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Zum Arbeiten in die Welt hinaus

Lübeck Zum Arbeiten in die Welt hinaus

Viele Unternehmen aus dem Norden sind mit ihren Produkten global aktiv — und schicken Mitarbeiter aus der Region in ihre Auslandsbüros.

Lübeck. Lübeck/Schwarzenbek Sie arbeiten in Asien, Amerika, Afrika, Australien oder im europäischen Ausland: Zahlreiche Firmen aus der Region entsenden Mitarbeiter für einige Jahre in ein anderes Land. Die LN haben mit vier von ihnen gesprochen.

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Viele Unternehmen aus dem Norden sind mit ihren Produkten global aktiv — und schicken Mitarbeiter aus der Region in ihre Auslandsbüros.

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Für Fette in China: Ursprünglich wollte Johannes Helmel nur für ein bis zwei Jahre für den Schwarzenbeker Tablettenpressen-Hersteller Fette Compacting in Nanjing arbeiten. Doch dann blieb er fünf Jahre. „Es war meine beste Entscheidung, nach China zu gehen, beruflich wie auch privat“, sagt er. Denn bei der Arbeit lernte er seine jetzige Frau kennen, eine Chinesin, vor zwei Jahren kam ihre gemeinsame Tochter zur Welt.

In Nanjing half der 30-Jährige beim Aufbau eines KompetenzCenters, kommuniziert wurde auf Englisch. Die kulturellen Unterschiede zu Deutschland seien schon spürbar gewesen. „Die Chinesen legen sehr großen Wert auf guten Service — in allen Bereichen“, sagt Helmel. Zudem sei die Esskultur gigantisch. „Beruflich ist die Hierarchie allgegenwärtig, und viele versuchen, ihr Gesicht zu wahren, sprich sich keine Blöße bei Fehlern zu geben.“

Im vergangenen Jahr kehrte Helmel mit seiner Frau und seiner Tochter nach Deutschland zurück. „Ich würde es auch anderen empfehlen, nach China zu gehen, wenn man die Chance dazu hat“, sagt er.

Für Dräger in Schweden: „Ich wollte schon immer mal ins Ausland“, sagt Arne Jessen. Seit Mai 2014 arbeitet der 34-Jährige für den Lübecker Medizintechnik-Hersteller Dräger in Schweden.

Dort baute der Controller zunächst eine länderübergreifende Abteilung für Buchhaltung und Controlling für den skandinavischen Raum auf, die er heute leitet. Er ist einer von 54 Mitarbeitern, die Dräger zurzeit ins Ausland entsendet hat. „Die Mitarbeiter sind einmal komplett über die Welt verteilt“, sagt Personalleiter Gero Dietrich.

Jessen zog mit seiner Frau und seinem damals zwei Monate alten Sohn nach Göteborg. Inzwischen ist die Familie zu viert und immer noch glücklich über die Entscheidung. „Uns gefällt es wirklich gut hier — die Arbeitsaufgabe ist schön, aber auch das Leben in Göteborg.“ Vor allem für Familien werde viel geboten, es gebe ein großes Angebot an Spielplätzen. Durch ihre beiden Söhne hätten sie schnell Kontakt zu anderen Familien bekommen. Das habe die Eingewöhnungsphase erleichtert.

Seine 13 Mitarbeiter kommen alle aus Schweden. In der Anfangszeit verständigte sich Jessen mit ihnen auf Englisch, seit einem Jahr spreche er bei der Arbeit aber nur noch schwedisch. „Meine Frau und ich haben bereits vor unserer Abreise aus Deutschland einen Schwedisch-Kursus gemacht.“

Etwa einmal im Quartal kommt er zurück nach Deutschland. An Feiertagen, um die Eltern zu besuchen, oder auch mal zu Arbeitsbesprechungen. „Man merkt im Ausland schon, was man an der Heimat hat“, sagt Jessen. Es sei einfach ein anderes Gefühl, in Deutschland zu sein und die Sprache der vorbeilaufenden Menschen zu verstehen.

Jessens Vertrag läuft noch ein Jahr, es gebe aber die Option, den Aufenthalt in Schweden auf fünf Jahre zu verlängern. Noch ist nicht entschieden, ob es dazu kommt.

Für Baader in den USA: Es ist bereits sein zweiter Auslandseinsatz: Seit sieben Monaten arbeitet Dennis Schreiber für das Lübecker Maschinenbauunternehmen Baader in den USA. Von Seattle aus führt er das nordamerikanische Geschäft der Sparte Fisch und General Foods. Zuvor war er zwei Jahre lang im australischen Brisbane tätig. „Ich suche ständig nach neuen Herausforderungen“, sagt er.

Die Entscheidung, Lübeck zu verlassen, sei ihm dennoch nicht leicht gefallen. Vor allem die Ungewissheit, wie sich der Schritt auf die Familie und den Freundeskreis auswirken würde, bereitete ihm Sorgen. „So ein Auslandseinsatz ist nur dann möglich, wenn der Partner vollkommen hinter einem steht“, sagt der 37-Jährige. Er sei seiner Frau sehr dankbar, dass sie sich auf das Abenteuer eingelassen habe. Gemeinsam mit seiner dreijährigen Tochter und seinem einjährigen Sohn begleitete sie ihn nach Amerika. „Es war eine Herausforderung, den für die Familie richtigen Ort zum Leben und neuen Anschluss zu finden“, sagt er.

Schreiber ist einer von fünf Mitarbeitern, die Baader zurzeit ins Ausland geschickt hat. Neben Australien und den USA gibt es Entsendungen nach Dänemark, Norwegen und Island. Auch die dualen Studenten verbringen während ihrer Ausbildung meist ein halbes Jahr im Ausland. „Das Arbeiten in einer anderen Arbeitskultur, in einer anderen Sprache und in einem anderen Umfeld bereichert nicht nur den persönlichen Erfahrungsschatz, sondern prägt und stärkt unsere Mitarbeiter“, sagt Personalleiter Marc Hamer.

Drei- bis viermal pro Jahr kommt Dennis Schreiber zu Besuch nach Lübeck. „Auf der einen Seite müssen wir aufgrund des Auslandseinsatzes auf sehr viele Dinge verzichten“, sagt er. „Auf der anderen Seite erleben und erfahren wir mindestens genauso viele Dinge, die uns sonst verschlossen geblieben wären.“

Für Oldendorff in Singapur: Das tropische Wetter sei schon gewöhnungsbedürftig, sagt Marc Raddatz. Seit Anfang Februar arbeitet er für Oldendorff Carriers in Singapur. Im größten Auslandsbüro der Lübecker Reederei kümmert er sich mit seinen Kollegen um einen reibungslosen Ablauf von Frachtverkehr. „Ich stehe mit Kunden auf der ganzen Welt in Kontakt, die ihre Ladung von einem Land ins andere transportieren wollen“, sagt der 25-Jährige. Er habe Kontakt zu den Kapitänen auf den Schiffen und den Agenten in den Häfen.

Dabei verständigt er sich auf Englisch. Das sei für ihn aber nichts Neues. „Auch in unseren Büros in Deutschland wird hauptsächlich in englischer Sprache kommuniziert“, sagt der Lübecker. Zudem hat er bereits Auslandserfahrung. Vor seinem Start in Asien habe er acht Monate für Oldendorff in Südafrika gearbeitet. Das helfe ihm auch jetzt bei der Eingewöhnung. „Es ist natürlich anders, dennoch sind die ersten Schritte nicht mehr allzu neu für mich, zum Beispiel eine Wohnung zu finden.“

Marc Raddatz ist allein nach Singapur gekommen, die Entscheidung für den Auslandsjob sei ihm leicht gefallen. „Singapur ist eine unglaubliche Stadt. Sie ist sehr sicher und bietet viele Möglichkeiten — sowohl beruflich als auch für die Freizeitgestaltung“, sagt er. Kulturell gebe es schon einige Unterschiede. Dadurch, dass in dem Staat viele Volks- und Religionsgruppen zusammenlebten, seien die Menschen sehr weltoffen und ohne Vorurteile. Zudem sei den Singapurern modisches Auftreten sehr wichtig. „Shoppen ist ein Volkssport und wird in vielen Einkaufszentren zelebriert“, sagt er. „Dabei wird besonderen Wert auf Markenklamotten gelegt.“

Zurzeit hat Oldendorff 52 Mitarbeiter, die mal in Lübeck beschäftigt waren, ins Ausland entsendet. Sie arbeiten in den ausländischen Niederlassungen und Tochterunternehmen in Melbourne, Stamford, Vancouver, Singapur, Port of Spain, Dubai, New Amsterdam und London. Die meisten bleiben für zwei Jahre dort — so ist es auch bei Marc Raddatz geplant. Einmal jährlich will er zu Besuch nach Deutschland kommen. Zu Weihnachten, um Freunde und Familie zu sehen. „Das muss sein“, sagt der 25-Jährige. „Außerdem kann und will ich auf den Wildschweinbraten von meiner Oma nicht verzichten.“

Von Janina Dietrich

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