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Wirtschaft im Norden Zeitarbeiter bekommen mehr Geld
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22:15 17.09.2013
Zeitarbeit ist in vielen Branchen üblich. Quelle: Foto: Keystone

Fast 800 000 Deutsche sind derzeit bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. In häufig wechselnden Betrieben zu arbeiten, ist für sie Alltag. „Leiharbeit zieht sich durch alle Branchen“, sagt Gerd Denzel, Fachbereichssekretär von Ver.di in Berlin. Besonders verbreitet sei sie im Maschinenbau und in der Automobilindustrie, aber auch in Logistik, Abfallwirtschaft, Druckindustrie oder im Gesundheitssektor kommt sie zum Einsatz.

Für alle Beschäftigten der Zeitarbeitsbranche steigen nun zum 1. Januar 2014 die Entgelte um 3,8 Prozent im Westen und 4,8 Prozent im Osten. Das teilten die Arbeitgeber und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gestern in Berlin mit. Für die unterste Entgeltgruppe bedeute das Stundenlöhne von mindestens 8,50 Euro im Westen. Im Osten sind es 7,86 Euro. Bis 2016 soll der Mindestlohn schrittweise auf 9,00 Euro im Westen und 8,50 Euro im Osten angehoben werden. Zumindest im Westen ist damit das Niveau des vom DGB geforderten gesetzlichen Mindestlohns erreicht.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte an, sie wolle die neuen Mindestlöhne umgehend für allgemeinverbindlich erklären, „damit alle Beschäftigten der Branche ab 1. Januar 2014 von dem Aufschlag profitieren können“. Die Einigung habe „eine überragende Bedeutung für die Mindestlohndebatte in Deutschland“.

Das Ergebnis zeige auch, dass die Tarifparteien keine Vorgaben der Politik brauchten, um auf vernünftige Lohnhöhen zu kommen, sagte von der Leyen mit einem Seitenhieb auf Forderungen von SPD, Linken und Grünen nach einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn zwischen 8,50 und 10 Euro. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zeigte sich zufrieden. Die dreijährige Vertragslaufzeit schaffe Planungssicherheit für Zeitarbeitsunternehmen und Betriebe, die Zeitarbeit als Instrument der Flexibilität nutzten. Für die Zeitarbeitsbranche stelle die Erhöhung eine starke Belastung dar, hieß es indes bei der Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ). Diese vertritt die beiden großen Zeitarbeitgeber-Verbände, den Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und den Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Zeitarbeit werde deutlich teurer. Dadurch werde der Zugang zum Arbeitsmarkt für Zeitarbeitnehmer mit geringer beruflicher Qualifikation in den unteren Entgeltgruppen erschwert, warnte VGZ-Verhandlungsführer Thomas Bäumer. Claus Matecki, Verhandlungsführer des DGB, wertete den Abschluss als wichtigen Pfeiler „auf dem Weg zu einer neuen Ordnung der Arbeit“. Dennoch bleibe die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung zu gleichem Lohn für gleiche Arbeit, betonte er. „Die neue Bundesregierung ist aufgefordert, hier unverzüglich zu handeln.“

Die Gewerkschaft Ver.di sieht „spürbare Verbesserungen“. Besonders wichtig sei aber, dass mit dem neuen Tarifvertrag „eindeutig klargestellt“ sei, dass Leiharbeitsbeschäftigte nicht als Streikbrecher eingesetzt werden dürften.

Ver.di will mehr Schutz
Zeitarbeiter haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie andere Arbeitnehmer, so Gerd Denzel von Ver.di. Der Arbeitgeber muss Sozialversicherungsbeiträge abführen und sich an den gesetzlichen Kündigungsschutz halten. In der Praxis werde das Arbeitsverhältnis jedoch oft nach Ende des Einsatzes sofort gekündigt. „Der gesetzliche Kündigungsschutz greift erst nach sechs Monaten, aber ein Leiharbeitsverhältnis dauert im Durchschnitt drei Monate.“ So werde der Schutz ausgehebelt. Wolfram Linke vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen sagt dagegen, wenn es keine Einsatzmöglichkeit gebe, werde der Lohn dennoch gezahlt. Meist würden in der einsatzfreien Zeit Überstunden abgebaut.

Peter Neitzsch

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