Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Zahlung nach 45 Tagen: Dräger bittet Lieferanten um Geduld
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Zahlung nach 45 Tagen: Dräger bittet Lieferanten um Geduld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:36 26.02.2016
Absender der Briefe: Die Dräger-Firmenzentrale in der Moislinger Allee in Lübeck. Quelle: Heimken/dpa
Anzeige
Lübeck

Begründet wird das mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers.

Das Jahr 2015 sei „sehr herausfordernd“ gewesen, das Unternehmen habe „deutlich an Wettbewerbsfähigkeit verloren“. Deshalb arbeite Dräger intensiv an Verbesserungen. „Vor diesem Hintergrund haben wir uns nunmehr entschlossen, unsere Standard-Zahlungsbedingungen mit Wirkung vom 1. 3. 2016 auf 45 Tage netto umzustellen. Diese Umstellung betrifft alle Lieferanten mit Zahlungsbedingungen unter 30 Tage netto ohne Skontovereinbarung“, heißt es in dem Dräger-Brief. Im Falle von Rückfragen könne man sich an eine spezielle Mail-Adresse wenden. „Wir bedanken uns im voraus für ihr Verständnis und vertrauen weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit“, schließen die Absender.

„Das ist eine der Maßnahmen im Rahmen unseres Effizienzprogramms Fit for Growth“, erklärte gestern Dräger-Sprecherin Melanie Kamann. Eine 45-Tage-Frist sei im Vergleich üblich. Als Hauptgrund für die Maßnahme nennt sie einen „positiven Effekt auf die Liquidität“ des Unternehmens, außerdem würden dadurch Finanzierungskosten gesenkt. Mit anderen Worten: Wenn Rechnungen erst später bezahlt werden müssen, kann Dräger länger mit dem Geld arbeiten. Bei der E-Mail-Adresse hätten sich schon einige Lieferanten mit Nachfragen gemeldet, erklärt Kamann. Die Mails würden eingehend geprüft, wenn passende Gründe vorliegen, seien auch Ausnahmen von der neuen Regelung denkbar, sagte sie. Weitere Informationen dazu und zur Situation des Unternehmens gebe es bei der Vorlage der Bilanz für 2015 am 9. März. Im Dezember hatte Dräger den Abbau von 200 Stellen am Stammsitz Lübeck angekündigt.

Der geänderte Zahlungsmodus betrifft gerade auch viele kleinere Betriebe wie Restaurants und Hotels. Jens Musche, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Lübeck, zeigt sich „überrascht“ von den Plänen. „Ich kann das nicht unterstützen und hoffe nicht, dass sich so etwas durchsetzt. Die Kirche muss doch im Dorf bleiben. Wir müssen alle planen mit unserem Geld“, so Musche. „Unsere Branche ist sehr personalintensiv, da geht es nicht, dass kleine Betriebe sieben Wochen auf die Bezahlung einer Rechnung warten.“ Er habe sich das von einem so renommierten Unternehmen wie Dräger nicht vorstellen können, so der Dehoga-Chef.

„Das ist ein schlechtes Signal für die Handwerksbetriebe, die dadurch Kostensteigerungen in Kauf nehmen müssen“, kritisiert auch Christian Maack, Geschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. „In der Regel müssen Handwerkerleistungen sofort nach erbrachter Leistung bezahlt werden“, fügt er hinzu.

„Jedes Unternehmen versucht natürlich, seine Cashflow-Rechnung zu optimieren“, sagt Daniel Friedrich von der IG Metall Küste in Lübeck. Solch ein Schritt sollte aber gemeinsam mit den Geschäftspartnern besprochen werden. „Man muss Rücksicht nehmen, Lieferanten dürfen dadurch nicht überfordert werden und Probleme bekommen“, sagt Friedrich.

Christian Risch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die zwölf Restaurants der Edel-Burger-Kette „Hans im Glück“ im Norden werden demnächst „Peter Pane“ heißen. Für diesen Namen hat sich der Lübecker Patrick Junge entschieden, der die Läden bisher als Franchisenehmer betrieben hat.

26.02.2016

2015 endet mit zwölf Millionen Euro Bilanzgewinn — Höherer Kostendruck macht aber Konten teurer.

25.02.2016

Vorstand: Volksbank Lübeck hat einseitig abgesagt.

25.02.2016
Anzeige