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Zu wenig Auslastung? Auch Kieler Werft auf dem Prüfstand

Kiel/Essen Zu wenig Auslastung? Auch Kieler Werft auf dem Prüfstand

Nach dem Verlust eines großen U-Boot-Auftrages will Mutterkonzern ThyssenKrupp die TKMS intensiv unter die Lupe nehmen – Deutliche Kritik der IG Metall.

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Das U-Boot „Rahav“, das für Israel gebaut wurde, im April 2015 im Dock der Werft ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel.

Quelle: Hoenig/dpa

Kiel/Essen. Der Essener ThyssenKrupp-Konzern wird seine Werften-Tochter ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) intensiv unter die Lupe nehmen. Nachdem die Konzernführung anfangs noch demonstrative Gelassenheit gezeigt hatte, wird nun unverkennbar: Der Verlust des 35 Milliarden Euro schweren U-Boot-Auftrags aus Australien bringt die Werftensparte des ohnehin schon schwankenden Industrie-Giganten in ernsthafte Probleme. In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der „Welt am Sonntag“ vorliegt, warnt die TKMS-Geschäftsführung vor einem „Auslastungstief“, in das einige Schiffbau- Bereiche „voraussichtlich in wenigen Monaten“ fallen würden. Dieser Alarmruf ist offenbar jedoch nicht mit der Essener Zentrale abgestimmt worden. Der Konzern prüfe, ob die Werftensparte „strukturell richtig aufgestellt“ sei, sagte ein Sprecher des Konzerns. „Hierzu gibt es erste Überlegungen, die sich noch in einem frühen Stadium befinden.“ Der Sprecher betonte jedoch, dieser Schritt sei unabhängig von der aktuellen Auftragslage beschlossen worden.

Der IG-Metall-Funktionär und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von ThyssenKrupp Marines Systems (TKMS), Peter Seeger, übte gestern deutliche Kritik an der Unternehmensführung. „Ich erwarte von der Geschäftsführung eine bessere Planung und Abarbeitung der vorhandenen Aufträge und für die Zukunft eine deutlich bessere Kostenkalkulation“, sagte er. Die Geschäftsführung müsse ihren Job besser machen, sagte der Chef der IG Metall Kiel-Neumünster. „Es gibt keine Not, über Entlassungen oder Personalmaßnahmen nachzudenken, diese Diskussion gibt es gar nicht“, sagte Seeger. In Kiel hat TKMS laut Seeger etwa 2700 Mitarbeiter, in Emden knapp 400 und in Hamburg 600. Auf den TKMS- Werften gibt es laut Seeger unterschiedlich ausgelastete Bereiche. Die Produktion in der Kieler Werft mit dem U-Boot-Bau sei bis zum Jahr 2020 ausgelastet. Dagegen fehlten im Überwasserbereich, der Fertigung von Fregatten zum Beispiel, in absehbarer Zukunft Aufträge. Perspektivisch gelte dies auch für den Konstruktionsbereich. Man dürfe nicht einzelne Werften- Standorte isoliert sehen, betonte Seeger.

Im April hatte der Konzern das Rennen um einen Milliarden-Auftrag für den Bau von australischen U-Booten an die Konkurrenz des französischen Schiffbaukonzerns DCNS verloren. In dem Schreiben der TKMS-Führung ist nun von „weitreichenden Auswirkungen auf das Unternehmen und großen Herausforderungen in den nächsten Jahren“ die Rede.

Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, müssen sich die 2700 fest angestellten Beschäftigten bei TKMS in Kiel jedoch keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Grund: Mit großen Aufträgen für Singapur und Ägypten ist die Fertigung von HDW-Booten bis 2020 hinein ausgelastet. Problematisch könnte es jedoch schon im kommenden Jahr für einen Großteil der 540 Leiharbeiter werden, die in der Konstruktion eingesetzt werden. Denn ohne neue Aufträge könnte die Auslastung in der Konstruktion bereits im Herbst 2017 kritisch werden. Umso größer ist die Hoffnung, dass Norwegen in diesem Herbst seinen großen U-Boot-Auftrag an TKMS vergibt.

Ulrich Metschies

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