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Zuckerquote fällt, Anbaufläche wächst

Düsseldorf Zuckerquote fällt, Anbaufläche wächst

Lange musste sich die deutsche Zuckerindustrie nicht mit dem Weltmarkt auseinandersetzen. Ende September aber fällt in der EU der Mindestpreis für Rüben weg. Da heißt es: fit machen für den Wettbewerb. Und was bedeutet das für die Preise?

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Die Anbaufläche von Zuckerrüben in Deutschland wird vermutlich weiter wachsen.

Quelle: Foto: Christoph Schmidt/dpa

Düsseldorf. Wenn Hubertus Velder auf dem Acker steht, schaut er weit in die Vergangenheit. Seit sieben Generationen bewirtschaftet seine Familie schon das Land in Rommerskirchen bei Köln. Auf rund 200 Hektar baut der 56-Jährige hier Gemüse an – auf 50 davon wachsen Zuckerrüben. „Mein Beruf ist mein Hobby“, sagt der Landwirt. 2017 könnte ein gutes Jahr werden. Wie viele andere Rübenbauern hat auch er seine Produktion gesteigert. Wachstum ist das Gebot der Stunde.

Die Expansionslust der Landwirte hat einen guten Grund: Bislang waren Produktion und Verkauf von Zucker in der EU streng reglementiert. Für die Zuckerrübe, aus der etwa 80 Prozent des Zuckers hierzulande stammen, galt ein fester Mindestpreis. Eine Quote bestimmte außerdem, wie viel Zucker insgesamt in Deutschland produziert werden durfte. Es war ein Markt ohne viel Bewegung. Zum 1. Oktober fallen diese Regelungen weg – mit weitreichenden Folgen zumindest für die Zuckerindustrie. „Aussaat und Anbau 2017 erfolgten bereits unter den neuen Marktordnungsvorgaben“, sagt Peter Kasten vom Rheinischen Rübenbauer-Verband. „In der EU wuchs die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um rund 17 Prozent.“

In Zukunft dürften die Preise von Zuckerrüben und fertigem Zucker stärker schwanken. Nach Einschätzung der Industrie wird sich für die Endverbraucher jedoch kaum etwas ändern. „Bei den meisten Lebensmitteln ist der Anteil des Zuckers an den gesamten Rohstoffkosten gering“, erklärt eine Sprecherin der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker. „Von daher erwarten wir keine spürbaren Effekte für die Verbraucherpreise dieser Lebensmittel.“

Die Zuckerfabriken, die die Rüben verarbeiten, versuchen ihrerseits, wettbewerbsfähiger zu werden, indem sie ihre Effizienz steigern. Nach dem Wegfall der Quoten wollen sie die bisherigen Importe durch eigene Produktion ersetzen. Dafür müssen sie sich gegen die wachsende Konkurrenz aus Europa rüsten.

Effizienz ist dabei oft gleichbedeutend mit Einsparungen. Im Oktober vergangenen Jahres hat etwa die Firma Pfeifer & Langen, die Produkte der Marke „Diamant Zucker“ herstellt, bereits angekündigt, ab dem Frühjahr 2018 eines ihrer Werke in Nordrhein-Westfalen schrittweise herunterzufahren und die Produktion auf andere Standorte zu verlegen.

„Ausruhen dürfen wir uns nicht“, mahnt auch Velder. „Die Quote hat fantasielos gemacht. Das war im Grunde Planwirtschaft.“ Sorgen mache er sich aber nicht. „Wir im Rheinland haben eine Traumlage. Der Zucker ist ein regionales Produkt, und wir haben mehrere Millionen Verbraucher vor der Haustür“, sagt der Landwirt.

Tendenziell könnten die Produktionsmengen in Deutschland steigen. „Ohne gesetzliche Beschränkungen hinsichtlich der Menge können Zuckererzeuger ihre Produktionskapazitäten optimieren und Produktionskosten für Zucker reduzieren“, heißt es bei der EU-Kommission. Auch auf dem Weltmarkt könne nun Zucker aus der EU verkauft werden.

LN

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