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Wirtschaft im Norden Wohnen auf 15 Quadratmetern: „Mehr braucht kein Mensch“
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15:45 13.04.2018
Frankfurt am Main/Neumünster

Was in normalen Wohnungen der Größe eines Kinderzimmers entspricht, reicht bei einem so kleinen Haus für alles: Küche, Wohnraum, Essplatz, Schreibtisch, Bad und zwei getrennte Schlafbereiche finden Platz in den durchschnittlich zweieinhalb mal acht Meter kleinen Minihäuschen. Auch von außen sehen sie aus wie Häuser – nur geschrumpft. Die einen feiern den Minimalismus und die Konzentration aufs Wesentliche in Tiny Houses, andere verlieben sich in die raffinierte Architektur. Und auch angesichts explodierender Mieten und Grundstückspreise treffen sie den Zeitgeist.

Frankfurt am Main/Neumünster. „Für einen Wiener Walzer wird’s knapp, aber für eine Rumba reicht’s locker“, sagt Peter Pedersen und lacht. Mit diesem Spruch führt der Winzighaus-Bauer aus Neumünster Menschen gern durch sein „Tiny House“, sein kleines 15-Quadratmeter-Haus.

In Berlin hat der Architekt Van Bo Le-Mentzel ein Jahr lang bis Mitte März einen temporären Campus aus Tiny Houses auf dem Freigelände vor dem Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung kuratiert.

Darunter waren eine „100-Euro-Wohnung“, ein Tiny-Tea-House und eine Alternative zu Containern für Geflüchtete und Studenten.

Pedersen kam zu den Tiny Houses, weil er sich über die Mietpreise ärgerte, als sein Sohn anfing zu studieren. Heute verkauft er welche, im Mai sollen die ersten seine Werkstätte verlassen. Wer ein Tiny House betritt, erwartet Enge. Doch vor allem die Deckenhöhe, bei Pedersens Haus sind es 3,20 Meter, öffnet den Raum. Die obere Etage besteht nur aus zwei Galerien mit Betten – der Rest bleibt offen und macht das Erdgeschoss hell und luftig. Und dank der Konstruktion, die jeden Zentimeter nutzt, gibt es sogar Stauraum. „Wenn Leute zum ersten Mal reinkommen, sind sie überrascht, schweigen und schauen“, erzählt Pedersen: „Dann sagen sie: Mehr braucht kein Mensch.“

Wie früher eine Hütte bauen – dieses Gefühl wecken Tiny Houses bei Christian Bock. „Das hat etwas Ursprüngliches: Alle Grundbedürfnisse menschlichen Lebens lassen sich hier verwirklichen“, sagt der Tischlermeister aus dem hessischen Bad Wildungen-Braunau: In den Häuschen ist es warm und trocken, man kann dort gemeinsam essen und schlafen. Auf die Idee, sich ein Zwergenhaus zu bauen, kam er, als er viel unterwegs war. Bock begann, einen Bauwagen auszubauen. „Doch das war nicht so das Haus-Flair“, erinnert sich der Tischlermeister. Er stieß auf die Tiny- House-Bewegung und war angetan. Zeichnete und tüftelte, recherchierte und baute. Und weil er merkte, dass er einen Nerv getroffen hatte, konstruiert er die Häuschen mittlerweile auch für andere, Kosten je nach Ausstattung zwischen 35 000 und 60 000 Euro. Wer sich sein Tiny Home selbst baut, muss mit etwa 30 000 Euro rechnen, wie in den zahlreichen Blogs zum Thema beschrieben wird.

„Einfach so darf man das Haus nirgendwo aufstellen“, sagt Pedersen. Wenn darin gewohnt werde, gelte es als Immobilie und unterliege dem Baurecht. Im einfachsten Fall ließe sich das mit einer Stellplatzgenehmigung auf dem eigenen Grundstück organisieren. Eine Lösung kann auch sein, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun. Das dachten sich auch Steffi Beck und Philipp Sanders aus München. Auf der Suche nach einem Grundstück für ihr Tiny House verschlug es sie ins bayerische Fichtelgebirge. Dort kauften sie ein 17 000 Quadratmeter großes Grundstück und eröffneten ein „Tiny House Village“. In ihrem winzigen Hotel können Minimalisten Urlaub machen. Rundherum wollen sie ein Dorf aufbauen: Mit Menschen, die sich gegenseitig helfen, Musik und Sport machen, gärtnern und essen.

 Von Brigitte Bitto

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