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Wirtschaft im Norden Zahl von Flüchtlingen in Ausbildung stark gestiegen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Zahl von Flüchtlingen in Ausbildung stark gestiegen
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21:14 06.01.2018
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Lübeck

Die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer Lübeck verzeichnete Anfang Oktober 190 Ausbildungsverhältnisse mit jungen Menschen aus Afghanistan, 122 mehr als noch Anfang 2017. Die Zahl der Lehrlinge aus Syrien stieg von 32 auf 123. Auch die Zahl der Lehrlinge mit einem eritreischen (22), irakischen (28) oder iranischen Pass (39) hat sich erhöht. Darüber hinaus absolvieren derzeit 80 Personen aus einem Asylherkunftsland eine so genannte Einstiegsqualifizierung, die sie auf eine Ausbildung vorbereiten soll.

Die Entwicklung bei den Azubis verläuft damit, anders als bei erwachsenen Ausländern, die oft nur schwer vermittelbar sind, sehr positiv. Dafür gibt es Gründe:

„In den vergangenen zwei Jahren hat sich das Handwerk mit großem Engagement der Aufgabe gestellt, junge Menschen mit Fluchthintergrund beruflich zu orientieren und sie auf eine Ausbildung im Handwerk vorzubereiten. An den aktuellen Zahlen wird deutlich, dass diese Bemühungen inzwischen Früchte tragen“, sagt Christian Maack, Geschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. „Das Handwerk braucht gut qualifizierte Fachkräfte und ist offen für Praktikanten und Auszubildende aller Nationalitäten.“ Maack betont indes, dass spätestens während des Berufsschulunterrichts fehlende Deutschkenntnisse für die Flüchtlinge zu einer großen Hürde würden. „Jetzt geht es darum, alle Anstrengungen darauf zu konzentrieren, Lehrlinge beim Spracherwerb zu unterstützen, um den Ausbildungserfolg nicht zu gefährden.“

Zahlreiche Programme, Initiativen und das Engagement einzelner Betriebe haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Geflüchtete mittlerweile in der handwerklichen Ausbildung angekommen sind. So die Qualifizierungsinitiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“ gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium und der Bundesagentur für Arbeit. Die Handwerkskammer Lübeck hatte bereits 2011 das Projekt „Handwerk ist interkulturell“ ins Leben gerufen. Bisher wurden in diesem Projekt über 800 Flüchtlinge individuell beraten; 116 konnten in sozialversicherungspflichtige Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden. Darüber hinaus unterstützen seit 2016 drei Willkommenslotsen die Betriebe vor Ort bei der Ausbildung.

Auch die IHK zu Lübeck berichtet über eine „erfreuliche Steigerung“ bei der Ausbildung von Migranten aus Krisengebieten. 2017 seien acht Iraker erfasst worden (2016: drei), elf Iraner (2016: fünf), 32 Syrer (2016: drei) und 62 Afghanen (2016: 31). Auch aus Eritrea, dem Jemen, Somalia und Armenien gebe es mehr Azubis. Dabei sei es hilfreich gewesen, dass die Bewerber erfolgreich Sprachkurse und Praktika oder Einstiegsqualifizierungen absolviert hätten. IHK-Sprecher Can Özren: „Viele Betriebe haben nach ersten guten Erfahrungen weitere Geflüchtete eingestellt.“ „Die Bereitschaft der Arbeitgeber, Flüchtlinge als Auszubildende zu gewinnen, ist sehr groß“, verdeutlicht Sebastian Schulze, Geschäftsführer der Unternehmervereinigung UV Nord. Das Land als Träger der Berufsschulen müsse nun die nötige Unterstützung gewährleisten.

Die Landesregierung werde vier Stunden zusätzlichen Unterricht bieten, kündigte Birte Pusback vom Kieler Wirtschaftsministerium an. Dabei werde es um Sprachunterricht und Hilfe beim fachlichen Unterricht gehen. „Um einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist die eigene Ausbildung von Personal ein gewichtiger Faktor für die Unternehmen.“

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