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Zinspolitik: Erste Stiftungen wollen aufgeben

Lübeck Zinspolitik: Erste Stiftungen wollen aufgeben

Ehrenamtliche Vorstände trauen sich nicht, Geld in Fonds oder Immobilien umzuschichten.

Lübeck. Die Niedrigstzinsen der Europäischen Zentralbank machen den Stiftungen zu schaffen – und die können mangels Rendite aus ihrem Kapitalstock auch im Norden immer weniger Projekte fördern. Auch der Stiftungs-Aufseher in der Lübecker Stadtverwaltung, Wolfgang Kloth, warnt vor den Folgen.

 

LN-Bild

Das Kinderliteraturhaus „Bücherpiraten“ in Lübeck wurde mit Stiftungsgeld gegründet.

Quelle: Jelonnek

Allein in der Hansestadt gibt es 112 Stiftungen, die bislang jährlich zusammen eine mehrstellige Millionensumme für gemeinnützige und auch viele kulturelle Projekte ausschütten. Zwischen 2006 und 2010 herrschte in der Hansestadt ein regelrechter Stiftungsgründungs- Boom, berichtet Wolfgang Kloth. Während über vier sehr große Stiftungen wie die Possehl-Stiftung das Landes-Innenministerium die Aufsicht führt, ist die Stadt für die Kontrolle und Beratung von 108 dieser Stiftungen zuständig.

Die „Bücherpiraten“ in der Fleischhauerstraße mit ihren Leseprojekten gerade auch für Kinder aus bildungsfernen Familien zum Beispiel mussten bereits Personal abbauen, weil Fördergelder fehlen. Auch auf dem Land geraten Projekte in Gefahr. In Kasseedorf in Ostholstein etwa kümmert sich eine Aufzuchtstation liebevoll um verletzte Uhus und andere Greifvögel. Finanziert wird das von der Mierendorff-Stiftung – aus den Zinserträgen, die es auf einen Kapitalstock gibt, der wie bei den meisten Stiftungen selber nicht angetastet werden darf. Doch diese Zinserträge dürften bald nur noch für den Kauf von etwas „Meisenfutter“ reichen, wie es in Kasseedorf kürzlich bitter hieß. Erste Stiftungen wollen aufgeben, sagt Kloth. Gerade bei den kleineren herrsche Frust.

Das Geld zum Beispiel in Fonds oder Immobilien umzuschichten, trauten sich viele ehrenamtliche Vorstände nicht. Eine Stiftung aufzulösen, gehe aber nicht so einfach. Die meisten seien von der Satzung her auf Ewigkeit angelegt. Aufgelöst werden dürften sie nur, wenn sich der Stiftungszweck nicht mehr erfüllen ließe. Davon könne im streng juristischen Sinne aber auch bei sehr niedrigen Zinsen nicht die Rede sein.

wh

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