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Zahlung nach 45 Tagen: Dräger bittet Lieferanten um Geduld

Lübeck Zahlung nach 45 Tagen: Dräger bittet Lieferanten um Geduld

Ein aktuelles Schreiben der Drägerwerk AG sorgt bei mehreren hundert Lieferanten und Geschäftspartnern des Lübecker Traditionsunternehmens für Unruhe. In dem Brief kündigt Dräger an, ab März seine Standard-Zahlungsbedingungen zu ändern und Rechnungen künftig erst nach 45 Tagen zu bezahlen.

Lübeck. Begründet wird das mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers.

Das Jahr 2015 sei „sehr herausfordernd“ gewesen, das Unternehmen habe „deutlich an Wettbewerbsfähigkeit verloren“. Deshalb arbeite Dräger intensiv an Verbesserungen. „Vor diesem Hintergrund haben wir uns nunmehr entschlossen, unsere Standard-Zahlungsbedingungen mit Wirkung vom 1. 3. 2016 auf 45 Tage netto umzustellen. Diese Umstellung betrifft alle Lieferanten mit Zahlungsbedingungen unter 30 Tage netto ohne Skontovereinbarung“, heißt es in dem Dräger-Brief. Im Falle von Rückfragen könne man sich an eine spezielle Mail-Adresse wenden. „Wir bedanken uns im voraus für ihr Verständnis und vertrauen weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit“, schließen die Absender.

„Das ist eine der Maßnahmen im Rahmen unseres Effizienzprogramms Fit for Growth“, erklärte gestern Dräger-Sprecherin Melanie Kamann. Eine 45-Tage-Frist sei im Vergleich üblich. Als Hauptgrund für die Maßnahme nennt sie einen „positiven Effekt auf die Liquidität“ des Unternehmens, außerdem würden dadurch Finanzierungskosten gesenkt. Mit anderen Worten: Wenn Rechnungen erst später bezahlt werden müssen, kann Dräger länger mit dem Geld arbeiten. Bei der E-Mail-Adresse hätten sich schon einige Lieferanten mit Nachfragen gemeldet, erklärt Kamann. Die Mails würden eingehend geprüft, wenn passende Gründe vorliegen, seien auch Ausnahmen von der neuen Regelung denkbar, sagte sie. Weitere Informationen dazu und zur Situation des Unternehmens gebe es bei der Vorlage der Bilanz für 2015 am 9. März. Im Dezember hatte Dräger den Abbau von 200 Stellen am Stammsitz Lübeck angekündigt.

Der geänderte Zahlungsmodus betrifft gerade auch viele kleinere Betriebe wie Restaurants und Hotels. Jens Musche, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Lübeck, zeigt sich „überrascht“ von den Plänen. „Ich kann das nicht unterstützen und hoffe nicht, dass sich so etwas durchsetzt. Die Kirche muss doch im Dorf bleiben. Wir müssen alle planen mit unserem Geld“, so Musche. „Unsere Branche ist sehr personalintensiv, da geht es nicht, dass kleine Betriebe sieben Wochen auf die Bezahlung einer Rechnung warten.“ Er habe sich das von einem so renommierten Unternehmen wie Dräger nicht vorstellen können, so der Dehoga-Chef.

„Das ist ein schlechtes Signal für die Handwerksbetriebe, die dadurch Kostensteigerungen in Kauf nehmen müssen“, kritisiert auch Christian Maack, Geschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. „In der Regel müssen Handwerkerleistungen sofort nach erbrachter Leistung bezahlt werden“, fügt er hinzu.

„Jedes Unternehmen versucht natürlich, seine Cashflow-Rechnung zu optimieren“, sagt Daniel Friedrich von der IG Metall Küste in Lübeck. Solch ein Schritt sollte aber gemeinsam mit den Geschäftspartnern besprochen werden. „Man muss Rücksicht nehmen, Lieferanten dürfen dadurch nicht überfordert werden und Probleme bekommen“, sagt Friedrich.

Christian Risch

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Lübeck
Der Hauptsitz der Firma Dräger, aufgenommen am 08.03.2013 in Lübeck (Schleswig-Holstein).

Der Lübecker Dräger-Konzern, einer der führenden Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik, blickt auf ein enttäuschendes Geschäftsjahr zurück: Der Gewinn brach 2015 um 62 Prozent ein. 350 Stellen im In- und Ausland werden abgebaut. Der Konzern will 100 Millionen Euro sparen. Die Dividende wird gekürzt.

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