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Wolfram Siebeck war das kulinarische Gewissen Deutschlands

Mahlberg Wolfram Siebeck war das kulinarische Gewissen Deutschlands

Der bekannte Gourmet, Autor und Gastronomie-Kritiker starb gestern im Alter von 87 Jahren – Für sein Auftreten und seinen Ton wurde er gehasst und geliebt zugleich.

Mahlberg. Angeblich aß Wolfram Siebeck erst mit etwa 80 Jahren seine erste Currywurst – und er fand sie natürlich fürchterlich: „Mein Hunger auf Currywurst ist bis zum Lebensende gestillt“, sagte er danach. Bis ins hohe Alter behielt der Gourmet, Gastronomiekritiker, Buchautor und Kolumnist seinen Biss und verstand sich als das kulinarische Gewissen Deutschlands. Gestern starb Siebeck, der im badischen Mahlberg in der Nähe von Freiburg wohnte, mit 87 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.

Vor ein paar Jahren, als er 85 wurde, sagte Siebeck zufrieden: „Das Essen und Trinken ist vor mehr als 60 Jahren zu meinem Lebensinhalt geworden.“ Er verstand sich als Teil der „genießenden Linken“, ätzte gegen das oft genussfeindliche „protestantische Erbe“ in Deutschland. Oft und gerne fuhr er in den vergangenen Jahrzehnten nach Frankreich. Das Land lag nah an seinem Zuhause, nur wenige Kilometer entfernt.

Um 1950 herum, mit etwas über 20, begann er mit dem guten Essen. Es war damals eine Reise nach Frankreich, die ihn auf den Geschmack brachte. Kulinarisch verwöhnt war er zuvor keinesfalls. „Meine Mutter und meine Großmutter kochten miserabel, außerdem gab es in den Kriegsjahren nichts Gescheites zu essen.“

1928 in Duisburg geboren, wuchs Siebeck in Essen und Bochum auf. Bei Kriegsende geriet Siebeck 1945 als Flakhelfer in Norddeutschland in britische Kriegsgefangenschaft war einige Monate auf der Insel Fehmarn interniert. Nach dem Krieg absolvierte er eine Grafiker-Ausbildung, arbeitete als Schildermaler, wurde Pressezeichner, war freier Illustrator, dann Autor. Er schrieb für Zeitungen und Zeitschriften wie „Twen“, „Stern“, viele Jahre für die Wochenzeitung „Die Zeit“, später auch fürs „Zeit“-Magazin und die Gourmet- Zeitschrift „Der Feinschmecker“.

Seine Kritiken waren oft umstritten, viele Leser störten sich am angeblich arroganten Ton und dem zur Schau getragenen Hedonismus – andere liebten ihn genau dafür. Er veröffentlichte viele Bücher, wurde selber zu einer Marke. Dazu trugen auch etliche Fernsehsendungen mit ihm bei.

„Bei mir steht die Aufklärung der Konsumenten an oberster Stelle“, sagte Siebeck. „Essen und Trinken ist in aller Munde. Aber richtig weitergekommen sind wir in all den Jahren nicht, im Gegenteil“, meinte er bis zuletzt. Seine Kritik: „Die Deutschen geben zu wenig Geld für gutes Essen aus und sie sind dem Wahn der Fertiggerichte verfallen.“ Doch genießen lasse sich lernen. „Statt im Supermarkt sollten die Menschen beim guten Metzger, Käsehändler oder Erzeuger vor Ort einkaufen“, riet er. „Das bringt Lebensqualität.“

LN

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