckhard Laske während der Mitgliederversammlung vorgelegte Prüfungsbericht für die Vereinskasse. Und der wirft mehr Fragen auf als er Antworten gibt. Gestern erneuerte Laske seine Kritik an der Kassenführung, und er sagt: „Ich bin froh, dass ich Richter a. D. und nicht Staatsanwalt a. D. bin. Sonst hätte ich meiner beamtenrechtlichen Dienstpflicht nachkommen und zur Staatsanwaltschaft gehen müssen.“

Denn ein wichtiges Detail ist der Verbleib des Geldes, das bei einer Tombola zum Mittsommernachtsfest 2011 eingenommen wurde. Auch in den LN war angekündigt worden, dass jedes Los 49 Cent koste, und der Erlös „zu einem Teil einem Waisenhaus in Lübeck“ gespendet werde.

Laske hatte bereits dargestellt, dass es in der Hansestadt kein Waisenhaus gibt. Daraufhin habe ihm die Wirtschaftsvereinigungs-Vorsitzende Sylvia Land-Inselmann erklärt, dass es sich bei diesem „Waisenhaus“ um eine Jugendhilfeeinrichtung der Vorwerker Diakonie in Lübeck handele. Dorthin aber, so berichtete Rotraud Schwarz, die im vergangenen Jahr die Kasse der Vereinigung führte, habe sie kein Geld überwiesen, weil sie dafür vom Vorstand keine Anweisung bekommen habe.

Sylvia Land-Inselmann äußerte sich gestern auf LN-Anfrage zurückhaltend: „Ich muss mir den Kassenbericht noch einmal genau anschauen und muss das richtig recherchieren.“ Ihr Stellvertreter Dieter Färber wurde da schon konkreter: „Es war bislang immer so, dass der Überschuss der Feste in erster Linie der Kostendeckung diente. Wenn dann Geld übrig war, wurde es an soziale Einrichtungen gegeben.“ Aufgrund schlechten Wetters sei das Mittsommernachtsfest 2011 aber kein Erfolg gewesen. Färber: „Damals gab es ein Minus von 3500 Euro, in diesem Jahr eines von 5000 Euro – und das bei 8000 Euro Gesamtkosten.“ Hätten die Vorstandsmitglieder nicht selber je 500 Euro in die Kasse gegeben, hätten beispielsweise Künstler nicht bezahlt werden und andere Ausgaben nicht getätigt werden können.

Färber kann sich nicht mehr ganz genau an das Fest im Jahr 2011 erinnern, weiß aber, dass er, wie alle anderen auch, mal Lose verkauft habe. Wie viele es insgesamt waren, wisse er nicht.

Gute Erinnerungen an das Fest hat hingegen Gabriela Laske, Ehefrau des Kassenprüfers. Sie sei ein wahres Verkaufstalent, sagt ihr Mann, und: „Gabriela ist so überzeugend, dass sie sogar einem katholischen Priester ein eheliches Schlafzimmer verkaufen würde.“

In Scharbeutz ging es aber lediglich um 49-Cent-Lose. Gabriela Laske: „Als ich sagte, wir verkaufen Lose, um damit Veranstaltungen in Scharbeutz zu finanzieren, bin ich wenig losgeworden.“ Sie habe sich daraufhin beim Vorstand erkundigt: „Wofür stehe ich hier eigentlich?“ und als Antwort erhalten: „Für Spenden an ein Waisenhaus in Lübeck.“ Mit diesem Hinweis habe sie anschließend weitaus mehr einnehmen können. „Viele Käufer fanden die Idee ganz toll und haben dann gleich zehn Stück genommen.“ An Seltsames denkt sie zurück, wenn sie die Übergabe ihres Los-Geldes an ein Vorstandsmitglied beschreibt: „Es wurde nicht gezählt, sondern einfach in ein Gefäß geschüttet.“

Aus den ihm vorliegenden Unterlagen gehe hervor, dass es insgesamt zwei Rechnungen gab, auf denen der Kauf der Loszettel dokumentiert wurde, so Laske. Wie viele es waren, wisse auch er nicht. Ebenso wenig könne er sagen, ob die Vorgänge, die sich aus den Kassenunterlagen ergeben, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Untreue oder der veruntreuenden Unterschlagung nach sich ziehen könnten.

Sein Rat an den Vorstand der Wirtschaftsvereinigung: „Sobald es die Kasse zulässt, würde ich auf diskretem Weg eine Spende an die Jugendhilfeeinrichtung überweisen.“ Das werde sicherlich nicht sofort sein, denn während der Versammlung hatte Laske dargelegt, dass der Kassenbestand der Wirtschaftsvereinigung Scharbeutz am 31. Dezember 2011 genau 33 Euro betrug.

Dieter Färbers Wunsch für die Zukunft an alle Beteiligten: „Geben Sie uns Zeit, diese Misere aufzuarbeiten.“ Im Frühjahr nächsten Jahres soll ein neuer Vorstand gewählt werden.

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