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Zoll warnt vor gefälschten Medikamenten

Bonn Zoll warnt vor gefälschten Medikamenten

Viele der günstigen Arzneimittel entpuppen sich als gefährlich. Verbraucher können sich aber schützen.

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Der Zoll warnt vor gefälschten Medikamenten.

Quelle: Henning Kaiser/dpa

Bonn. Ob Potenzmittel, Schlankmacher oder Anabolika — der illegale Handel mit gefälschten Arzneimitteln boomt. Nach Erkenntnissen des Zolls nutzen im internationalen Vergleich ausgerechnet deutsche Verbraucher illegale Internetangebote besonders intensiv.

„Fälschungen werden auf die billigste aller möglichen Arten produziert.“ Pharmazeut Harald Schweim

Pharmazeut Harald Schweim von der Universität Bonn warnt, gefälschte Medikamente könnten lebensgefährlich sein. Insbesondere durch einen falschen, einen zu hoch oder zu niedrig dosierten Wirkstoff oder nicht angegebene Inhaltsstoffe besteht Gefahr für Leib und Leben. Die Produkte sind von Laien oft nicht vom Original zu unterscheiden — und was wirklich drinsteckt, lässt sich erst im Labor überprüfen. Fälschungen würden „auf die billigste aller möglichen Arten“ produziert, erläutert Schweim. Es seien schon Kapseln entdeckt worden, „die ausschließlich Straßendreck enthalten haben“. Auch seien Pillen „mit Straßenfarbe“ gefärbt und mit „Fußbodenwachs aus dem nächsten Supermarkt“ überzogen worden.

Besonders oft entdeckt der Zoll problematische Lifestyle-Medikamente, wie Kirstin Smolka vom Zollkriminalamt Köln erläutert. Sie fasst die am häufigsten aus dem Verkehr gezogenen Mittel so zusammen:

„Macht schön, macht braun, macht viele Haare, macht muskulös und macht potent.“ Die deutschen Verbraucher lassen ausgerechnet bei Onlinebestellungen von Arzneimitteln jede Vorsicht vermissen. Bei der Risikofreudigkeit von Internetbestellungen liegt Deutschland nach einer britischen Studie auf Platz eins: 38 Prozent der Deutschen seien bereit, risikobehaftete Produkte im Internet zu bestellen.

Nach der Zollstatistik zogen Fahnder im vergangenen Jahr 3,9 Millionen illegale und gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr.

Oft werde bei Bestellungen nicht mal das Impressum von Onlineapotheken gelesen, kritisieren Zollexperten. Bei einer von Ermittlern für genehmigte Tests eingerichteten falschen Adresse einer Internetapotheke seien 1400 Bestellungen eingegangen. Und dies, obwohl im Impressum des Onlineangebots ausdrücklich auf Folgendes hingewiesen worden sei: „Diese Apotheke wurde nur geschaffen, Sie zu belügen und zu betrügen “

Dabei sollte immer ins Impressum geschaut werden. Bei seriösen Firmen müssen dort drei Pflichtangaben zu finden sein: Name des Apothekers, Name und vollständige Anschrift der Apotheke, Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde und Apothekerkammer. Fehlen diese Angaben oder auch nur eine davon, ist Vorsicht geboten. Weitere Punkte sollten Kunden beachten: Seriöse Anbieter liefern rezeptpflichtige Arzneimittel nur, wenn sie das vom Arzt ausgestellte Originalrezept zuvor vom Kunden zugeschickt bekommen. Übrigens sind auch Versandapotheken gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden zur Anwendung von Arzneimitteln zu beraten. Die Beratungshotline muss mit deutschsprachigem pharmazeutischem Personal besetzt sein. Wer Zweifel hat, ob er einen seriösen Anbieter gefunden hat, kann sich per E-Mail unter faelschermelden@bvdva.de an den Bundesverband Deutscher Versandapotheken wenden.

Von André Stahl, Helmuth Klausing und Christina Neuhau

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